Pumuckl trauert um seine Erfinderin

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, würdigte Ellis Kaut in einem Nachruf: "Während der Mitarbeit bei den Unterhaltungssendungen im BR-Hörfunk, so erzählte Ellis Kaut es selbst, begann sie, sich Geschichten auszudenken und aufzuschreiben: Das war die Geburt des Pumuckl, die erste Sendung lief 1962. Seither hat der kleine, freche Kobold mit seinen Streichen Generationen von Kindern und Erwachsenen begeistert und das Programm des Bayerischen Rundfunks bereichert." Bild: dpa
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Bayern
25.09.2015
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Klein, frech und mit feuerroten strubbeligen Haaren - so kennen Generationen von Kindern in vielen Ländern den Kobold Pumuckl. Nun ist seine Schöpferin Ellis Kaut im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der rothaarige Kobold Pumuckl hat sie berühmt gemacht. Die Autorin Ellis Kaut schuf vor mehr als 50 Jahren den kleinen Klabautermann, der seitdem in Hörspielen, Fernsehsendungen und Büchern sein Unwesen treibt. Im Alter von 94 Jahren ist die Erfinderin des kleinen Quälgeistes am frühen Donnerstagmorgen nach langer Krankheit in einem Pflegeheim bei München gestorben.

Geheimnis gelüftet

Erst vor ein paar Jahren hatte Ellis Kaut das Geheimnis von Pumuckls Entstehung gelüftet. Er wurde - als Idee - bei einem Skiurlaub in der Schweiz geboren. Kaut hatte ihren Mann mit Schnee beworfen, der sie daraufhin einen "rechten Pumuckl" nannte. Aus dem Spitznamen sei die Hörspielfigur beim Bayerischen Rundfunk geworden, klein und frech genau wie sie selbst, berichtete Kaut 2009.

Bis zuletzt hat Kaut verfolgt, wie es um "ihren" Kobold stand - seine jüngste Abmagerungskur hatte ihr gar nicht gefallen. "Scheußlich" habe sie den schlanken Kobold gefunden, sagte ihre Tochter Uschi Bagnall. Der Stuttgarter Kosmos-Verlag wollte ihn für eine neue Ausgabe moderner zeichnen lassen - woraufhin der Illustrator ihn sportlich-dünn gestaltet. Nach empörten Reaktionen der Fans war klar, dass Pumuckl seinen Bauch zurückbekommt.

Pumuckls Lebensumstände waren nicht immer leicht zu fassen. Die Frage etwa, ob er nach Jahrzehnten als Single auch mal eine Freundin haben dürfte, musste gerichtlich geklärt werden. Während Kaut das "unappetitlich" fand, setzte sich hier seine Zeichnerin Barbara von Johnson durch.

Fotografie als Hobby

Zum 90. Geburtstag hatte sich Kaut gewünscht: "Gesundheit - und dass alle so lange leben wie ich, damit ich niemand sterben seh'." Dabei war die in Stuttgart geborene Kinderbuchautorin bis ins hohe Alter aktiv. So war es für sie keine Frage, dass sie ein Gutteil der Fanpost elektronisch per E.Mail beantwortete. Und bei ihrem Hobby Fotografie war sie längst auf Digitaltechnik umgestiegen. Regelmäßig traf sie sich mit anderen Fotografen in der "Sezession Münchner Lichtbildner". Und immer wieder standen Kinder plötzlich vor ihrer Haustür im Münchner Stadtteil Obermenzing und wollten ein Autogramm. "Ich weiß nicht, was die vielen Menschen mit all den Unterschriften anfangen", wunderte sich Kaut.

Sie war im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern nach München gezogen - und verkörperte 1938 offiziell das "Münchner Kindl". Ein Jahr später heiratete sie den Schriftsteller und Journalisten Kurt Preis. Die gelernte Schauspielerin und Bildhauerin arbeitete beim Bayerischen Rundfunk an Unterhaltungssendungen, Hörspielen und Kinderfunksendungen mit, schrieb Hunderte von Beiträgen für den Schulfunk und für Frauenmagazine.

Kinderherzen erobert

Nach seiner "Geburt" eroberten der freche Kobold "Pumuckl" und sein "Meister Eder" die Kinderherzen im Sturm - auch in europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich und sogar in China. Es gab eine Pumuckl-Briefmarke, und in München steht ein Pumuckl-Brunnen.

"Pumuckl" ist nicht Kauts einziges Werk. Eine Erfolgsstory wurden auch die 120 Geschichten vom "Kater Musch". Außerdem trieb "Uli der Fehlerteufel" - mit vollem Namen Ulimantulus Irrichmich - in den 70er und 80er Jahren sein Unwesen in Rechtschreibfibeln westdeutscher Schüler. Er verdrehte Buchstaben, stahl Satzzeichen oder ganze Wörter - die Kinder mussten die Fehler berichtigen.

Im Kampf gegen den Rechtschreibteufel rief Kaut eine Stiftung zur Förderung des Lesens und der Kinderliteratur ins Leben, die sie später an die Internationale Jugendbibliothek in München übergab.

16 Stunden am Tag

Zeitweise arbeitete Kaut 16 Stunden am Tag. Erst 2009 mit der Veröffentlichung ihrer Autobiografie "Nur ich sag ich zu mir" legte sie den Stift endgültig hin. Sie habe dennoch genug zu tun, sagte sie wenig später. Allerdings vertrödele sie auch viel Zeit. "Aber es ist ganz nett, wenn man sich dann sagen kann: "Du darfst" - der Spruch, der normalerweise auf irgendwelchen Leberwürsten steht."

Mit ihren Geschichten, mit Pumuckl und mit ihrer Stiftung, bleibt Ellis Kaut unsterblich. "Meister Eder und sein Pumuckl" wird immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt. Generationen von Kindern werden wahrscheinlich auch im digitalen Zeitalter weiterhin die Geschichten von dem rothaarigen Kobold lesen. Und sicher werden die Menschen weiter von Kauts Fehlerteufel Ulimantulus Irrichmich heimgesucht, wenngleich sein Name dann vielleicht in Vergessenheit geraten ist.
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