Ralph Siegel erzählt seine Geschichte
Mr. Grand Prix wird 70

Kurz vor seinem 70. Geburtstag (30. September) präsentierte Ralph Siegel seine Autobiografie in München. Der Grand Prix lässt ihn noch immer nicht los - das wird in dem 480 Seiten starken Buch deutlich. Bild: dpa
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Bayern
30.09.2015
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Tausende Lieder hat Ralph Siegel in seinem Leben geschrieben, das berühmteste davon gewann 1982 den Grand Prix. Diesem Riesen-Erfolg jagte der Komponist jahrelang hinterher. Der Grand Prix, so schien es, wurde für ihn zur Sucht. Heute, 30. September, wird Siegel 70 Jahre alt.

In der Biografie, die er gerade auf den Markt gebracht hat, fällt der Begriff gefühlt auf mindestens jeder fünften Seite: "Grand Prix". Der Liederwettbewerb, der heute Eurovision Song Contest heißt, hat das Leben des Komponisten jahrzehntelang bestimmt. In seinem Buch schreibt er: "Die Grand-Prix-Medaille für ,Ein bißchen Frieden' ist immer noch eine meiner schönsten."

"Ein bißchen Frieden"

Dutzende Male schrieb Siegel Songs für den Grand Prix, trat in unzähligen Vorentscheiden nicht nur in Deutschland an. Nur einmal schaffte er es auf Platz eins: 1982 mit der damals noch weitgehend unbekannten 17-jährigen Nicole und "Ein bißchen Frieden". Das machte die Sängerin und den gebürtigen Münchener lange Zeit zu den einzigen Deutschen im Olymp des Wettbewerbs. Die Zeiten sind heute längst vorbei. Für junge Leute ist der ESC heute Stefan Raab, Lena Meyer-Landrut, vielleicht noch Guildo Horn - aber schon lange nicht mehr Ralph Siegel. Dass ihm diese Entwicklung wehgetan hat, daraus machte der Komponist keinen Hehl. Nach Lenas Sieg sagte er der "Bild am Sonntag": "Nettes Mädchen, das beweist, dass man auch mit einer kleinen Stimme den Grand Prix gewinnen kann."

Wie schwer es ihm fiel zu akzeptieren, dass er im deutschen ESC-Geschäft nur noch eine untergeordnete Rolle spielte, zeigt, dass er - trotz angeblich "kleiner Stimme" - ein Lied für Lena geschrieben hat, wie er 2011 sagte. "Aber das wurde - wie alles, was ich mache - bei Raab immer abgelehnt". Das Lied hieß "I'll Follow the Sunshine" (Ich folge dem Sonnenschein).

Bei der Vorgeschichte ist überraschend, wie freundlich Siegel in seiner Biografie mit Raab umgeht: "Irgendwann tauchte Stefan Raab auf, der damals schon bei VIVA und TV Total mehr als bewies, ,Hans Dampf in allen Gassen' zu sein", schreibt er auf Seite 357. Was folgt, ist eine Zusammenfassung von Raabs Karriere - kleine Lobhudeleien inklusive.

Zwei Hörstürze

Über Guildo Horn, "Alf Igel", Raabs gezielte Provokation und die Medien, die damals begeistert auf die Geschichte aufsprangen, schreibt Siegel schlicht: "So wahnsinnig komisch fand ich in diesem Moment das gesamte Schauspiel ehrlich gesagt nicht." Und: "Deutschland war in Stefans Hand, und so suchte ich neue Wege."

Und so erzählt Siegel in seiner Biografie vor allem, was er erlebt hat in seinem langen Musikerleben - von einem Grand Prix nach dem anderen und auch von seinen drei Ehefrauen: Dunja, Dagmar und Kriemhild. Vor allem aber erzählt er die Geschichte eines Workaholics, der im Zweifel auch seine Gesundheit der Karriere opferte. Zwei Hörstürze habe er gehabt, 2007 erkrankte er an Prostatakrebs. Die Musik habe ihm bei der Bewältigung seiner Krankheit geholfen, sagt Siegel.
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