Rita Falks dritter Provinz-Krimi auf der Leinwand
"Al dente" fehlt die Würze

Kultur BY
Bayern
10.08.2016
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Rita Falk hat längst die richtige Rezeptur gefunden. In ihren millionenfach verkauften Provinzkrimis kredenzt sie ihren Lesern "Winterkartoffelknödel" oder "Dampfnudelblues". Nun flimmert der dritte Teil "Schweinskopf al dente" über die Leinwand. Bissfest ist er nicht geworden.

München. Große Filmmomente sind schon zuhauf adaptiert worden. In der neuen Rita-Falk-Verfilmung findet sich eine der bekanntesten Szenen aus "Der Pate" wieder - nur in abgewandelter Form. Statt eines Pferdekopfes liegt bedrohlich ein Schweinskopf im Bett des Niederkaltenkirchener Dienststellenleiters Maratschek (Sigi Zimmerschied). Der aus dem Gefängnis geflohene Psychopath Dr. Küstner (Gregor Bloéb), den Moratschek einst hinter Gitter brachte, soll die Botschaft hinterlassen haben.

Es ist ein verheißungsvolles Szenario, das da aufgebaut wird. Zumal die Vorgänger bewiesen haben, dass die ungewöhnlichen Rita-Falk-Geschichten auch im Kino funktionieren. Allerdings fällt "Schweinskopf al dente" stark ab. Die Geschichte wird kaum vorangetrieben und verliert sich stattdessen in Gags, die nicht zünden. Das Format ist einfach nicht mehr so überraschend, wie das anfangs der Fall war. Zudem fehlt den Filmemachern der Esprit, das mit den durchaus interessanten Figuren wettzumachen.

Stattdessen hat Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) mal wieder Beziehungsstress mit seiner Susi (Lisa Maria Potthoff), die ihm Arriverderci sagt. Sie zieht's zu ihrem Italiener, der ihr den Hof macht und eine Gastronomie besitzt. Und der Eberhofer? Er bringt einen der abgegriffenen Sprüche, die in den ersten beiden Teilen vielleicht noch witzig waren: "Was willst du denn in einer Pizzeria. Da bist du den ganzen Tag auf den Beinen und du neigst eh schon zu Krampfadern."

Ekelerregende Szenen


Auch die überfrachteten Kifferorgien von Papa Eberhofer (Eisi Gulp) wirken lahm. Das haben die Zuschauer in ähnlicher Form alles schon bei den Vorgängern gesehen. Hinzu kommen zahlreiche Klischees, die ausgewalzt werden, und ein vorhersehbarer Plot. Einige Szenen, in denen sich die Protagonisten übergeben sind übertrieben ekelerregend. Dazu gibt es in "Schweinskopf al dente" jede Menge Klamauk. Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) läuft in Boxershorts durch sein Büro. Hier und da wird ein nackter Hintern gezeigt. Mittel, zu denen Filmemacher anscheinend greifen, wenn ihnen die Ideen ausgehen. Bleibt also alle Hoffnung auf dem Bösewicht, gespielt von Gregor Bloéb. Der wartet mit einem unwiderstehlichen Sprech auf. Es ist nicht ganz so markant wie bei Christoph Waltz, geht aber in die Richtung. Szenen mit Bloéb sind die schmackhaften für die Zuschauer. "Schweinskopf al dente" hätte aber eindeutig mehr Würze wie diese vertragen.

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Regie: Ed Herzog - Mit: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Gregor Bloéb - Musik: Martin Probst - 96 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.constantin-film.de/kino/schweinskopf-al-dente
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