Rock-Festival nach wie vor beliebt
Ewiges Leben der Rockmusik

Je enger, desto besser: Auch ohne Osbourne, Kilmister und Johnson strömen zahlreiche Besucher zu Rock-Festivals und Live-Konzerten wie "Rock am Ring" oder Rock im Park". Archivbild: dpa
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Bayern
26.05.2016
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Harte Schläge für Rock-Fans: Lemmy von "Motörhead" ist tot, bei AC/DC singt nun Axl Rose und Ozzy Osbourne verabschiedet sich mit "Black Sabbath" von der Bühne. Im lukrativen Festival-Geschäft heißt es aber: The show must go on. Schließlich geht es um Millionen.

München/Dortmund. Doch auch wenn die alte Rocker-Garde schwächelt, übt sich die Veranstalterbranche in Zuversicht. Live-Konzerte seien gefragt wie nie und der Generationswechsel längst eingeleitet. Der Wechsel wird sich von Donnerstag bis Sonntag, 26. bis 29. Mai, auch beim ersten großen Rock-Festival der Saison zeigen, dem "Rockavaria" im Münchner Olympiastadion und seinem Zwillingsfestival "Rock im Revier" in Dortmund.

Klassiker wie "Iron Maiden" und "Slayer" stehen dort an diesem Wochenende ebenso auf der Bühne wie die deutsche Newcomer-Metal-Band "Beyond the Black", die erst im vergangenen Jahr ihr Debütalbum veröffentlichte. "Wir haben glücklicherweise eine erfolgreiche, junge, nationale und internationale Szene", freut sich der Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Auch deutsche Bands und Künstler wie Silbermond, Johannes Oerding oder Bosse füllten mittlerweile große Hallen und Stadien. Dass Rock-Puristen sich teils am bunten Mix der Musikstile zwischen Hip-Hop und Thrash-Metal bei Festivals stören, sieht Michow gelassen. "Die Veranstalter versuchen, ein breites Spektrum abzubilden."

Für die Musiker selbst sind Live-Auftritte im Internet-Zeitalter zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Während sie ihr Geld in den 1980er- und 90er-Jahren noch vor allem mit Tonträgern verdienten, stellen viele heute ihre Songs kostenlos zum Herunterladen ins Netz, um die Nachfrage für ihre Konzerte zu steigern. Neue Vermarktungsmöglichkeiten böten allerdings Live-Streams von Konzerten, mit denen ausverkaufte Großveranstaltungen zum Beispiel in Clubs übertragen werden können, erklärt Michow.

Mehr Konkurrenz


Rund 300 Musik-Festivals stehen in Deutschland jährlich auf dem Programm, davon über die Hälfte mit Rock- und Popmusik. Im Jahr 2013 lagen die Umsätze bei 337 Millionen Euro, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor. "Das hat aber ganz sicher zugenommen. Überall sind neue Festivals entstanden, und das Interesse an Live-Veranstaltungen nimmt immer noch zu", fährt Michow fort.

Das bringt aber auch mehr Konkurrenz mit sich. Nicht alle Festivals sind so erfolgreich, wie sich das die Veranstalter wünschen würden: Die Deutsche Entertainment AG (DEAG), Veranstalter von "Rockavaria" und "Rock im Revier", scheint sich mit dem Kartenverkauf in diesem Jahr etwas schwer getan zu haben.

Zumindest machten sie um die Verkaufszahlen noch ein großes Geheimnis, als "Rock am Ring" und "Rock im Park" - die Festivals, denen die DEAG Konkurrenz machen will - schon Zehntausende verkaufte Tickets meldeten.

Mit rund 35 000 Besuchern rechnet die DEAG in München, 2015 waren es noch über 49 000. Einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe hat die DEAG 2015 nach Angaben des Chefs Peter Schwenkow mit den neuen Festivals gemacht.In diesem Jahr soll die schwarze Null stehen, nächstes Jahr will die DEAG sich die Millionen wieder zurückholen.

Solche Sorgen hat man beim "Wacken Open-Air" schon lange nicht mehr. Rund 75 000 zahlende Besucher werden in diesem Jahr wieder auf dem Festivalgelände in dem schleswig-holsteinischen Dorf erwartet, die Tickets waren binnen 23 Stunden ausverkauft. 190 Euro inklusive Vorverkaufsgebühr lassen sich Metal-Fans aus aller Welt die drei Tage Dauer-Dröhnung mit Bands wie der Industrial-Metal-Formation "Ministry" oder der britischen Rockband "Therapy?" kosten.

Neue Einnahmequellen


Die Macher des "Wacken Open-Airs" haben genau das zum Geschäftsmodell gemacht und bieten nach Open-Air und Metal-Kreuzfahrt seit diesem Jahr auch mehrtägige Ski-Trips in die österreichische Bergwelt mit Übernachtung, Liftkarte und natürlich jeder Menge metallischer Musik.

Trotzdem hat die Ausgabenfreude vieler Fans Grenzen, räumt Michow ein. Angesichts gestiegener Kosten müssten die Veranstalter aber bei den Ticketpreisen eben hart kalkulieren. Wer mit Partner oder gar Familie ein Festival besuchen will und pro Nase gelegentlich bis zu 200 Euro für den Eintritt bezahlen muss, wird sich gut überlegen, ob er gleich das nächste Event ansteuert.
Die Veranstalter versuchen, ein breites Spektrum abzubilden.Jens Michow, Veranstaltungschef
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