Sammelleidenschaft
Hermann Reger sammelt Krippen

Maria und Josef in Oberpfälzer Tracht, staunende und andächtige Bauernkinder und neugierige Engerl am Heuboden, wieder ein Meisterwerk von Stefan Landthaler aus Fulpmes in Tirol.
Kultur BY
Bayern
24.12.2015
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Ein Engel geleitet einen Blinden zur Krippe. Gut erkennt man die kunsthandwerkliche Arbeit des Schnitzers.

Jedes Jahr stellt Hermann Reger bei sich zu Hause andere Krippen auf. Denn heilige Familien, Christkinder in der Krippe, Hirten, Schafe und Heilige Drei Könige hat er zuhauf in Schränken und Vitrinen. Er könnte ganz alleine mit seinen Schätzen eine Ausstellung bestreiten.

Der Hauer Onkel war schuld mit seiner Leidenschaft für Krippenfotografien", antwortete Hermann Reger auf die Frage, wie es denn begonnen hat mit seiner Sammelleidenschaft für Krippen. Der kleine Hermann durfte da oft dabei sein, wenn der Onkel zum Fotografieren ausrückte. Schmunzelnd fügt Hermann Reger an: "Schon bald danach bin ich immer narrischer geworden mit den Krippen. Und losgegangen ist es mit Marolinfiguren aus Steinach in Thüringen."

Überall Krippen


"Heut geht's nicht, da muss ich in St. Martin die Darstellung 'Maria zu Besuch bei der Base Elisabeth' aufstellen", sagte Hermann Reger bei der ersten Terminanfrage. Um die Krippe in St. Martin in Amberg kümmert er sich nämlich schon seit 28 Jahren. 15 verschiedene Darstellungen sind es insgesamt, die von November bis Ostern aufzubauen sind.

Dann klappt es doch zu einem Gespräch und zum Fotografieren. Auf jedem Stockwerk, in jedem Zimmer, im Treppenhaus, überall Krippen. Man weiß gar nicht, wo man zuerst sein Stativ aufbauen soll. Und ganz nebenbei erfährt man viel darüber, wie es denn losgegangen ist mit den Krippen. Sein Freund Harald Reitmeier vom Amberger Krippenverein hat darüber Wissenswertes zusammen getragen. Darstellungen mit der Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande finden sich schon auf Sarkophagen in den römischen Katakomben, die Geburt Christi ist zu sehen auf Sakral-Gegenständen der Langobarden und Bajuwaren aus der Zeit zwischen 400 und 800 nach Christus. Später folgten Weihnachtsspiele, welche als Anfänge der Krippengeschichte gelten können.

Als Begründer der sinnfälligen Darstellung des Weihnachtsgeschehens gilt der heilige Franz von Assisi, der 1223 in Greccio mit lebenden Tieren und Menschen das Weihnachtsgeschehen nachstellte und seine bekannte Weihnachtspredigt hielt. Die wirklichen Krippen entstanden erst etwa 300 Jahre später. Zuerst in Italien, im 16. Jahrhundert dann nördlich der Alpen. Die 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung gilt heute allgemein als erste Nennung einer Krippe im heutigen Sinn. 1973 war Hermann Reger das erste Mal bei einer Fahrt ins Stubaital dabei. Dort lernte er den Schnitzer Stefan Landthaler kennen. Mit ihm zusammen zog er von Dorf zu Dorf und kam dabei auch in Bauernhöfe, wo man ansonsten keinen Zutritt hat. Dort wurde auch das Gloriawasser kredenzt, meist ein selbst gebrannter Obstler. "Bist auf zwei Füßen hereingekommen, musst auch zwei Gloriawasser trinken", hörte der Besucher dann. "Ohne Kletzenbrot, dick mit Butter bestrichen, wäre das nicht auszuhalten gewesen", merkt Hermann Reger an.

Voll des Lobes


Mit österreichischen Krippenfreunden war Hermann Reger 1982 beim Welt-Krippen-Kongress in Madrid. 14 Tage waren sie damals unterwegs gewesen und haben sich auch Krippen in Segovia, Toledo, Avila und Madrid angeschaut. Der Amberger Krippensammler ist voll des Lobes über die Kunst der spanischen Krippenbauer, denen es gelingt, perspektivisch richtige Krippen zu gestalten. Das bedeutet, dass die Figuren und Gebäude im Vordergrund größer sind als die im Hintergrund.

In Barcelona wurde dann kräftig eingekauft. Bei der Zollkontrolle am Brenner wurde eine Quittung mit einem niedrigen Betrag vorgezeigt, immer die gleiche, lacht Hermann Reger und die österreichischen Zöllner haben, weil Sauwetter herrschte, den Bus schließlich entnervt weiterfahren lassen.

In Neapel und Rom war Hermann Reger mit Freisinger Krippenfreunden. Und zu allen diesen Reisen kann er wunderbare Geschichten erzählen. Zu Claudio Mattei vom Krippenverein "Ponte St. Petro" bei Bergamo hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt. In Schirgiswalde bei Bautzen war Reger ebenfalls mit dem Krippenverein. Dort wurden auch während der DDR-Zeit Krippen gebaut und Figuren geschnitzt, vor allem im Nazarener Stil.

Von Hand geschnitzt


Eine Besonderheit in der Regerschen Sammlung ist die Krippe, in der die Figuren Oberpfälzer Tracht tragen. Hermann Reger hat dem Schnitzer Stefan Landthaler dafür Bücher und Kalender geschickt. Und in diesem Zusammenhang zeigt er auch den Unterschied zwischen echt handgeschnitzten und solchen, die maschinell vorgefertigt sind und nur noch nachbearbeitet werden. Figuren, die ganz von Hand geschnitzt sind, haben unten eine Plombe als Echtheitszertifikat.

Überall in der Wohnung stehen kleine Schafe herum. Sie stammen von verschiedenen Schnitzern und jeder hat seine besondere Technik. Hermann Reger kennt sie alle auseinander und kann sagen, das ist vom Franz Spiegel, jenes vom Gleixner Karl und dieses vom Arthur Holzknecht. Gut 200 sind es insgesamt, eine große Schafherde also und Ziegen mögen es an die fünfzig sein.

Auf die Frage; was denn seine Lieblingskrippe sei, zögert Hermann Reger kurz und sagt dann: "Alle sind mir gleich lieb". Seine drei Töchter waren früher oft beim Krippenschauen dabei, sind sozusagen vom Krippenvirus infiziert, haben jetzt auch mehrere Krippen. Nun sind schon die Enkel am Werkeln, stellen Krippen auf und fragen dann den Opa, ob es passt.

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