Sandra-Janine Müller stellt Posamentenknöpfe her
Knopf-Kunst

Sandra-Janine Müller lernt Kreativen, wie man Prosamentenknöpfe herstellt. Bild: Fichtelgebirgsmuseum
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Bayern
01.03.2016
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Sie sind bunt, rund und vielseitig verwendbar. Im 18. Jahrhundert waren sie der Hit, dann liefen ihnen Metallknöpfe den Rang ab. Die Rede ist von ganz besonderen kleinen Knöpfen.

Wunsiedel. "Es ist spannend, etwas zu lernen, was 100 Jahre niemand mehr gemacht hat" sagt Sandra-Janine Müller, gelernte Trachten-Maßschneiderin und Mitarbeiterin der Trachtenkulturberatung Bezirk Schwaben im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Müller spricht von Posamentenknöpfen.

"Mit diesen Schmuckstücken peppte man im 18. Jahrhundert Kleidung auf. Bald aber lösten Metallknöpfe die kleinen Kunstwerke ab. Jetzt wurde das alte Handwerk wieder entdeckt. Es erlebt eine Renaissance. Die farbenfrohen Schmuckstücke verschönern vor allem Trachten. Lange war die Herstellung der Knöpfe ein streng gehütetes Geheimnis. Da sie aus vergänglichem Material hergestellt sind, findet man sie selten in Knopfsammlungen.

"An Trachten allerdings blieben die Posamentenknöpfe erhalten" informiert die wissenschaftliche Volontärin im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel, Jana Rosenbusch. Dort hat Sandra-Janine Müller die alte Kunst abgeschaut. Zusammen mit Monika Hoede will sie das Wissen über die Herstellung bewahren und an Interessierte weitergeben. Das Grundmaterial ist eine runde, gelochte Holzscheibe, die mit buntem Garn oder dünner Wolle umwickelt und umstickt wird. Dann vernäht man das Garn. Bald ist vom Holz nichts mehr zu sehen. Es entstehen bunte Hingucker mit unterschiedlichen Mustern.

Vielseitige Verwendung


Die Knöpfe werten Kleider auf und machen sie unverwechselbar. "Sie sind aber noch viel mehr als Verschlüsse am Festtagsgewand" berichtet Rosenbusch. "Die Leiterin des Fichtelgebirgsmuseums, Sabine Zententmeier-Lang, trägt die Schmuckstücke als Ohrringe. Außerdem schmücken sich die Damen gerne mit Broschen und Ringen".

Auch im Fichtelgebirgsmuseum kann der Besucher die Knöpfe bewundern: an einer Damenjacke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und an einer "Wunsiedeler Weste. "Tracht heißt, Geschichte weitertragen", sagt Müller. "Trachtenpunk" kreiert sie unter anderem in der eigenen Werkstatt. "Das ist Tradition und Mode, lebens- und farbenfroh. Das ist Jasagen zur Heimat und zur Welt. Und genau dazu passt außergewöhnliche Kleidung, aufgepeppt mit Accessoires, bunt und vielseitig, für selbstbestimmte, heimatbewusste Frauen, die Handarbeit und Kreativität zu schätzen wissen". Wer diese Technik ausprobieren will, kann das bei einem Kurs am 17. April von 10 bis 13 Uhr im Volkskundlichen Gerätemuseum in Arzberg-Bergnersreuth. Kosten 47 Euro. Mitzubringen sind Schere, verschieden dicke Näh- und Sticknadeln mit möglichst großem Öhr, bunte Garne, beispielsweise Häkelgarn (Stärke 1,5 oder 2), Sticktwist, Perlgarn oder dünne Sockenwolle. Leiterin ist Sandra-Janine Müller. Informationen unter museum@bergnersreuth.de.
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