Scharfe Kritik: Über 800 Mängel an Münchens jüngstem Kunstmuseum Brandhorst schon im Rohbau
Teure Technik, die nicht funktioniert

Der Bau des kubusförmigen, mit bunten Keramikstäben verzierten Museums Brandhorst in München kostete rund 48 Millionen Euro. Der Bayerische Oberste Rechnungshof legte nun erhebliche Baumängel offen. Archivbild: Thomas Schaller
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Bayern
25.03.2015
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München: Museum Brandhorst | Der Bayerische Oberste Rechnungshof macht bei seiner akribischen Arbeit auch vor Kultureinrichtungen nicht Halt. Die Staatsoper war schon dran, ebenso das Münchner Kindertheater. In diesem Jahr trifft es Münchens jüngstes Kunstmuseum: das Museum Brandhorst. Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) beklagt Baumängel am Museum Brandhorst. "Allein im Bereich Rohbau wurden bei der Abnahme etwa 800 Mängel festgestellt", heißt es im Jahresbericht der Kassenprüfer, der am Dienstag in München vorgestellt wurde.

"Nach Auffassung des ORH hätten mit einer sorgfältigeren Planung und einer konsequenteren Bau-Überwachung viele Mängel vermieden werden können." Im Mittelpunkt der Kritik: Eine natürliche Belichtung, die 5,3 Millionen Euro zusätzlich gekostet habe. "Schön wäre es, wenn die Technik für die Steuerung des Tageslichts dann wenigstens auch funktionieren würde", heißt es in dem Bericht. Wie schon in den Pinakotheken aber zeige sich auch im Museum Brandhorst: "Die komplizierte Regelung der natürlichen Beleuchtung ist störanfällig und auch im Betrieb aufwendig." Die gewünschte "Lebendigkeit des Tageslichts" könne die meiste Zeit gar nicht wahrgenommen werden, weil aus konservatorischen Gründen die Schwankungen des Tageslichts weggeregelt werden, heiß es im Bericht. "Der ORH fordert, auf derart komplexe und schwer beherrschbare Systeme künftig zu verzichten."

Kontraproduktiv

Außerdem ärgerlich: Eine sogenannte Bauteilaktivierung (BTA), bei der Rohrleitungen Wand- und Bodenflächen mit temperiertem Wasser durchspülen und damit Energiekosten senken sollten, hatte teilweise den gegenteiligen Effekt. Als das rund 46 Millionen Euro teure Museum 2009 eröffnet wurde, seien von 41 Kreisläufen nur drei funktionstüchtig gewesen. Der Fehler wurde nach Angaben des Rechnungshofes zwar später größtenteils behoben, einzelne BTA-Kreise sind inzwischen allerdings endgültig stillgelegt.

"Die erhofften Energieeinsparungen sind nicht eingetreten", heißt es in dem Bericht. "Das Gebäude braucht sogar mehr Energie als geplant" - unter anderem, weil die BTA die Räume kühlt, während gleichzeitig die Lüftung heizt. Das Kunstministerium in München betonte, dass der Bau des Museums mit 46,3 Millionen Euro billiger war als geplant. Der Landtag hatte demnach 48,2 Millionen Euro für den Bau genehmigt.
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