„Schwachsinn“, „bescheuert“, „Geldverschwendung“
Diamant in Acryl als Unruhestifter

Das Miniaturmodel des geplanten Kunstwerks "Rolihlahla", ein transparenter Acrylglas-Block mit einem Rohdiamanten, regt zu Diskussionen an. Der im Original geplante 1,80 Meter große Glasblock des Künstler-Duos "missing icons" ist nach dem zweiten Vornamen des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela benannt. Bild: dpa
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Bayern
29.04.2016
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Das Miniaturmodell des geplanten Kunstwerks "Rolihlahla", ein transparenter Acrylglas-Block mit einem Rohdiamanten, regt zu Diskussionen an. Der im Original geplante 1,80 Meter große Glasblock des Künstler-Duos "missing icons" ist nach dem zweiten Vornamen des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela benannt. Bild: dpa

"Schwachsinn", "bescheuert", "Geldverschwendung": Nürnberg diskutiert über ein geplantes Kunstwerk - einen Diamanten in einem Glasblock. Der Stein soll künftig in der Südstadt stehen, einem eher verrufenen Stadtteil. Nun ist der Kulturausschuss am Zug.

Nürnberg. Ein Diamant im früheren Armenviertel? In Nürnberg wird bereits kräftig über ein geplantes Kunstwerk diskutiert - dabei soll das gute Stück erst in mehr als drei Jahren zu sehen sein. Es geht um einen Rohdiamanten, der in einen transparenten Acrylglas-Block eingelassen wird. Stehen soll das Werk künftig auf dem bis dahin rundumerneuerten Nelson-Mandela-Platz hinter dem Hauptbahnhof. Für viele Nürnberger ist der Platz in der Südstadt ein Schandfleck. Außerdem hat der Stadtteil jeher ein eher schlechtes Image. Am 29. April soll der Kulturausschuss des Stadtrats über das Kunstwerk entscheiden.

48 Stunden


"Sind die Südstädter das wert? Wird der Diamant nicht geklaut? Machen die Südstädter das kaputt? Und was passiert, wenn das empfindliche Acryl-Glas zerkratzt wird?", listet Baureferent Daniel Ulrich einige Fragen auf, die er zurzeit häufig höre. Ein Facebook-Nutzer schreibt: "Gerade in der Südstadt. Ich geb dem Stein 48 Stunden dann ist er weg." Andere bezeichnen das geplante Kunstwerk als "Schwachsinn" oder "bescheuerte Idee".

Die Stadt sieht die Diskussion derweil gelassen. "Die Debatte ist Teil des Kunstwerks", sagt Ulrich. In der Südstadt seien Kunstwerke bisher nicht häufiger beschädigt worden als in anderen Vierteln. Und sollte das Acrylglas einmal so zerkratzt sein, dass man den Stein nicht mehr sehen kann, setzt die Stadt auf das Engagement der Bürger - "weil sie den Diamanten wieder sehen wollen". "Das wäre ein Signal. Es wäre aber auch ein Signal, wenn es so bleibt und niemand was tut."

Aus "humaner Mine"


Für die Suche nach einem geeigneten Rohdiamanten und den Stein an sich sind 20 000 Euro eingeplant. Insgesamt darf das Kunstwerk 110 000 Euro kosten. Das war die Vorgabe an alle Künstler, die sich an einem Wettbewerb beteiligt hatten. Der haselnuss- bis walnussgroße Diamant soll aus einer "human geführten Mine in Südafrika" stammen. Er soll nicht geschliffen sein und Einschlüsse haben. "Von der Schmuckindustrie wird so etwas als minderwertig erachtet", sagt Ulrich. "Eigentlich ist das nur ein Stück Kohlenstoff."

Der etwa 1,80 Meter große Glasblock - so groß war auch Mandela - wurde von dem Künstler-Duo "missing icons" entworfen, hinter dem Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper stehen. Das Kunstwerk soll "Rolihlahla" heißen - nach dem zweiten Vornamen des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers. Es bedeutet "Unruhestifter" oder "Ruhestörer". Von Ende 2019, Anfang 2020 soll der Diamant auf dem bis dahin für acht Millionen Euro renovierten Platz zu sehen sein.

Diebstahl möglich


Geklaut werden könne der Diamant durchaus, räumt Ulrich ein. "Die kriminellen Fantasien haben bei den Planungen einen ganzen Aktenordner gefüllt." Man bräuchte dafür jedoch einen Spezialbohrer, sagt der Baureferent. Oder gleich einen Bagger, mit dem man den ganzen Block rausreißt. "Wenn jemand rohe Gewalt anwendet, wird sich das nicht vermeiden lassen." Der Schaden sei in diesem Fall jedoch ähnlich hoch wie bei der Zerstörung von Bäumen in der Stadt - was übrigens häufig vorkomme. "Im Gegensatz zu Kunst regt sich über Bäume aber keiner auf", sagt Ulrich.
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