"Siegfried" in Bayreuth
Buh-Konzert für Krokodile

Recht turbulent ging es beim "Siegfried" - im Bild Stefan Vinke (Siegfried, unten) und Ana Durlovski (Waldvogel) - bei den Bayreuther Festspielen zu: Die umstrittene Inszenierung von Frank Castorf wurde zum Teil heftig ausgebuht. Bild: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath
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Bayern
31.07.2016
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Von Britta Schultejans, dpa

Bayreuth. An Tag drei im "Ring" ist es da - das Buh-Konzert für Frank Castorf. Während das "Rheingold" und die "Walküre" im diesem Jahr ohne Proteste über die Bühne gingen, ist seine Inszenierung des "Siegfried" am Freitagabend bei den Bayreuther Festspielen von Teilen des Publikums heftig ausgebuht worden. Die Ablehnung gilt allerdings nicht den Sängern - ganz im Gegenteil.

Gefeiertes Ensemble


Das gesamte Ensemble wird gefeiert - Stefan Vinke, der als Siegfried auch nach Stunden noch mit der glänzenden Catherine Foster als frisch ausgeruhte Brünnhilde mithalten kann, sogar frenetisch - und das zu recht. Ebenso wie John Lundgren als wandernder Wotan und Nadine Weissmann als Erda. Auch Andreas Conrad als Mime überzeugt.

Dirigent Marek Janowski, der Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in diesem Jahr von dem unerreichten Kirill Petrenko übernommen hat, erntet einen Jubelsturm - auch wenn er auch im dritten Teil von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" weder in Sachen Präzision noch Kraft an seinen Vorgänger herankommt.

Weder Sänger noch Dirigent können aber etwas daran ändern, dass fünf Krokodile aus Plastik die Bühne einnehmen, während Siegfried und Brünnhilde sich in den Armen liegen. Ungläubiges Lachen hier und da verwandelt sich in wütende Buhs, als der Vorhang fällt - durchaus unterbrochen allerdings von Bravo-Rufen.

Castorf, der Noch-Intendant der Volksbühne Berlin, verlegt die große Saga um den jungen Mann, der das Fürchten nicht kennt, einen Drachen tötet und die Liebe findet, vor der Kulisse eines kommunistischen Mount Rushmore - Marx, Lenin, Stalin und Mao überdimensional in Stein gemeißelt. Die andere Seite der massiven, überaus beeindruckenden Drehbühne (Aleksandar Denic) ziert der Berliner Alexanderplatz, auf dem die Krokodile umherkrabbeln - Ideen, die im Bayreuther Zuschauerraum am Freitag längst nicht allen gefallen.

Auch in seinem vierten Jahr ist Castorfs "Siegfried", vor dem Hinweisschilder im Foyer des Festspielhauses warnen, weil es laut wird, ein Sammelsurium kurioser Einfälle, die zusammen doch kein überzeugendes Ganzes ergeben. Laut wird es, weil Siegfried zwar das Schwert Nothung schmiedet, den Drachenwurm Fafner (Karl-Heinz Lehner), der bei Castorf in der Berliner U5 wohnt, aber mit einer Kalaschnikow erschießt.

Ständiges Rumpeln


Laut wird es auch, weil es ständig rumpelt auf der Bühne. In und um den silbernen Camper, in dem Siegfried und sein hinterhältiger Ziehvater Mime leben, kracht und hämmert es permanent. Mime schlägt gegen Marx' Nase, Siegfried gegen Stalins Augenhöhle. Fast scheint es, als wolle der Werkzertrümmerer Castorf, der aus dem Korsett der Musik in der Oper im Gegensatz zum Theater nunmal nicht ausbrechen kann, sich nicht sagen lassen, er hätte es nicht wenigstens versucht.
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