"Sitz, sitz, bleib, bleib!"

Zum Heulen war die Show von Cesar Millan (rechts) in der Nürnberger Arena nicht. Für Freudentränen reichte es aber auch nicht. Übersetzer Steven Gätjen spielte sich mit dem "Hundeflüsterer" aus den USA immer wieder geschickt die verbalen Bälle zu. Im Deutschland-Trikot fühlte sich Millan ganz nah bei seinen Fans. Bilder: we (2)
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Bayern
08.12.2015
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Cesar Millan: "Ist der Mensch aufgeregt, ist es der Hund auch. Also heißt es erstmal, ruhig zu sein."

Bei Tierschützern ist Cesar Millan umstritten, aber seine Fans lieben ihn. Der "Hundeflüsterer" vermittelt in Nürnberg simple Botschaften. Ein Abend mit einem bellenden Mexikaner.

Cesar Millan ist ein Phänomen. Mit seinem Programm "Leader of the pack" (Rudelführer) füllte der bekannteste Hundetrainer der Welt erst vor 14 Monaten die Nürnberger Arena komplett. Am Montagabend die selbe Show am selben Ort. Auch wenn diesmal einige Sitze frei bleiben: Wieder bezahlen 3000 Fans bis zu 80 Euro für einen zweistündigen Vortrag über Hundeerziehung.

Obwohl Hundeerziehung? In Millans Augen stellen eher die Besitzer das Problem dar: "Ich muss den Menschen trainieren und den Hund rehabilitieren." Entschlossenheit im Auftreten sei das Entscheidende. Dem Vierbeiner sagen, wo es lang geht. Ruhig, aber bestimmt. Gut, es sind keine bahnbrechenden Neuigkeiten, die der Amerikaner dem Publikum erzählt. Aber Millan erledigt seinen Part humorvoll, mit einem Schuss Slapstick und einer Portion Wortwitz. Dolmetscher und Co-Moderator Steven Gätjen ("Schlag den Raab") sorgt mit viel Tempo dafür, dass über die tierischen Gags manchmal doppelt gelacht wird.

Die Ruhe selbst

Um Hunde dreht sich der ganze Abend, es befinden sich aber nur insgesamt eine halbe Stunde lang Vierbeiner auf der Bühne. Allen voran "Junior", der Pitbull von Millan. Ein in sich ruhender Bursche, der gemächlich seine Runden dreht. Überhaupt werden nur Vorzeigehunde präsentiert, Problemfälle gibt es bei der Live-Show nicht zu sehen.

Zwei Hundebesitzer dürfen ihre Tiere vorführen. Labrador "Lucy" (13 Monate alt) bellt dreimal, das wars auch schon. Ansonsten geht sie super an der Leine, lässt sich weder vom Applaus der 3000 Zuschauer noch von "Junior" aus der Fassung bringen. Und der Rottweiler "Heidi" erst! Sie isst ihre Leckerlis brav aus der Hand, bettelt nicht, bellt nicht, macht alles was Frauchen Michaela sagt. Da bleibt auch Cesar Millan nur zusagen: "Das ist perfekt!"

Bewegung, Disziplin und Zuneigung - diese drei Faktoren sind nach Überzeugung des "Hundeflüsterers" die wichtigsten Faktoren für einen glücklichen Hund. Und Ziel eines jeden Hundes sei es, seine Besitzer "happy" zu machen. Der Mensch verwechsle in der Erziehung oft Entschlossenheit mit Aggressivität. Millan brüllt: "Sitz, sitz, bleib, bleib!" Mit solchen Donner-Kommandos werde das Tier nur eingeschüchtert. Effekt gleich null. "Ist der Mensch aufgeregt, ist es der Hund auch. Also heißt es erstmal, ruhig zu sein," lautet seine Mission. Zumindest an diesem Abend bleibt schleierhaft, was an den Methoden Millans so grausam und abschreckend sein soll.

Ohne Tiefgang

Ende September hatte der 46-Jährige, der im Jahr 1990 illegal von Mexiko in die USA einreiste, im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, er verstehe die Kritik an seiner vermeintlich brutalen Erziehung nicht. In seiner TV-Sendung seien schließlich "extreme Fälle" zu sehen. Genau das sei eben das Interessante in einer Sendung. In Nürnberg sind dagegen eher Schafe auf der Bühne. Eine Familienspaß - ganz ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne Tiefgang.
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