Sizilianische Symphonie

Marlon Brando als legendärer Mafiaboss Don Vito Corleone in "Der Pate". Den Film kann man am 19. Oktober mit Live-Musik in der Meistersingerhalle Nürnberg erleben - ein Orchester spielt dann die berühmten Melodien von Komponist Nino Rota. Bild: Paramount
Kultur BY
Bayern
15.09.2015
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Marlon Brando, die Katze auf dem Schoß und ein Angebot, das man nicht ablehnen kann: Francis Ford Coppolas Mafia-Epos "Der Pate" gehört zu den großen Klassikern des Kinos. Den Film und die Musik dazu kann man jetzt live erleben.

Die schwelgerischen Klänge aus der Feder von Nino Rota haben ebenso zum unsterblichen Status des 1972 veröffentlichten Streifens beigetragen wie die gewaltigen Bilder von Kameramann Gordon Willis und die wuchtigen Worte aus der Feder von Romanautor Mario Puzo. Am 19. Oktober (20 Uhr) kann man "Der Pate" ("The Godfather") in digital überarbeiteter Qualität in HD auf der ganz großen Leinwand in der Meistersingerhalle erleben.

Die Musik dazu wird live vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester (CNSO) gespielt. Als Dirigent steht der US-Amerikaner Justin Freer am Pult. Freer hat sein Handwerk vom legendären Filmmusik-Komponisten Jerry Goldsmith ("Star Trek", "Planet der Affen", "Chinatown") gelernt, der 2004 im Alter von 75 Jahren starb. Die Kulturredaktion sprach mit Justin Freer über sein Live-Projekt.

Was ist die größte Herausforderung, wenn man ein Orchester dirigiert und dabei immer synchron zu einem Film sein muss?

Justin Freer: Wenn wir "Der Pate" live auf der Bühne mit dem Orchester spielen, dann stellt uns das vor einige Herausforderungen, die bei den Aufnahmen des Soundtracks im Tonstudio seinerzeit keine Rolle spielten.

Das Schwierigste dabei ist vielleicht, Dutzende von Musik-Elementen, die damals einzeln aufgenommen wurden, von Anfang bis Ende live im Saal zusammenzufügen und dabei immer komplett mit dem Film synchron zu sein. Man muss irrsinnig fokussiert sein, damit die Musik mit dem Film korrekt korrespondiert, von Anfang bis Ende.

Haben Sie eine Lieblingspassage des Soundtracks, auf die Sie sich jeden Abend freuen?

Freer: Da sind so viele ikonische Momente in dieser Filmmusik. Nino Rota hat einen Soundtrack komponiert, der eloquent und effizient die Emotionen der Charaktere und der Situationen beschreibt. Natürlich freue ich mich jedes Mal besonders auf das berühmte Trompetensolo, mit dem der Film beginnt - das ist sehr aufregend. Die wunderbare Musik, mit der uns Rota nach Sizilien versetzt, ist so wunderschön und kraftvoll. Und die Klänge aus der berühmten Szene mit dem abgetrennten Pferdekopf sind natürlich sowohl schmerzhaft als auch unvergesslich.

Wenn Sie ins Kino gehen, haben Sie da ein Lieblingsgenre - außer dem Gangster-Film?

Freer: Ich versuche, so viel Filmgenres wie möglich zu genießen, sie haben alle etwas Wunderbares zu bieten. Ich habe allerdings ein Faible für Filme, die eine gut durchdachte Geschichte erzählen, egal ob Drama, Komödie oder Actionfilm. Ich finde, dass das Story-Element eines Films am meisten mit dem zu tun hat, was Musik im Film bewirken kann. Wenn ein Streifen wie "Der Pate" eine so starke Geschichte präsentiert, von Coppola so meisterhaft erzählt, dann kann die Musik atmen und zu einem effektiven "Nebendarsteller" werden.

Sie haben eng mit dem legendären Jerry Goldsmith zusammengearbeitet. Gibt es besondere Lektionen, die Sie von ihm gelernt haben?

Freer: Goldsmith hatte vor allem eine wundervolle Seele. Er hatte ein solches Verständnis von Menschlichkeit und davon, was es bedeutet, emotionale Verbindungen herzustellen. Seine Musik war so unglaublich kraftvoll und das auf so viele Arten. Aber sein größtes Talent als Komponist war es vielleicht, den emotionalen Kern einer Figur im Film durch seine Musik sichtbar zu machen. Er hat sich immer dafür stark gemacht, in der Kunst im Allgemeinen und in der Musik im Speziellen alle Grenzen auszureizen - etwas, das wir alle nach Möglichkeit versuchen. Falls Jerry mir eine wertvolle Lektion erteilt hat, dann ist es diese: Die Melodie ist zweifelsfrei das effektivste Instrument, um die Gefühle einer Figur auf der Leinwand auszudrücken.

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"Der Pate live" am Montag, 19. Oktober, um 20 Uhr in der Meistersingerhalle Nürnberg. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.

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Weitere Informationen im Internet:

thegodfatherlive.eu
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