Sonderausstellung "Verborgene Schätze" in Nürnberg
Zeit mit Charme und Rätsel

Wie dieses Ensemble zeigt, war die Farbe Orange in den 70er Jahren angesagt. Bild: Museen der Stadt Nürnberg, Museum Industriekultur
Kultur BY
Bayern
08.06.2016
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Als vor etwa 100 Jahren die ersten Spül-Toiletten in Mode kamen, zeigten sich viele recht unbeholfen. Ein Zettel, der neben dem Klo befestigt wurde, half der Reinlichkeit auf die Sprünge.

Nürnberg. "Diese Spülung hat nicht die Kraft, den Kot fortzuspülen. Nimm also die Bürste und schiebe ihn hinab." Matthias Murko, Leiter des Museums Industriekultur in Nürnberg, betont, dass dieses Objekt "sehr rar ist und aus einer Nürnberger Arbeitersiedlung stammt".

Es zählt zu den rund 700 Exponate, die bis Sonntag, 28. August, in der Sonderausstellung "Verborgene Schätze. Einblicke in die Sammlung Industriekultur 1979-2016" zu bewundern sind. Interessant ist die Schau nicht nur wegen ihres Erinnerungswertes: "Solche Möbel, Fahrräder, Kinderwagen, Lampen oder Gläser hatten wir auch zu Hause", entfährt es den Besuchern an etlichen Stellen.

Altbekanntes


Nein, das Spannende ist das Lebensgefühl, das sich hinter dem jeweiligen Objekt verbirgt. Exponate wie das Kohleneisen (um 1890) und das Satzeisen, mit denen einst Hausfrauen die Hemden ihrer Männer glätteten, zeigen, wie anstrengend diese Arbeit war.

Taschenrasierer oder Speck-weg-Massageroller wiederum beweisen, dass man schon zwischen den 1870er und 1970er Jahren auf die Pflege des Körpers achtete. Mobiliar und Ausstattung geben zudem Einblicke in gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Entwicklungen. "Wir gehören zu den wenigen Museen, die die Alltagskultur bis heute in dieser Fülle zeigen können", betont deshalb Ingrid Bierer, Leiterin der Museen der Stadt Nürnberg stolz. Wobei sie noch viel mehr Schätze in petto hätte. Derzeit umfasst die Sammlung Industriekultur nämlich über 18 000 Objekte. Im Mai 1982 begann die Zeit des systematischen Sammelns. Mit Aufrufen in Presse und Rundfunk wurden die Bürger gebeten, alltägliche Gegenstände aus Kellern und Dachböden zu kramen und dem zukünftigen Museum zu überantworten. Als Ziel wollte man sämtliche Bereiche abdecken, von der Alltagskultur (Wohnen, Haushalt) und dem Arbeitsleben (Maschinen, Werkzeuge) über Freizeit und Vereinsleben bis hin zu Mobilität, Gesundheit und persönlichen Dokumenten.

Schätze aufstöbern


"Jede Zeit hat ihren Charme und ihre Rätsel", hebt Kuratorin Regina Franzke hervor. Viele Fragen, nach Geschmack und Mode zum Beispiel, beantwortet die sehenswerte Ausstellung beantwortet. Für Matthias Murko war es jedenfalls noch einmal ein besonderes Vergnügen, in den Archiven und Regalen auf Schatzsuche zu gehen.

Seit der Eröffnung des Museums, vor mehr als 35 Jahren sorgt er dafür, dass die Sammlung systematisch ausgebaut wurde. Bald geht er in Ruhestand - ein bisschen sind es also auch "seine verborgenen Schätze", die er für diese Sonderausstellung mit ausgewählt hat.

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Weitere Informationen:

www.museen.nuernberg.de

FührungenDie Sonderausstellung "Verborgene Schätze" ist bis Sonntag, 28. August (Dienstag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, sowie Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr), zu sehen. Führungen gibt es jeweils am Sonntag, 12. Juni, Sonntag, 10. Juli, Sonntag, 7. August sowie Sonntag, 28. August (jeweils um 15 Uhr). Informationen unter Telefon 0911/2315421. (gük)
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