Spiel des jahares
Wer im „Colt Express“ die meisten Geldbündel und Edelsteine erbeutet, ist Ober-Bandit

Kultur BY
Bayern
09.12.2015
10
0


Entwickler Christophe Raimbault erdachte sich für seine Western-Parodie etwas völlig Neues: einen dreidimensionalen Zug als Spielfeld. Inspirieren ließ sich der Franzose von dem Comic "Lucky Luke". Die Mischung aus Planung und Chaos überzeugte die Jury, die das Werk zum Spiel des Jahres 2015 kürte.

Von Günter Kusch

Nürnberg. Revolver rauchen und Fäuste fliegen, während die Banditen von Waggon zu Waggon hechten, um Reisende zu berauben oder Gegner auszustechen. Wer im "Colt Express" die meisten Geldbündel und Edelsteine erbeutet, ist Ober-Bandit und hält den Sieg in der Faust. Vor dem Vergnügen steht viel Arbeit: die Lok, sechs Anhänger und das passende Ambiente (Kakteen, Felsen und Büffelschädel) müssen erst einmal aus vorgestanzten Pappseiten herausgedrückt werden.

Am besten nimmt man etwas Leim zur Hand, um den Zugteilen mehr Halt zu verleihen. Während der Aufbau Erwachsenen noch einigermaßen gut gelingt, sieht es bei den Regeln schon anders aus. Selbst nach eineinhalb Stunden intensiven Lesens bleibt manches unklar: Was passiert, wenn ein Gangster auf dem Feld mit dem Marshal landet? Zieht er einen Waggon weiter oder muss er aufs Dach? Um diesen lähmenden Einstieg zu vermeiden, sollte sich jemand zuvor intensiv ins Geschehen einarbeiten. Wegen des hohen Glücksfaktors ist "Colt Express" eher etwas für Leute, die taktische Tiefgänge vermeiden.

Mehr Planung braucht es da bei "Machi Koro" , das zumindest auf der Nominierungsliste für das Spiel des Jahres landete. Zwei bis vier Architekten bauen hier an kleinen und großen Städten. Egal ob Industrie, Restaurants oder Landwirtschaft - die strategischen Möglichkeiten befriedigen rabiate Planer ebenso wie friedliche Entwickler. Masao Suganuma legt hier ein schnelles Karten- und Würfelspiel mit einfachen Grundregeln vor, das beim Einsatz von Rohstoffen durchaus an die alten "Siedler von Catan" erinnert. Getauscht oder gesiedelt wird hier allerdings nicht.

Ein raffiniertes Stichspiel ist "Ugo!" , bei dem es um bewirtschaftete Ländereien und um den Bau eines Königreiches geht. Die Neuauflage hat eine verständlichere Anleitung bekommen und zieht mit seinen 45 Königreich- und Ländereien-Karten sowie den zwölf Bauern-Chips die ganze Familie in den Bann. Mehr zum Grübeln bietet jedoch "Cacao", bei dem zwei bis vier Plantagen-Besitzer einen unbekannten Urwald besiedeln.

Ernte verkaufen, nach Gold graben und Wasser schöpfen für das eigene Dorf, das hält in Trab. Und die mächtigen Stufentempel und Sonnenkultstätten bringen am Ende nicht nur Punkte, sondern auch die Gunst der Götter ein. "Ugo!" und "Cacao" landeten beide zu Recht auf der Empfehlungsliste und bescheren langfristigen Planungsgenuss.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.spiel-des-jahres.com
Weitere Beiträge zu den Themen: Spiel des Jahares (1)Western-Parodie (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.