„Sugar“ im Staatstheater Nürnberg
Auch Franken mögen’s manchmal heiß

Regisseur Thomas Enzinger und sein Ausstatter Toto, bestens durch ihre Inszenierungen von "My Fair Lady", "Im Weißen Rössl" und "Kiss me, Kate" bekannt, bringen die temporeiche Musical-Komödie "Sugar - Manche mögen's heiß" mit Tempo, Fantasie und rasch wechselnden Kulissen auf die Bühne des Opernhauses. Bild: Jutta Missbach
Kultur BY
Bayern
11.11.2016
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Von Günter Kusch

Nürnberg. Der Film wurde ein großer Erfolg und gilt als Höhepunkt ihrer Karriere. Drei Jahre nach Erscheinen der Komödie "Manche mögen's heiß" verstarb Marilyn Monroe. Die Schwarz-Weiß-Persiflage auf Gangsterfilme und Melodramen galt nach 1959 als einer der bedeutendsten Streifen der Kinogeschichte, ist heute ein Klassiker, und genießt immer noch große Autorität. Wer die amüsante Story, die zur Zeit der Roaring Twenties im Jahr 1929 in Chicago spielt, neu inszeniert, geht also ein Wagnis ein: jede Szene wird am großen Vorbild von einst gemessen. So ist es mutig, dass das Staatstheater Nürnberg Billy Wilders Stück auf den Spielplan setzt. Sieht man von wenigen Schwächen ab, ist die Wiederbelebung durch Regisseur Thomas Enzinger allerdings wirklich gut gelungen.

Von Anfang legen sämtliche Darsteller ein unglaubliches Tempo vor. Die perfekt im Takt steppenden Ganoven, immer auf der Suche nach den beiden flüchtenden Musikern Joe und Jerry, geben mit leicht federnden Füßen und knatternden Maschinengewehren den Takt an. Für Lacher sorgen in Sandkörben alternde Millionäre, die - mit rhythmisch schwingenden und stampfenden Gehstöcken ausgerüstet - allen nur möglichen Frauenröcken hinterher stolpern.

Und auch die Bühnenbilder (großes Lob dem italienischen Ausstatter Toto) wechseln derart rasant, dass einem der Atem stockt. Die witzigen Einfälle, vom fliegenden Riesen-Fisch über den mehrstöckigen Schlafwagen eines Zuges bis hin zur Liebespfeil-Schaukel, seien an dieser Stellen nur am Rande vermerkt.

Sophie Berner hat den schwersten Part der Sugar Kane übernommen und verzichtet schlauerweise auf jede Ähnlichkeit mit Marilyn Monroe. Stattdessen mimt sie die naive, von Liebe und Reichtum träumende Romantikerin - im Auftreten zierlich, aber stimmlich großartig. Die gebürtige Münchnerin zieht nicht nur bei ihrer Interpretation des Klassikers "Wanna Be Loved by You" in den Bann, sondern weiß auch sonst, gesangliche Perlen aneinander zu reihen. Andreas Köhler und Oliver Severin als Joe und Jerry bzw. Josephine und Daphne überzeugen sowohl schauspielerisch als auch gesanglich. Die Big-Band im Graben unter Leitung von Volker Hiemeyer setzt die passenden beswingten Akzente. Und spätestens dann, wenn Sugar und ihr falscher Millionär Shell junior am Bug der Yacht mit erhobenen Armen die "Titanic" wieder aufleben lassen, ist klar: Dieses Musical wird in Nürnberg noch hohe Wogen schlagen.
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