Superstar Al Di Meola beim Gitarrenfestival Hersbruck - Fusion-Konzert mit Hommage an die ...
Sechs Saiten von Weltklang

Absolute Weltklasse in Hersbruck: Al Di Meola, Stargast beim Gitarrenfestival, brillierte vor vollem Hause. Bild: Gebhardt
Kultur BY
Bayern
19.08.2015
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Die Konzertgitarre beiläufig in der Hand, weißes Hemd über der Hose, launige Begrüßung: Der Meister setzt sich, und dann beginnt ein Abend, den 500 Menschen nicht so schnell vergessen werden. Al Di Meola, Weltklasse-Gitarrist und lebende Legende, adelt das Gitarrenfestival Hersbruck. Als er geht, steht der lange ausverkaufte Saal in begeistertem Applaus.

Seit 40 Jahren zählt der inzwischen 61-jährige Amerikaner zu den populärsten Jazz- und Jazzrock-Gitarristen. Tastenvirtuose Chick Corea und die Gitarren-Olympioniken Paco di Lucia und John McLaughlin prägten mit ihm die Musik der 70er und 80er Jahre entscheidend. "Fusion" heißt das Zauberwort in Di Meolas Stil - Verschmelzung von Rock, Jazz, Blues und Funk, er mixt das alles kräftig mit Latin durch und fügt Flamenco-Elemente hinzu.

Klingt kompliziert und ist es auch: Mit seinen pausenlosen Stilwechseln, seiner Experimentierfreude und seinem unbestechlichen inneren Metronom schafft der Gitarrist Klangwelten, die faszinieren, den Zuhörer aber auch enorm fordern. Kaum entsteht eine eingängige Phrase, wird sie schon wieder variiert und transformiert. "Sich immer wieder selbst neu erfinden", nennt Al Di Meola seine Musik. Auch in der Hersbrucker Halle entstehen wunderschöne Momente, lyrisch angehaucht. Oft dann, wenn der kongeniale, aber eher im Hintergrund agierende Sideman Peo Alfonsi die Gitarrenläufe lächelnd spielerisch leicht kopiert und variiert. Der Sarde erweist sich als der perfekte Begleiter des Weltstars, stets taktsicher und mit absolutem Timing.

Ungewöhnlich die Effekte, wenn Di Meolas Instrument nach E-Gitarre und Keyboard klingt, ansonsten dominiert der satte Sound seiner Saiten dank der unnachahmlichen Spielweise. Vertrackte Rhythmen fordern den Schlagzeuger Peter Kaszas, doch wie eine gut geölte Maschine läuft sein Spiel, er findet seine Einsätze todsicher. Vor allem die furiosen Schlüsse lassen den Atem stocken: Al Di Meola beansprucht seine Mitspieler gnadenlos, wirft mal einen kritischen Blick, aber der Fusion-Express rollt unaufhaltsam perfekt weiter.

Gegen Ende des Konzerts wird klar, warum der Amerikaner immer noch als der schnellste Gitarrist der Welt gilt. Trotzdem spielt er sauber und ohne Tricks. Seinen Tribut an die Beatles manifestierte er in 14 Songs, aufgenommen in den legendären Londoner Abbey Road Studios. Einiges davon präsentiert er an diesem Abend, als Zugabe "She's leaving home", praktisch neu geschaffen, nicht interpretiert. Ein Konzert der anderen Liga, ein Einblick in eine Gitarrenwelt, die nur wenigen Musikern wirklich offensteht. Und gerade deswegen ist sie so faszinierend.
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