Tator-Kommissar als Krimiautor
Ermittler wider Willen

Kombiniere: Miroslav Nemec ist unter die Krimi-Autoren gegangen - keine schlechte Idee, wie rund 300 Zuhörer in Marktredwitz erlebten. Bild: stg
Kultur BY
Bayern
17.11.2016
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Für die meisten ist er einfach der Ivo Batic. Jener "Tatort"-Kommissar, der in regelmäßigen Abständen gern gesehener sonntäglicher Gast in deutschen Wohnzimmern ist. Aber Miroslav Nemec ist deutlich vielseitiger.

Marktredwitz. "Jetzt schreibt er also auch noch", denkt man sich vielleicht im ersten Moment. Und klar, natürlich, einen Krimi. Was auch sonst? Beim ersten Hineinschnuppern ins Buch "Die Toten von der Falkneralm" merkt man schnell, dass Miroslav Nemec tatsächlich viel mehr kann, als "nur" Kommissar Ivo Batic im München-"Tatort" zu sein. Am Dienstabend liest Nemec in der Buchhandlung Rupprecht in Marktredwitz aus seinem Erstling vor, die Bekannt- und Beliebtheit des Schauspielers schlägt sich in knapp 300 Zuhörer nieder.

Mit lockerem Plauderton setzt sich Nemec auf das kleine Podest und erzählt erst einmal von seinem Weg zum Buchschreiben, von den nie ernsthaft in Erwägung gezogenen "Alternativen" eines Witzebuchs oder eines Kochbuchs und auch von der richtigen Aussprache seines Nachnamens. Die Basis für einen unterhaltsamen, witzigen und spannenden Abend hat Nemec damit bereits gelegt. In gewisser Weise ist der Krimi auch ein Experiment, denn Nemec schreibt nicht nur in der Ich-Form, der Hauptdarsteller ist auch tatsächlich Miroslav Nemec. Es wird ein Krimi, bei dem sich Fiktion und Realität ineinander verweben.

Gewaltiger Gewittersturm


Nemec soll bei einem "Mörderischen Wochenende" aus einem Krimi lesen und über "Mord in Fiktion und Wirklichkeit" diskutieren. Und so fährt er an einem Freitag im August in das Berghotel "Falkneralm", zu dem nur eine einsame Seilbahn führt. Doch das Wochenende wird alles andere als erfreulich: Nicht nur kommt ein gewaltiger Gewittersturm auf, plötzlich kommen nacheinander auch mehrere Gäste zu Tode. Unfall oder Mord? Eine Verkettung unglücklicher Umstände? Oder vielleicht geht doch nicht alles mit rechten Dingen zu? Irgendwie kommt Nemec aus seiner Kommissar-Rolle nicht raus, wird wie ganz natürlich als Experte für die ungelösten Mordfälle angesehen, denen er gemeinsam mit einem Kommissar a. D. sowie einer jungen Polizeimeisterin, die beide zufällig auf der Alm anwesend sind, nachspürt. An der Szenerie hätte wohl auch Agatha Christie ihre Freude.

Ganz besondere Würze


Nemec hat in Marktredwitz natürlich den großen Vorteil, dass er als Schauspieler und Sprecher den ausgewählten Passagen zum einen jede Menge Authentizität gibt, zum anderen stimmlich und mimisch den Dialogen eine ganz besondere Würze verleiht. Und ein Stück weit - so hat es den Anschein - lernt der Zuhörer auch den "echten" Miroslav Nemec etwas besser kennen. Witzige und selbstironische Gedanken und Gespräche im Buch provozieren immer wieder Lacher bei den Zuhörern. "Da spricht der Batic aus Ihnen", heißt es an einer Stelle - ein Image, das Nemec gar nicht erst ablegen möchte. Warum auch - hat es ihn doch seit Anfang der 90er Jahre so bekannt und beliebt gemacht, wie er heute ist.

Wer Krimis schreibt, der muss auch Krimis lieben. Das ist bei Nemec nicht anders, wie er abschließend erzählt. Zu Henning Mankell sei er über "Die fünfte Frau" gekommen, ein Buch, das er regelrecht verschlungen habe. "Und dann habe ich alle Kommissar-Wallander-Bücher gelesen", sagt Nemec. Neben den Skandinaviern ist Nemec besonders vom Österreicher Wolf Haas angetan. Recht klar ist mittlerweile auch, ob "Die Toten von der Falkneralm" eine einmalige Geschichte bleibt. "Es geht weiter", kündigt Nemec einen zweiten Band an. Gemessen an der Anzahl der Autogramme und Widmungen, die Nemec an diesem Abend noch in seinen Erstling schreiben darf, ist dies keine echte Überraschung.
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