The Cure in München
Meister der tanzbaren Melancholie

Zeitloser Kult: Frontmann Robert Smith und The Cure begeisterten 12 000 Fans in der Münchener Olympiahalle. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur BY
Bayern
25.10.2016
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Robert Smith hat die Augen geschlossen. Er versinkt in seinem Gitarrensolo, im ultracoolen Sound, der seine Band so eindeutig charakterisiert. The Cure schlägt die richtigen Seiten bei den Zuhörern in der Olympiahalle an. Ein Konzert wie in Trance - mit einem überraschenden Paukenschlag zum Schluss.

München. Mit weißgeschminktem Gesicht, blutrot angemalten Lippen und rabenschwarzen, toupierten Haaren ist Smith in den 80er und 90er Jahren eines der Gesichter des Dark Wave. Heute ist viel von der Schminke ab, die ergrauten Haare wirken im grellweißen Bühnenlicht matt. Auch die rund 12 000 Fans sind am Montag im Gegensatz zu früheren Zeiten nur noch zum Teil komplett in schwarz gekleidet, die aufgestylten Waver darunter mittlerweile eine echte Seltenheit. Dunkle Tupfer in einem in jeder Hinsicht bunt gemischten Publikum.

Genreprägender Sound


Das Äußere täuscht. Allzu viel nostalgische Verklärung würde der Wirkung des Auftritts in München auch nicht gerecht werden. The Cure hat an Strahlkraft nichts verloren. Was alle Fans eint, ist die Leidenschaft für die authentische und emotionale Musik, die viele Genres wie Postpunk, Dark Wave, Pop und - ja, auch den von Smith ungeliebten - Gothic Rock beeinflusst hat. Wie die unverwechselbare melodische Stimme des mittlerweile 57-jährigen Frontmanns ist die spezielle Melancholie der elegischen Gitarren und der eleganten Keyboard-Passagen wirkungsvoll wie eh und je. Die Ikonen des Wave können es augenscheinlich immer noch.

Die Fans tanzen, wiegen sich gebannt im Flow eines fast dreistündigen Konzertes, das für eingefleischte Cure-Fans keine Wünsche offen lässt. In ihrer ersten größeren Europatour seit acht Jahren überzeugen die Briten mit einer Mischung aus Titeln, mit denen sie vier Jahrzehnte musikalischen Schaffens auf gelungene Weise abdecken.

Für manche im Publikum, die sich hauptsächlich an deren späteres Werk und natürlich an die Hits erinnern, setzt die Band aus Südengland Reizpunkte. Zwischen den - jenen Zuhörern weniger bekannten - klassischen Cure-Songs lockern Mainstream-Erfolge wie "Pictures of You", "Fascination Street", "Lovesong" oder das unverwüstliche, geniale "Lullaby" einen tiefenentspannten und aufwühlenden Abend auf. Für alle, denen das Konzert zu bedächtig geriet, hat The Cure am Ende noch einen überraschenden, krassen Tempowechsel in petto.

Krachender Schlusspunkt


Es geht unaufgeregt bereits in die dritte Zugabe, die es dann in sich hat: Die Briten haben einige Hits bis zuletzt aufgehoben und geben Gas. Hammersongs wie "Friday I'm in Love", "Boys Don't Cry" und "Close to Me" in schneller Abfolge reißen die Zuschauer aus ihrer angenehmen Melancholie und bringen die Halle von einer Sekunde auf die andere zum Kochen. Das temporeiche Finale elektrisiert alle. Als Robert Smith sich danach lächelnd verabschiedet, lässt er seine Fans - wie gewohnt - vollauf zufrieden zurück.
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