"Traumpaar der Kunstgeschichte"

1923 malte Paul Klee sein Bild "Architektur der Ebene". Bild: Nationalgalerie
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Bayern
21.10.2015
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Im Münchner Lenbachhaus dreht sich in diesem Jahr alles um die Freundschaft: Anfang des Jahres widmete das Museum der Künstlerfreundschaft von August Macke und Franz Marc eine Ausstellung - jetzt sind Wassily Kandinsky und Paul Klee dran.

(dpa/KNA) Gut gelaunt und einem Späßchen nicht abgeneigt sitzen Paul Klee (1879-1940) und Wassily Kandinsky (1866-1944) an einem Gartentisch. Die Szene hielt Kandinskys Ehefrau Nina um 1927 im Dessauer Bauhausgelände auf einem Schwarz-weiß-Foto fest. Beide Künstler zählen zu den bekanntesten Begründern der abstrakten Malerei und zu den großen Freundespaaren der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ihrer Beziehung geht nun vom 21. Oktober bis 24. Januar 2016 das Münchner Lenbachhaus in seinem Kunstbau auf den Grund. Titel der Schau: "Nachbarn, Freunde und Konkurrenten".

Mehr als 30 Jahre waren Klee und Kandinsky freundschaftlich verbunden. Beide studierten 1901 bei Franz von Stuck, ohne sich jedoch näher kennenzulernen. Klees Schweizer Künstlerkollege Louis Moilliet sorgte dafür, dass beide am 8. Oktober 1911 erstmals in persönlichen Kontakt traten. "Da sitzt schon was in der Seele", schrieb danach Kandinsky an den Malerkollegen Franz Marc. Und Klee notierte: "Er ist wer und hat einen ausnehmend schönen klaren Kopf."

Zunächst im Hintergrund

In den Wochen danach lernte Klee auch die anderen Künstler des "Blauen Reiter" kennen - Gabriele Münter, Franz Marc, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin. Er blieb in dem Freundeskreis zunächst im Hintergrund, seine Zeichnungen aber wurden von den Kollegen aufmerksam wahrgenommen. An der ersten Ausstellung des "Blauen Reiter" über den Jahreswechsel 1911/12 nahm Klee nicht teil, denn in der Münchner Galerie Thannhauser wurden fast nur Gemälde gezeigt. Aber als Korrespondent für die schweizerische Monatszeitschrift "Die Alpen" hieß er die neue Bewegung in seiner Rezension gut.

Entscheidende Rolle

Bei der zweiten Ausstellung der Künstlergruppe beteiligte sich Klee dann selbst mit 17 Zeichnungen auf Papier. Kandinsky war es auch, der ihm durch seine Vermittlung half, im April in Paris die Ateliers von Henri Le Fauconnier und Robert Delaunay zu besuchen. Durch Marc lernte Klee Herwarth Walden kennen, dessen Zeitschrift und Galerie für seinen künstlerischen Weg eine entscheidende Rolle spielen sollte. 1913 erhielt er dann eine erste eigene Ausstellung in Waldens Sturm-Galerie in Berlin.

Auch familiär waren die Künstler einander verbunden. So besuchte Klees Sohn Felix mehrfach Kandinsky, um nach dessen Stil zu malen. Nach dem Ersten Weltkrieg trafen beide 1922 als Lehrer am Bauhaus in Weimar erneut aufeinander und zogen mit diesem auch 1925 nach Dessau um, wo sie in den neu gebauten Meisterhäusern von Walter Gropius Tür an Tür wohnten.

Die zeitgeschichtlichen Ereignisse von 1933 sorgten erneut für beider Trennung. Kandinsky floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Paris, Klee kehrte in seine Schweizer Heimat zurück. Ihre künstlerische Beziehung lebte vom Gespräch und der kritischen Auseinandersetzung über ihre unterschiedlichen Gestaltungswege. Beide suchten nach dem Spirituellen in der Kunst und erforschten die bildnerischen Mittel. Klees Kunst der Satire und Ironie blieben Kandinsky weitgehend fremd - wie dem Schweizer der Idealismus des gebürtigen Russen.

Es war die Bauhauszeit, in der sich beide künstlerisch sehr nahe kamen. Dies zeigt sich in den ästhetischen Experimenten dieser Lebensphase. Es war auch eine Zeit, in der die zwei einen Neuanfang versuchten. Von 1933 bis 1944 befasste sich Kandinsky in Paris mit der Zeichenlehre biomorpher Formen, während Klee in der Phase seiner Erkrankung bis zu seinem Tod 1940 in der Schweiz an immer stärker vereinfachten Symbolen arbeitete.

Fast 200 Werke

"Kandinsky und Klee sind ein - wenn nicht das - Traumpaar der Kunstgeschichte", sagte der Direktor des Zentrums Paul Klee in Bern, Peter Fischer, in München. Das Lenbachhaus zeigt die Ausstellung "Klee & Kandinsky - Nachbarn, Freunde, Konkurrenten" mit fast 200 Werken der beiden. Die Ausstellung besteht aus sieben Themenbereichen - von der Zeit vor ihrem ersten Treffen über den "Blauen Reiter", die Bauhaus-Zeit in Weimar und Dessau bis zum Neuanfang im Exil. Nach Angaben Fischers ist sie die erste Schau, die sich eingehend mit der Freundschaft zwischen Klee und Kandinsky befasst.

Künstlerfreundschaften stehen in diesem Jahr im Lenbachhaus im Fokus: Anfang des Jahres startete dort eine Ausstellung über August Macke und Franz Marc.

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Die Ausstellung "Klee & Kandinsky" ist bis 24. Januar 2016 in der "Städtische Galerie im Lenbachhaus" (Luisenstraße 33, 80333 München) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 - 20 Uhr. Die Ausstellung ist am Montag, 2. November, geöffnet.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.lenbachhaus.de
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