Und dann kam Mirna“
Von den Mühen müder Mütter

Kultur BY
Bayern
25.10.2016
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Vor knapp drei Jahren waren sie noch rotzfreche Teenager. Das Leben steckte voller Herausforderungen. Und ihnen war klar: "Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen". Im zweiten Teil des erfolgreichen Pointen-Feuerwerks von Sibylle Berg kehrt jetzt Ernüchterung ein. Die vier jungen Damen sind mittlerweile erwachsen geworden, zumindest von außen betrachtet.

Nürnberg. Mürrisch und etwas angesäuert blicken sie auf sich und fragen, ob das schon alles war. Was ist aus ihren Träumen geworden? "Und dann kam Mirna", der Titel des Stücks, das in den Nürnberger Kammerspielen Premiere feierte, zeigt, worum es geht: Um die Mühen müder Mütter. Gemma, Lina, Minna und eine namenlose Erzählerin gehören nun zur Generation 30 plus, die eher minus-gestimmt durchs Leben wandelt. Selbst Schwangerschaften, eigentlich Grund zur hormonbedingten Freude, sorgen letztlich für Leere - nicht nur in der Gebärmutter.

Bühnengroße Puppe


Keine Zeit mehr für Kultur oder politische Bildung. Kein Raum mehr für Entfaltung oder alternative Daseinsformen in einer ländlichen Kommune in der Uckermark. Verständlich, dass eine der Damen bitter resümiert: "Reproduktion ist eine große Frauenentsorgungsmaschinerie ohne Wiedereinstiegsprogramm." Es scheint derzeit Mode zu sein, über die Schwere des Elternseins zu lamentieren und dabei die Freude und Bereicherung von Kindern aus den Augen zu verlieren. Bei der jungen Regisseurin Anne Bader erhält sie besonderes Gewicht in Form einer bühnengroßen Puppe (Bühne: Luisa Wandschneider), die man sogar wickeln oder mit hübschen Kleidchen ausschmücken kann.

"Sei jetzt das Vorbild"


Immer wieder quietscht sie ein paar nette Worte zur Entlastung der verzweifelten Mütter: "Sei jetzt das Vorbild, das ich brauche!" Und: "Ich wünsche mir eigentlich nur ordentliche, spießige Eltern." Die mit ihren großen, glasigen Augen klappernde Monster-Barbie inspiriert die überforderten Ernährerinnen (frustig-lustig: Karen Dahmen, Lilly Gropper, Nicola Lembach und Ruth Macke) zu witzigen Wortgefechten.

Man darf gespannt sein auf Teil 3 der soft-smarten Frauen-Soap, natürlich dann im Großmutteralter - strickend und sich im Generationenkonflikt verstrickend. Oder es werden einmal die "modernen" Männer einbezogen, die über Erfahrungen mit dem verhaltenskreativen Nachwuchs plaudern und über ihre Last, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Vieles von dem, was Sibylle Berg rund 80 Minuten entfaltet, ist ja nicht neu. Kinder brauchen Zeit, kosten mitunter die Karriere, sind aber auch liebenswert. Vielleicht widmet sich Teil 3 ja dieser Frage: Warum werden Kinder immer mehr zu Wellness-Schädlingen?
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