Wenn Musik zum Lebensgefühl wird

Haindling mit Frontmann Hans-Jürgen Buchner begeistern am Montagabend das Publikum auf der Luisenburg - zum dritten Mal seit 2010. Bild: Stiegler
Kultur BY
Bayern
22.07.2015
6
0

Allmählich dürfte sie eine ältere Dame geworden sein: Ihrer Attraktivität hat es nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Auch bei den Luisenburg-Festspielen am Montagabend löst sie Begeisterungsstürme aus - die "Paula" der bayerischen Kultband Haindling.

Ja, später einmal, wenn er alt ist, dann gibt er vielleicht auch einmal Solokonzerte, kokettiert Hans-Jürgen Buchner gleich zu Beginn. Er, der in diesem Jahr auch schon stolze 71 Jahre alt wird. Bis dorthin mag er es aber nicht sonderlich, dass Haindling mit seiner Person gleichgesetzt wird. "Haindling, das sind wir alle", sagt er mit Blick auf seine Bühnenkollegen. Und das zeigt sich auch in den folgenden knapp zweieinhalb Stunden: Klar, Buchner ist der Kopf, das Gesicht der Band. Eine Hierarchie auf der Bühne gibt es aber nicht.

Haindling-Konzerte haben schon fast den Charakter einer Messe: Auf der einen Seite ruhige, fast schon meditative Stücke, die rein instrumental dargeboten werden, auf der anderen Seite aber auch Lieder, die zum Mitklatschen, Mitspringen und laut Buchner "als Ausdruck exzessivster Lebensfreude" zum Mitschunkeln animieren.

Dreimal auf Luisenburg

Es ist, wenn man so will, ein "typisches" Haindling-Konzert mit einem musikalischen Querschnitt der vergangenen über 30 Jahre seit Band-Gründung. Und es ist immer noch derselbe grundsympathische Hans-Jürgen Buchner, der nicht sich selbst, sondern die Sache wichtig nimmt: Nämlich gemeinsam mit der Band den Zuhörern Freude bereiten und dafür zu sorgen, dass sie Spaß haben. "Unbekannte" Lieder von Haindling gibt es eigentlich nicht, das wird auch an diesem Abend auf der Felsenbühne deutlich. Die Zuhörer, die Haindling zum ersten Mal erleben, sind in der deutlichen Minderheit. Allein auf der Luisenburg sind die Musiker zum mittlerweile dritten Mal nach 2010 und 2012 zu Gast.

"Weißwurst-Paula"

Schon früh streuen die Musiker ihren Hit "Paula" ein. Jene Melodie, die wohl wie keine andere das Gesicht der Hauptdarstellerin der Fernsehserie vor dem inneren Auge erscheinen lässt, für die das Lied geschrieben wurde - nämlich die "Weißwurst-Paula" Ruth Drexel aus der Kultserie "Zur Freiheit".

Und überhaupt: Es sind einige Filmmusiken, die die Band an diesem Abend zum Besten geben wird: "Irgendwie und sowieso" und "Das ewige Lied" aus der gleichnamigen Serie beziehungsweise dem gleichnamigen Film sowie Werke aus Joseph Vilsmaiers "BAVARIA - Traumreise durch Bayern". Haindling - das ist aber nicht nur Musik. Das ist auch ein Lebensgefühl, ein Gefühl und die Verantwortung für die Heimat, für die Schöpfung. Kurz: "Bayern, des samma mir! Jawoi!" Das "Plastikmüllsack-Orchester" intoniert, nachdem Buchner die Rohstoffverschwendung moniert hat, "Du Depp". Zu einem der intimsten Momente des Abends wird das "Donaulied", mit dem sich der bekennende Naturschützer Buchner gegen den Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen wendet und das - nach eigenen Aussagen - auch Ministerpräsident Seehofer zum Umdenken animiert hat.

"Es geht wieder auf", "Achtung! Achtung!", ein Medley aus "Bulldog"/ "Schwarzer Mann"/ "Spinn i", "Hauruck" oder "Rote Haar": Es ist eine Augen- und Ohrenpracht die wandlungsfähigen Musiker - allesamt begnadete Multi-Instrumentalisten - bei ihren Aktionen auf der Bühne zu begleiten. Mit jenem Hit, der Haindling bundesweit bekannt gemacht hat, endet der Auftritt auf der Luisenburg: "Lang scho nimmer g'sehn" beschert tosenden Applaus.
Weitere Beiträge zu den Themen: Wunsiedel (1072)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.