Wenn Wörter auf der Zunge liegen, aber nicht aufstehen: Schwerstarbeit fürs Zwerchfell beim ...
Klagemauer und Kurzurlaub im Knast

Die Kabarettisten Heike Gravogl, Harald Eichner und Kurt Rodehau erzählten Allzumenschliches, Kuriositäten des Alltags, aber auch Nachdenkliches aus der großen Politik. Die Musik kam von den "Drei Scheinheiligen", sprich Christoph Schmidt, Reinhard Plobner und Ed Kuligowski. Bild: abi
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Bayern
25.05.2016
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Marktredwitz. Der altehrwürdige Saal des "Goldenen Löwen" platzte publikumstechnisch schier aus allen Nähten: Die Schauspieler Heike Gravogl, Harald Eichner und Kurt Rodehau alias "Kabarett 2-3-4" hatten mit der örtlichen SPD zu einem humorvollen Abend eingeladen und das ließen sich die Rawetzer Kulturfans nicht zweimal sagen. Die drei Schauspieler nahmen sie fast drei Stunden lang mit auf einen bunten Abend, an dem Schwerstarbeit fürs Zwerchfell angesagt war.

Dabei ging es im Programm nicht nur um die große Politik inklusive Bankenrettung, USA, AfD, Bundeswehr und den neuen Kalifen Erdogan. Die angesagten "Rawetzer" Themen wie das neue Gefängnis, die Mauer beim Schulhaus und das Jubiläumsjahr der Stadt gehörten natürlich ebenso dazu.

Wie "Mr. Bean"


In zahlreichen Soloauftritten knöpften sich "Eiche", "Kurt" und "Heike" die Themen vor. Kurt Rodehau übernahm dabei den Part eines "Mr. Bean", der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt und sich in der modernen Welt nur schwer zurechtfindet: "Meine innere Festplatte hat einfach Lücken. Mir liegen Wörter auf der Zunge, aber sie stehen einfach nicht auf."

Seine Erlebnisse im Supermarkt ohne Einkaufszettel, der aussichtslose Kampf mit dem Kassenautomaten im Hallenbad sowie die Begegnung mit einem fiesen Flaschenrückgabeterminal könnten ebenso von "Mr. Bean"-Darsteller Rowan Atkinson stammen. "Mein Seitenprofil beleidigt mich jeden Morgen im Spiegel", war übrigens die Begründung für seinen allwöchentlichen Hallenbadbesuch. Heike Gravogl geizte nicht mit selbstkritischer Ironie: "Mein Mann sagt, ich kann mit Geld nicht umgehen. Das stimmt auch - wenn ich nämlich einige Jahre früher auf die Welt gekommen wäre, hätte ich das deutsche Wirtschaftswunder alleine gestemmt."

Darm konvertiert


Besonders erbost war die Kabarettistin, weil sie unaufgefordert eine Seniorenzeitschrift bekam. "Vorne pappte ganz groß eine Slipeinlage gegen Inkontinenz drauf. Wenn das der Hallweg Hubbi ausgefahren hätte, wüsste es morgen das ganze Dorf", erzählte sie unter großem Gelächter des Publikums. "Mein Triathlon besteht aus den Disziplinen Vor-, Haupt- und Nachspeise. Und mein Darm ist nun zum Islam konvertiert, er verträgt kein Schweinefleisch mehr", lauteten die jüngsten Erfahrungen mit ihrem Körper.

Harald Eichner war eher für das städtische Zeitgeschehen zuständig. "Zu unseren Kirchen und der Moschee haben wir nun auch noch eine Klagemauer bekommen", lautete der Kommentar zum Bauwerk in der Martin-Luther-Straße. Eichner empfahl eine Verzierung mit Pril-Blumen. "Mit dem Gefängnis bekommen wir über 300 neue Bürger, und die können nicht so einfach wegziehen", freute sich der Schauspieler. Das weibliche Geschlecht bekam in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb: "Was manche Frauen mit Make-up anstellen, das würde einen Autoverkäufer sofort ins Gefängnis bringen."

Als Werbung für die Justizvollzugsanstalt brachte Eichner die Formulierungen "rund um die Uhr besetzte Rezeption mit Vollpension", "wunderschöne Landschaft" sowie "ideal geeignet für Kurzurlaub oder auch etwas länger" vor. "Ausländische Kliniken machen Werbung mit deutsch sprechendem Personal. Da sind sie schon etwas weiter als die Krankenhäuser bei uns", rundete der Kabarettist das Thema Werbesprüche ab.

Mit Heimatlied


"Ja, was ist denn heut nur los?", schallte es begleitend von den "Drei Scheinheiligen" Christoph Schmidt, Reinhard Plobner und Ed Kuligowski. Zum musikalischen Repertoire gehörte an diesem Abend natürlich auch das Heimatlied mit dem Refrain "Marktredwitz ist die schönste Stadt, die es in Oberfranken hat" - mitgesungen von vielen Besuchern.
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