Würzburger Museum erforscht Gemälde: Wie viel Raubkunst steckt in der eigenen Sammlung?
Spurensuche in der Nazizeit

Rund 1000 Objekte der Würzburger Museumssammlung könnten Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus sein und sollen bis 2016 genau auf ihre Herkunft untersucht werden. Zu dem Forschungsprojekt, das sich mit möglicher Raubkunst im eigenen Hause beschäftigt gehört auch das Stillleben mit Zitrone und Haselnüssen von August Futterer. Dessen Provinienz ist inzwischen eindeutig geklärt und unbedenklich. Bild: dpa
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Bayern
12.02.2015
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Es ist eine schwierige Spurensuche für die Historikerin Beatrix Piezonka. Sie will bis Ende 2016 herausfinden, wie viel Raubkunst in der Städtischen Sammlung des Würzburger Museums im Kulturspeicher steckt. "Dieses Projekt zeigt, dass wir gemeinsam den Mut haben, auch heiße Eisen anzufassen", sagte Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain am Mittwoch in Würzburg.

Rund 1000 Gemälde und Grafiken nimmt Piezonka dafür in Augenschein. Diese Objekte wurden seit der Gründung der Städtischen Sammlung im Jahr 1941 und bis 1945 von 25 verschiedenen Kunsthändlern erworben und stehen deshalb zunächst einmal unter Generalverdacht.

Ist das 1942 gekaufte Bild vorher von den Nazis enteignet worden? Wurde der ursprüngliche Besitzer von den Nazis zur Versteigerung gezwungen? Diesen Fragen geht die Expertin für Herkunftsforschung nach. Sie sucht dafür in der Datenbank "Lost Art" des Zentrums für Kulturgutverluste und stöbert analog und digital in alten Museumskatalogen, Inventarbüchern von Museen und Tagebüchern von Künstlern und Museumsleitern. Außerdem kontrolliert sie gemeinsam mit der Museumsleitung und den Restauratoren vorsichtig die konkreten Bilder auf aussagekräftige Details auf deren Rückseite.

Ziel der sogenannten Provenienzforschung ist es, von jedem Objekt jeden Besitzerwechsel und dessen Bedingungen lückenlos zu dokumentieren. "Wir müssen auch damit rechnen, dass wir Verluste in der Sammlung hinnehmen müssen", sagte die stellvertretende Museumsleiterin und Projektleiterin Henrike Holsing. Das Projekt wird vom Deutschen Zentrum für Kulturverluste gefördert. Im Anschluss an dieses Projekt will das Museum zudem die nach Kriegsende gekauften Werke der Sammlung auf ihre genaue Herkunft prüfen.
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