Zwischen Hollywood und Fichtelgebirge
Oberfränkischer Filmemacher Michael von Hohenberg möchte Heimat zur Filmregion machen

Der 42-jährige Michael von Hohenberg ist ein Oberfranke mit Leib und Seele - neben Regie und Kameraführung beherrscht er als ausgebildeter Schauspieler auch das Metier vor der Kamera. Bilder: White-Lake-City Filmproduktion/hfz (3)
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Bayern
26.02.2016
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Wie und ob überhaupt Leben nach einem Atomkrieg funktionieren kann, thematisiert der Film "Final Picture". Ende März wird der Streifen erstmals bei einem Filmfestival in Hollywood gezeigt.
 
Für seinen Film "Final Picture", der komplett in Oberfranken gedreht worden ist, wurde Michael von Hohenberg im Jahr 2014 in Rio mit dem "Yellow Oscar" ausgezeichnet.

Es müssen nicht immer Filmstudios in München oder Babelsberg sein: Auch Nordbayern bietet reizvolle Locations für hochwertige Produktionen. Filmemacher Michael von Hohenberg aus dem oberfränkischen Weißenstadt nutzt seine Heimatregion für eigene Filme, lockt aber auch große Produktionen hierher.

Die Krise im Nahen Osten eskaliert und zieht die Weltmächte in einen furchtbaren Atomkrieg. Die Strahlung ist allgegenwärtig, in einer Kleinstadt versuchen die Menschen im örtlichen Zivilschutzbunker Zuflucht zu. Und werden dort mit der Frage konfrontiert, ob ein Leben außerhalb der Schutzanlagen über noch möglich ist. Was angesichts aktueller weltpolitischer Krisen nicht unrealistisch erscheint, hat Filmemacher Michael von Hohenberg aus Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel) bereits vor drei Jahren in seinem Spielfilm "Final Picture" als Horrorszenario entworfen. "Es wurde leider wieder Zeit für einen Anti-Atomkriegsfilm. Vielleicht kann er ein klein wenig aufrütteln, damit einige merken, dass Atomwaffen die dümmste Erfindung des Menschen sind", sagt der Oberfranke.

"Yellow Oscar"

In wenigen Wochen - Ende März - wird der Streifen erstmals in den USA gezeigt: Direkt in Hollywood in den traditionsreichen Raleigh-Studios, die auf eine über Hundertjährige Geschichte zurückblicken können. Äußerer Rahmen ist das "International Uranium Film Festival 2016", das weltweit einzige Filmfest, das sich der gesamten atomaren Kette widmet: Vom Uranbergbau bis zum Atommüll, von der Atombombe bis zum Supergau, von Hiroshima bis Fukushima. "Das Festival wurde 2010 in Rio de Janeiro ins Leben gerufen, um atomaren Filme, die kaum im Fernsehen oder im Kino gezeigt werden, eine globale Plattform zu geben und sie auf den "Big Screen" zu bringen", erklärt von Hohenberg. Die besten Filme zeichnet das Festival mit dem "Yellow Oscar" aus. Im Jahr 2014 hat Michael von Hohenberg diesen Award für "Final Picture" in Konkurrenz zu gut 50 anderen internationalen Produktionen gewinnen können.

Beim Festival in Los Angeles befindet sich der englisch untertitelte Film des Oberfranken in guter Gesellschaft, wird er doch gemeinsam mit dem Klassiker "Das China-Syndrom" aus dem Jahr 1979 gezeigt. "Erwartet werden auch die beiden Hauptdarsteller Jane Fonda und Michael Douglas", weiß der Regisseur. Darüber hinaus wird "Final Picture" voraussichtlich auch im Mai beim "International Indigenous Film Festival" sowie beim "NewMediaFilmFestival", beide ebenfalls in Los Angeles, laufen. Gedreht worden ist das Drama übrigens in der Heimat von Hohenberg - also ausschließlich in Oberfranken: "Aber passieren kann es überall."

Überhaupt die Heimat: Michael von Hohenberg ist Oberfranke mit Leib und Seele. Der 42-Jährige ist hier geboren und aufgewachsen. Nach Realschule und Fachoberschule besuchte er die Schauspielschule in München. Es folgten Theaterengagements am Festspielhaus in München, Theater Hof und bei den Luisenburg-Festspielen. "Mit 15 Jahren war ich schon das erste Mal als Fecht-Statist bei den Musketieren auf der Luisenburg dabei", erinnert er sich. Im Laufe der Jahre bildete er sich zum Regisseur weiter und inszenierte in der Folge mehrere Theaterstücke.

Durch die Zusammenarbeit mit vielen Filmschauspielern interessierte er sich auch für Film und Fernsehen. "Meine erste kleine Rolle spielte ich in dem Bernd-Eichinger-Film über Vera Brühne", erzählt von Hohenberg. Bald wechselte von Hohenberg auch hinter die Kamera und übernahm Aufgaben wie beispielsweise die Aufnahmeleitung bei der ZDF-Krimiserie "Siska" oder als Ausstatter beim Kinofilm "Luther". Immer wieder tauchte der Oberfranke zudem als Schauspieler in Filmen und Serien wie "Sturm der Liebe", "Um Himmels Willen", "Der Alte" oder "(T)raumschiff Surprise" auf.

Wenn ich mir beispielsweise das Kloster Waldsassen mit seiner Bibliothek anschaue, dann entstehen da schon tolle Bilder in meinem Kopf.Michael von Hohenberg

Nächstes Projekt in und für die Region wird der "Fichtelgebirgskrimi" fürs Kino sein. "Das ist unter wirtschaftlichen und touristischen Gesichtspunkten eine Riesenchance fürs Fichtelgebirge", sagt von Hohenberg, der in Weißenstadt eine Produktionsfirma mit seiner Frau betreibt. Ein solcher Krimi sei eine Investition in die Region, gerade angesichts des derzeitigen Regionalkrimi-Hypes. Mit einem Budget von 800 000 Euro ließe sich die Idee umsetzen, die Suche nach Geldgebern ist in vollem Gange.

Bereits gewonnen als Darsteller hat von Hohenberg unter anderem die bekannten Schauspieler Hans-Jürgen Schatz ("Der Fahnder") und Andreas Schadt ("Franken-Tatort"). "Wenn der Film gut im Kino läuft, und davon gehe ich aus, findet er auch den Weg ins Fernsehen", ist von Hohenberg überzeugt. Drehtermin soll Mai/Juni 2017 sein, das Drehbuch ist bereits fertig. Noch in diesem Jahr soll die erste Folge einer "Fichtelgebirgskrimi"-Serie umgesetzt werden, die im Internet zu sehen sein wird.

Ideale Location

Insgesamt, sagt von Hohenberg, bilde Oberfranken eine ideale Location für Filmaufnahmen. "Wenn in einer Region gefilmt wird, dann ist das ein eminenter Wirtschaftsfaktor", erzählt er. Seit drei Jahren ist von Hohenberg als Filmbeauftragter für die "Filmregion Ostoberfranken" unterwegs: Die Landkreise und Kreisfreien Städte Wunsiedel, Kulmbach, Bayreuth und Hof haben das große Potenzial erkannt, das sich hier auftut. "Bis vor wenigen Jahren sind in der Region kaum Kinofilme gedreht worden", erzählt er. Die besten Motive und Drehorte würden nichts nützen, wenn sie nicht bekannt seien. "Sogar große Industriebrachen haben für Spielfilme ihren Reiz."

Durch viele Kontakte in die Branche hinein habe er dazu beitragen können, dass Ostoberfranken in jüngerer Vergangenheit immer wieder als Filmlocation herhalten konnte: Beispielsweise Weidenberg für Szenen in Oliver Hirschbiegels "Elser - Er hätte die Welt verändert", Bayreuth für Szenen in dem neuen Kinofilm über "Das Tagebuch der Anne Frank" oder das Oberfränkische Bauerhofmuseum Kleinlosnitz für Szenen des ZDF-Dreiteilers "Tannbach". Michael von Hohenberg weiß zu berichten: "Und da ist jeweils wirklich sehr viel Geld und Kaufkraft in der Region gelassen worden!". Er kann sich auch vorstellen, dass die Filmregion künftig in die Oberpfalz hinein erweitert wird: "Wenn ich mir beispielsweise das Kloster Waldsassen mit seiner Bibliothek anschaue, dann entstehen da schon tolle Bilder in meinem Kopf."

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Weitere Informationen:

www.von-hohenberg.de
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