Festspiele in Wunsiedel werden zum 125-jährigen Jubiläum in einem Buch gewürdigt
"Theaterwunder Luisenburg"

Mit Grimme-Preisträger Michael Altmann (rechts) war die Hauptrolle im Stück "Glaube und Heimat" im Jahr 2014 perfekt besetzt. In der kommenden Spielzeit 2016 wird Altmann in die Titelrolle der Komödie "Der verkaufte Großvater" schlüpfen. Die Bilder stammen aus dem Buch "Theaterwunder Luisenburg"/Buch- und Kunstverlag Oberpfalz
Kultur
Bayern
20.11.2015
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Mit Grimme-Preisträger Michael Altmann (rechts) war die Hauptrolle im Stück "Glaube und Heimat" im Jahr 2014 perfekt besetzt. In der kommenden Spielzeit 2016 wird Altmann in die Titelrolle der Komödie "Der verkaufte Großvater" schlüpfen. Die Bilder stammen aus dem Buch "Theaterwunder Luisenburg"/Buch- und Kunstverlag Oberpfalz

(stg) Es ist ein interessantes Jahr: 1890 dankt Reichskanzler Otto von Bismarck ab, Helgoland kommt zum Deutschen Kaiserreich, die spätere Krimiautorin Agatha Christie wird geboren, Troja-Entdecker Heinrich Schliemann stirbt. Und in der fränkischen Kulturszene tut sich etwas, denn es ist die Geburtsstunde der Luisenburg-Festspiele.

Auch die Oberpfalz feiert diesen 125. Geburtstag mit - im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz ist aus diesem Anlass vor wenigen Tagen das Buch "Theaterwunder Luisenburg" erschienen. Neben zahlreichen Fotos spannen vier Autoren einen Bogen vom Losburgspiel, mit dem 1890 alles beginnt, bis zur erfolgreichen Ära unter dem heutigen Intendanten Michael Lerchenberg.

"Die Losburg"


Neben dem Intendanten selbst und der Jubiläumsausstellungs-Kuratorin Dr. Bettina Wilts sind es die ausgewiesenen Kulturjournalisten und Luisenburg-Kenner Eva-Maria Fischer (Eching) und Holger Stiegler (Kemnath), die dem "Theaterwunder" auf 144 großformatigen Seiten nachspüren.

Zurück zum Anfang: Es ist der 20. Juli 1890 und natürlich noch nicht absehbar, wie sich die Bühne in den nächsten 125 Jahren weiterentwickeln wird. Vater des ersten Stückes auf der Felsenbühne ist Ludwig Hacker, damals Professor an der Realschule Wunsiedel. Anlass für ihn, das Spiel "Die Losburg" zu schreiben, ist auch 1890 ein Jubiläum - nämlich die 100-Jahr-Feier der Erschließung des Felsenlabyrinths der Luisenburg. Es ist kein Stück mit fortlaufendem Inhalt, der Verfasser will bewusst nicht Personen, sondern den Berg - also die Los-, Lux- oder Luisenburg - in den Mittelpunkt stellen.

Aus diesem Grund hat Hacker einzelne "Bilder" geschaffen, die sich weithin auf Sagen aus dem Gebiet der Luisenburg sowie des ganzen Fichtelgebirges gründen. Eine kleine Hommage an Hackers Inszenierung baut Lerchenberg übrigens im Jubiläumsjahr in seine Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" ein.

In neun Aufsätzen sezieren die Autoren die Geschichte der Festspiele - mal amüsant, mal nachdenklich, stets fundiert und faktenreich. Klar wird, dass die Naturbühne - aller Stars zum Trotz, die schon auf ihr spielten - seit jeher die Hauptdarstellerin ist. Der Faszination des Fichtelgebirges und der Luxburg beziehungsweise der Luisenburg erliegt auch Johann Wolfgang von Goethe: Ihm haben es besonders die geologischen Besonderheiten angetan. Einiges erfahren die Leser auch über die Einflüsse des bekannten Regisseurs und Schauspielers Fritz Basil auf die Luisenburg-Festspiele in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts - jener Fritz Basil, der Adolf Hitler in Rhetorik, Gestik und Mimik schult.

Nach dem Krieg werden die Festspiele 1951 mit Gastspielen des Bayerischen Staatsschauspiels wiedereröffnet. Vieles erfahren die Leser über die künstlerischen Leiter und Intendanten der Festspiele: Friedrich Siems (1956-1963) hat ein Faible für Shakespeare-Stücke, Christian Mettin (1964-1978) führt konsequent die "Wunsiedler Dramaturgie" ein mit einem Klassiker, einem Volksstück, einem zeitgenössischen Werk sowie ab 1974 einem Kinderstück und Hans-Joachim Heyse (1979-1984) bringt Operettengastspiele auf die Luisenburg, entdeckt Carl Zuckmayer für die Bühne - und ganz nebenbei auch den heutigen Intendanten Michael Lerchenberg, der 1980 sein Luisenburg-Debüt als Schauspieler feiert.

In die Intendanz von Hans-Peter Doll (1985-1999) fällt der Beginn der Operngastspiele der Landesbühne Sachsen und der Anstieg der Besucherkurve auf 130 000 Zuschauer. Die kurze Intendanz von Pavel Fieber (2000-2003) ist geprägt von einem "neuen Weg" und Uraufführungen wie "Schlafes Bruder" und "Der Name der Rose", aber auch vom Unterschreiten der 100 000-Besucher-Marke.

Eine Erfolgsgeschichte


Mit Michael Lerchenberg beginnt schließlich eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält: Er bringt das Musical auf die Felsenbühne, ein neues Luisenburg-Publikum wird damit erschlossen. Lerchenberg vertraut auf neue Wege - so auch bei der Theaterpädagogik und beim Schritt vom reinen Kinder- zum Familienstück. "Nur so kann eine Theatertradition entstehen", sagt Lerchenberg. Aus dem "Nähkästchen" wird auch geplaudert - manche Anekdote über Schauspieler und Inszenierungen hat den Weg ins Buch gefunden.

Die Rolle der Luisenburg-Festspiele als "Talentschuppen" wird in gleicher Weise gewürdigt wie deren Funktion als "harter" Standortfaktor nicht nur für Oberfranken, sondern auch für die angrenzende Oberpfalz. Ausführlich beleuchtet wird außerdem die Baugeschichte des Theaters. Abgerundet wird das Buch mit einer informativen Statistik zu Spielplänen und Besucherzahlen. Jeweils ein Vorwort beigesteuert zu dem Buch haben Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck sowie die große Münchener Feuilletonistin Beate Kayser.
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