Lena Meyer-Landrut in der Münchener Theaterfabrik
Unsere Lena wird erwachsen

Lena Meyer-Landrut überzeugte in München mit gereiftem melancholischen Elektro-Pop. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur
Bayern
24.02.2016
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Lena mag einfach jeder. Ihre mädchen- und kumpelhafte Art. Ihre Selbstironie. Ihre Nähe zu den Fans, von denen rund 500 auch bei ihrem Münchener Konzert bei jedem Wort kreischen. Bei aller Popularität wird in der Theaterfabrik am Sonntagabend aber deutlich, dass sich etwas verändert hat.

München. Viele dürften noch zögern, den ehemaligen Schützling von Stefan Raab als waschechte Musikerin zu bezeichnen. Dazu tummelt sich die Stilikone, Werbefigur, "The Voice Kids"-Jurorin, Youtuberin, Schauspielerin und Synchronsprecherin in zu vielen Bereichen des Show-Universums. Im Vergleich zu früheren Auftritten fällt es aber bei ihrer verlängerten "Carry You Home"-Tour zunehmend leichter, mehr in ihr zu sehen, als nur ein Pop-Sternchen. Die musikalische Entwicklung der gefühlt ewigen Eurovision-Song-Contest-Gewinnerin bleibt spannend, denn sie ist spürbar.

Wie gewohnt ist das Geplänkel mit den Zuschauern jugendlich flapsig. Doch Lena Meyer-Landrut wirkt gereift, auch stimmlich. Mit ihrem in sich geschlossenen, leicht melancholischen vierten Album "Crystal Sky" scheint sie nach langer musikalischer Sinnsuche angekommen. In der Vergangenheit lieferten ihr (zu) viele Songschreiber mit unterschiedlichstem Hintergrund zwar Hits wie "Satellite" oder "Taken By A Stranger", verhinderten aber damit aber, dass sich ein charakteristischer "Lena-Stil" entwickelte.

Songs mit neuer Identität


Nun ist - unbemerkt von vielen ihrer begeisterten, meist jungen Fans - aus der musikalischen Wundertüte eine Sängerin geworden, die bei aller Variabilität und Sprunghaftigkeit diesen Songs ihren eigenen Stempel aufdrückt, statt sich nach deren Original-Version zu richten. Aus "Satellite" nimmt sie das Tempo heraus, gibt der Girlie-Pop-Komposition mit deutlich kehliger klingenden Stimme mehr Drive. "Taken By A Stranger" lässt sie ganz weg. Das mitreißende "Stardust" hingegen passt zur alten und neuen Lena. Der Schwerpunkt des Abends liegt jedoch auf ihrem neuen Album, von dem sie zwölf Songs spielt.

Klar - die Gesangsparts im knapp zweistündigen Set sind nicht immer lupenrein. Der eine oder andere Lena-typische Kiekser schleicht sich gelegentlich ein. Auch ein stolzes "jetzt hab' ich den Rap-Teil zum ersten Mal ohne zu spicken gerappt", zeigt neben der ihr eigenen selbstironischen Art auch etwas ihre Unsicherheit bei einem kompletten, abendfüllenden Live-Auftritt.

Doch dieser ist perfekt produziert. Der Sound ist für die akustisch nicht gerade ideale, aufgeheizte Theaterfabrik der Optimolwerke extrem gut abgestimmt. Auf dominierende Gitarrenpassagen verzichtet das Programm weitgehend. Clevere bass- und schlagzeuglastige Arrangements mit viel Rhythmus kommen Lenas neuem Stil entgegen. In schwierigen Passagen kann sie außerdem auf ihre starke Backgroundsängerin zählen, die sie mit parallelem Gesang stimmlich stützt.

Spürbare Einflüsse


Ihre musikalische Inspiration durch Ellie Goulding - die sie gelegentlich auch covert - wird deutlich und fließt angenehm in die Interpretation der Songs ein. Zuweilen erinnern die mit viel Hall oft sphärisch klingenden Passagen auch an Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan.

Das Ergebnis kann sich hören lassen: eine Mischung aus Elektro-Pop mit scharfen Rhythmuswechseln und eingestreuten Rap- und Soul-Elementen. Ruhigere Balladen wie "Sleep Now" oder ihre gelungene Version des Justin-Bieber-Songs "Love Yourself" überzeugen. Ein starker Moment ist auch das Duett zu Britney Spears' "Toxic", das sie mit der erst 16-jährigen, vielversprechenden Nachwuchssängerin Emma Bale singt. Bei ihr darf man auf die künftige Karriere gespannt sein - ebenso wie bei ihrer erfreulich veränderten Gesangspartnerin.
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