Ärzte braucht das Land

Vertreter des Weiterbildungsverbunds und der Kommunen mit (von links) Karl Busch (2. Bürgermeister Waldershof), Martin Schmid (Geschäftsführer Klinikum Fichtelgebirge), Roland Schöffel (stellvertretender Landrat), Chefarzt Dr. Bertram Krüger, Stadträtin Uta Siegle (Achte von rechts) und Moderator Alexander Fuchs (Sechster von rechts). Bild: usg
Lokales
Bayern
12.08.2015
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Wie bringt man Ärzte in die Region? Indem man Anreize schafft. Und den Einstieg erleichtert. So wie der Weiterbildungsverbund Fichtelgebirge.

Bereits seit zwei Jahren gibt es diese Kooperation zwischen dem Klinikum Fichtelgebirge und Hausärzten der Region. Sie soll angehenden Kollegen die fünfjährige Facharztausbildung zum Allgemeinarzt beträchtlich erleichtern.

"Der demografische Wandel erhöht den Anteil chronisch kranker älterer Patienten. Für deren Versorgung, aber auch für die palliativmedizinische Betreuung ist eine ausreichende Zahl von Hausärzten notwendig." Alexander Fuchs, stellvertretender Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands, moderierte die Veranstaltung.

Dr. Wolfgang Rechl von der Landesärztekammer betonte die Bedeutung eines Weiterbildungsverbundes. Dass den Assistenzärzten die komplette stationäre Weiterbildung sowie zusätzliche Module wie die Notfallausbildung offen stünden, erläuterte Chefarzt Dr. Bertram Krüger.

Auch die Kommunen engagieren sich zum Teil massiv und erfolgreich, um Nachfolger für in den Ruhestand tretende Hausärzte zu finden, wie Peter Berek, Bürgermeister von Bad Alexandersbad, berichten konnte. Trotz aller Anstrengungen jedoch ist eine Entschärfung nicht absehbar: Nur ein einziger Assistenzarzt hatte den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden, und die Erfahrungsberichte der anwesenden Allgemeinärzte waren wenig ermutigend.

"Was hindert einen Assistenzarzt daran, in die Praxis zu gehen?" Die Antwort auf diese zentrale Frage wurde heftig diskutiert: Es beginne schon damit, dass es in Deutschland einfach zu wenig Studienplätze für Medizin gebe. Nicht einmal Abiturienten mit einem Notendurchschnitt von 1,1 könnten zurzeit sicher mit einem Studienplatz rechnen. Für junge Kollegen, ganz zu schweigen von ausländischen Assistenzärzten, sei die ausufernde Bürokratie, die mit der Niederlassung verbunden sei, so abschreckend, dass wohl nur die wenigsten sich darauf einlassen würden. Einige Hundert in Deutschland ausgebildete Ärzte wanderten zudem jährlich ins Ausland ab, weil dort die Bedingungen besser sind.

Martin Schmid, Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge, schlug vor, die modernen Medien besser zu nutzen. Stellvertretender Landrat Roland Schöffel propagierte das "Lichtenfelser Modell", das den akademischen Lehrauftrag eines Chefarztes gezielt für die Werbung an der Universität nutzt. Verschiedene Versorgungsmodelle, regte Vizepräsident Rechl an, müssten mehr in den Focus rücken: "Man kann auch als Hausarzt im Angestelltenverhältnis arbeiten." Die politischen Vertreter der Region wurden ebenfalls in die Pflicht genommen: Warum gibt es keinen Strukturbeauftragten wie in anderen Landkreisen? Warum sind wir nicht auch "Gesundheitsregion plus"? Das Image der Region insgesamt trage durchaus dazu bei, ob junge Ärzte sich hier mit ihren Familien niederlassen würden.
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