Alle Neune oder Fehlwurf?

Lokales
Bayern
11.04.2015
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Mit dem Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg kennt er sich aus - und er weiß: "Wer früher stirbt, ist länger tot". Jetzt betritt der Regisseur Marcus H. Rosenmüller Neuland und macht auf große Oper.

Er ist bekannt für seine Filme wie "Wer früher stirbt, ist länger tot" - und seine Inszenierung des Singspiels beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg. Jetzt wagt sich Regisseur Marcus Rosenmüller (41) allerdings auf unbekanntes Terrain und inszeniert große Oper. Am Sonntag, 12. April, bringt er mit Nachwuchstalenten des Opern-Studios der Bayerischen Staatsoper Gioachino Rossinis komische Oper "Le Comte Ory" in München auf die Bühne.

Wie unterscheidet sich die Inszenierung einer Oper von Ihrer bisherigen Arbeit, vom Film oder vom Singspiel?

Marcus H. Rosenmüller: Eine Oper fühlt sich eigentlich so an wie ein Drehtag beim Film. Es sind sehr intensive Tage gewesen. Schließlich kann man beim Film Dinge ausprobieren und später kann man in der Nachbearbeitung noch vieles retten. Bei der Oper gibt es nur die zweieinhalb Stunden auf der Bühne, in denen alles passen muss. Und an das Bauen der Übergänge und Motivwechsel musste ich mich gewöhnen. Das ist schon eine Herausforderung.

... und dann wird auch noch ständig gesungen...

Rosenmüller: Die Arbeit mit Musik ist schon anders, weil Musik und Singen ohnehin schon große Emotionen überträgt, die man im reinen Schauspiel anders verarbeiten müsste.

Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen?

Rosenmüller: Die Oper ist mit dem konkreten Vorschlag, die Rossini-Oper zu inszenieren, an mich herangetreten. Mit dem Dramaturgen, der Kostümbildnerin und der Bühnenbildnerin haben wir uns seit Herbst vergangenen Jahres immer wieder zusammengehockt und haben die für uns interessanten Kernthemen in die Komödie eingeflochten.

Sie inszenieren die Geschichte auf einer Bowlingbahn. Wie kam es denn dazu?

Rosenmüller: Der erste Akt der Oper spielt in einem eher tristen Dorf. Und dazu ist uns die Bowlingbahn eingefallen, einen Ort mit dem Glamour von Neon-Reklamen, der seine besten Zeiten allerdings in den 80ern hinter sich gelassen hat und an dem sich Erfolg und Misserfolg sofort einstellen. Das Ganze ist auch ein Filmzitat von "The Big Lebowski". Wir haben das so mit einem Augenzwinkern verbunden.

Wie halten Sie es denn privat mit der Oper?

Rosenmüller: Mein Interesse daran ist in den vergangenen Jahren schon ein bisschen gestiegen. Ich gehe - in guten Abständen - inzwischen regelmäßiger. Die Oper hat einen gewissen Code, den man erst einmal begreifen muss. Als ich mir mit Mitte 20 Opern angeschaut habe, habe ich mich schon gefragt: Warum singen sie dreimal hintereinander, dass sie sterben - und stehen dann immer noch? Durch die intensive Arbeit konnte ich nun zum ersten Mal richtig eintauchen und hab' das Gefühl, infiziert zu sein.

Das Münchner Opernpublikum ist ja dafür bekannt, einigermaßen gnadenlos sein zu können, wenn eine Inszenierung Missfallen erregt. Macht Ihnen das Angst?

Rosenmüller: Angst ist vielleicht das falsche Wort. Ich habe natürlich keine große Lust, dass das Publikum mir zu verstehen gibt, dass es ihm nicht gefallen hat. Ich denke, wir haben im Geiste von Rossini gearbeitet und uns wirklich was einfallen lassen. Im Zweifel müssten wir dann vielleicht das Publikum austauschen (lacht).
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