Auf eigenen Beinen stehen

Martin Schmid (rechts), Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge, dankte Dr. Annemarie Schraml (links) für ihren Vortrag, in dem sie eindrucksvoll das Projekt "Feuerkinder" vorstellte. Bild: privat
Lokales
Bayern
19.12.2014
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Es sollte ein einmaliger Hilfseinsatz sein - damals vor 15 Jahren. Doch zwischenzeitlich haben Dr. Annemarie Schraml und ihr Helferteam fast 1600 Kinder operiert. Nun berichtete die Ärztin im Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz über die Aktion "Feuerkinder".

Aus "ein paar notwendigen Operationen" an Schützlingen eines kleinen Behindertenzentrums im Norden Tansanias entwickelte sich ein nachhaltiges Projekt, das unzähligen Kindern und jungen Menschen ein Leben in Würde und Selbstachtung schenkte. Maßgeblich aufgebaut hat es die Orthopädin Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen, die bereits zum zweiten Mal im Klinikum Fichtelgebirge Haus Marktredwitz über ihre Arbeit berichtete.

Drei Krankheitsbilder sind es vor allem, die Dr. Schraml und ihr Team aus deutschen und einheimischen Mitarbeitern immer wieder zu Gesicht bekommen und operativ versorgen, oft in mehreren Einsätzen pro Jahr: Da sind zum einen die Verbrennungen, die schon ganz kleine Kinder durch die offenen, ungesicherten Feuerstellen in den Hütten erleiden. Spätere Narbenkontrakturen entstellen sie und lassen ihre Gelenke sich grotesk verkrümmen. Von diesen zahlreichen Unfällen hat das Projekt seinen Namen bekommen: Aktion "Feuerkinder".

Viel häufiger noch, so Dr. Annemarie Schraml, seien jedoch die angeborenen Klumpfüße, die die Betroffenen ebenfalls zu einem Leben in Abhängigkeit verurteilen: "Wer nicht zur Schule laufen kann, wird auch nie einen Beruf haben, um sich oder seine Familie ernähren zu können." Drittens leiden viele Kinder unter der sogenannten Fluorose, die durch zu hohen Fluorgehalt im Trinkwasser ausgelöst wird und Arme und Beine extrem verformt. Von Jahr zu Jahr, erläuterte die Ärztin, sei es deutlicher geworden, dass nur Hilfe zur Selbsthilfe in Tansania wirklich etwas verbessern würde. So seien in dem Land, das zu den zehn ärmsten der Erde gehört, die Kinder nicht nur operiert, sondern nachher dabei unterstützt worden, eine Schule zu besuchen, einen Beruf zu erlernen, im wahrsten Sinne des Wortes "auf eigenen Beinen zu stehen". Die Bilder, die Dr. Schraml an diesem Abend zeigte, sprechen für sich: Viel Leid ist da im Lauf der Jahre gelindert worden, vieles hat sich für Menschen zum Guten gewendet, die vorher nie eine Chance gehabt hätten. Sogar die Infrastruktur der Region hat sich kontinuierlich verbessert.

Geld für Ausbildung

Inzwischen wurden fast 1600 Kinder operiert, dazu kommen mehrere tausend ambulante Therapien und Klumpfuß-Gipsbehandlungen. Die Kosten eines Jahreseinsatzes betragen rund 150 000 Euro; auch die Ausbildung einheimischer medizinischer Fachkräfte soll weiterhin langfristig finanziert werden. Keine Frage, dass Spenden immer willkommen sind. Dr. Annemarie Schraml beendete ihren Vortrag mit einem afrikanischen Sprichwort: "Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern."
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