"Ausstellung am Puls der Zeit"

Drei Tage brauchte Albin Artmann für den Aufbau der beeindruckenden Landschaftskrippe mit über 150 Tonfiguren. Bild: jr
Lokales
Bayern
26.11.2015
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Über 200 Besucher kamen ins Egerland-Museum, um bei der Eröffnung der Ausstellung "Nicht nur zur Weihnachtszeit" dabei zu sein. Museumsleiter Volker Dittmar hob dabei hervor: "Flucht und Vertreibung sind keine neuen Probleme. Bereits in der Bibel wird von flüchtenden Menschen und Familien berichtet."

Flucht und Vertreibung - das Thema ist aktueller denn je. Das Egerland-Museum zeigt eine Ausstellung, die nachdenklich stimmt und aufrüttelt. Zu sehen ist sie bis einschließlich 17. Januar. Musikalisch bereichert hat die Vernissage der Marktredwitzer Kulturpreisträger Wolfgang Geiger.

Oberbürgermeister Oliver Weigel verdeutlichte: "Die Ausstellung ist mitten aus der Aktualität entstanden. Genau zu der Zeit, als Marktredwitz vor die Herausforderung gestellt wurde, innerhalb kürzester Zeit 100 Flüchtlingen ein Zuhause zu geben. Und wir wollten diese Aufgabe gut meistern und diesen Menschen Sicherheit und ein kleines Stückchen heile Welt geben." Dies sei mit der Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer gelungen. Die Ausstellung, so Weigel, spanne einen Bogen von der biblischen Weihnachtsgeschichte über die Vertreibung der Egerländer bis hin zu den Flüchtlingen dieser Tage. Der Oberbürgermeister betonte: "Es ist eine Ausstellung am Puls der Zeit." Ausdrücklich dankte er Museumsleiter Volker Dittmar, der mit seinem engagierten Team innerhalb kürzester Zeit und großem persönlichen Einsatz das Projekt verwirklichte.

Bundesvüarstäiha Alfred Baumgartner meinte, die Ausstellung treffe "voll den Nerv der Zeit". Baumgartner: "Alles zurücklassen, flüchten, dies haben auch die Egerländer erlebt." Vertreibung ist Kernthema der Dauerausstellung im Egerland-Museum, erläuterte dessen Leiter Volker Dittmar. "Wir müssen auch jetzt wieder über unseren Tellerrand blicken und uns den aktuellen Ereignissen stellen." Dittmar erinnerte daran, "dass einst auch Maria, Josef und der kleine Jesus politisch Verfolgte waren und von Bethlehem aus nach Ägypten flüchten mussten". Die Ausstellung wolle keinesfalls polarisieren oder gar polemisieren, sondern konzentriere sich auf konkrete Einzel- und Familienschicksale.

Durchgangslager Wiesau

Die Ausstellung hat drei Themenbereiche: von der biblischen Weihnachtsgeschichte über die Vertreibung der Egerländer bis hin zur Flucht von Syrern nach Europa in der Gegenwart. So erinnert die Ausstellung auch an das Durchgangslager in Wiesau. Die Gemeinde hatte 1946 rund 2700 Einwohner und nahezu ebenso viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. Insgesamt durchliefen das Lager Wiesau 1946 über 570 000 Menschen. Eine ungeheure logistische Leistung und Belastung für die Bürger dort.

Ein Teil der Ausstellung informiert über den Dachdecker Ernst Heinz. Der Egerländer kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Fahrenbach und gründete 1949 in Furthammer einen neuen Betrieb. Weitere positive Beispiele fügte Dittmar an, wie Flüchtlinge sich am Aufbau Deutschlands beteiligten. "Von Syrien nach Europa bis nach Marktredwitz" lautet der Untertitel einer weiteren Präsentation. Erlebnisberichte von betroffenen Flüchtlingen ergänzen diesen Teil.
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