Autorin Marianne Ach thematisiert bei Lesung Abschied und Flucht
Verwüstungen in den Herzen

Die gebürtige Eslarnerin Marianne Ach beeindruckte ihre Zuhörer mit Geschichten aus ihrem Werk "Am Horizont kein Zeichen". Bild: wro
Lokales
Bayern
19.10.2015
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Es war mucksmäuschenstill im Saal des Egerland Kulturhauses, als die letzten Takte von Johann Sebastian Bachs "Wohltemperiertem Klavier" verklungen waren und Autorin Marianne Ach ihr Buch zur Hand nahm, um aus Geschichten über Abschied und Flucht vorzulesen.

Die Münchnerin Marianne Ach, eine gebürtige Eslarnerin, hatte ihr 2014 erschienenes Werk "Am Horizont kein Zeichen" mitgebracht, eine Sammlung aus kurzen, aber auch einigen längeren Erzählungen. Sie beschreibt darin die Gedanken und Schicksale von Menschen, die sich auf einen Abschied einlassen müssen.

Harmonische Einheit

Mehr als eine Stunde dauerte ihr besinnlicher Vortrag und manche Zeilen blieben den Zuhörern förmlich im Hals stecken. Die ehemalige Lehrerin und Klosterschülerin hatte selbst einiges durchgemacht. Viele Wunden sind verheilt, doch beim Blick zurück bleibt ein Nachgeschmack. Mit seinem meisterhaften Spiel am Piano verband Karl-Dietfried Adam die drei präsentierten Kurzgeschichten zu einer harmonischen Einheit.

Suche nach dem Vater

Da ging es zum Beispiel um einen vierjährigen Buben, der mit der Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg die Heimat verlassen musste. Der Vater war schon vorher geflüchtet und hatte später eine neue Liebe gefunden. Von Mann und Gott verlassen, träumt die Mutter von einem neuen Leben. Sie freut sich über Kleinigkeiten wie etwa einen zugefrorenen See, der eine Brücke bildet zu einer neuen Heimat, einer neuen unbekannten Welt. Ob die andere Heimat wirklich ihre Heimat wird, weiß sie noch nicht. Sie lernt neue Menschen kennen und spürt sehr bald: Man hat uns nicht gewollt, aber man wird uns wollen müssen. Die Autorin erzählte auch von "Horche", der aus den Armen seiner Mutter flieht, um seinen Vater zu suchen. Vergeblich, denn der "Erzeuger" möchte von diesem unbekannten, ungeliebten Sohn nichts wissen. Horche flieht und stellt bald fest, dass er eigentlich auf der Flucht vor seiner Flucht ist. Und schließlich war da noch der junge Nigerianer Eddie, der seine Familie und das "Land", wie er Nigeria nennt, zurücklassen musste. Eine Flucht ohne Hab und Gut, die nicht nur seine Füße verletzt hat. Heimweh, so Marianne Ach in ihrem Epilog, richte große Verwüstungen in den Herzen der Menschen an.

"Fluchtwege", der Autorennachmittag zum Auftakt der Reihe "Literarisches Café" 2015/ 2016 wurde zu einer wohltuenden Symbiose aus Worten und Melodie, zu einem Leckerbissen für all diejenigen, die es gewohnt sind, beim Zuhören auch nachzudenken. Ein klein wenig unverdaulich waren sie schon, die mit Schwermut behafteten Texte Achs, aber sie erinnerten daran und mahnten sogar dazu, das Leid und Schicksal anderer niemals zu verdrängen. Flucht, so die Autorin, sei kein normaler Zustand.
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