Blöde Sau? Von wegen!

Pfarrer Johannes Schroll, Polizeihauptkommissar a.D. Hartmut Friese und Martin Pflaumer (von links) halten je einen Band mit Anekdoten des Hobbyautors in den Händen. Bild: neh
Lokales
Bayern
13.09.2015
62
0

Für den Verdacht, dass der Franke eher innerlich lacht, finden sich in Hartmut Frieses Geschichten keine Indizien. Der Franken-Cop, wie er sich nennt, schreibt über Kuriositäten, die er in mehr als drei Jahrzehnten Polizeidienst tatsächlich erlebt hat.

Polizeihauptkommissar a.D. Hartmut Friese las und erzählte beim ökumenischen Seniorennachmittag im Gemeindehaus aus seinen zwischenzeitlich drei Büchern. Der neue Pfarrer Johannes Schroll und Martin Pflaumer freuten sich über rund 40 Zuhörer Das Unterstützer-Team tischte ihnen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen auf.

Im Leihwagen heimwärts

Hartmut Friese servierte die Geschichte von einem zweckentfremdeten Einkaufswagen. Er diente dazu, einen alkoholgeschädigten Kirwabesucher in sein trautes Heim zu befördern. Mit dem zugedrückten Auge des Gesetzes verzichtete die Polizei bei den beiden Fahrzeugführern auf einen Alkoholtest. Diese brachten den Wagen an seinen Standort zurück und erklärten: "Immerhin haben wir ja auch einen Euro Pfand dafür gezahlt."

Ein andermal ging der Ordnungshüter mit Streifenwagen und Kollegen auf Schweinehatz. Der Ausdruck "blöde Sau" sei hier absolut unzutreffend gewesen, betonte Friese. Die rosaroten Spanferkel ließen sich auf ihrer Flucht allerhand einfallen, um den Häschern zu entwischen. Erst gegen Mitternacht gelang es endlich, sie einzufangen.

Auch erotische Fälle mussten - oder durften - immer wieder geklärt werden. So war beispielsweise eine Hausfrau zwar errötet, aber dennoch sichtlich erleichtert, als nur die Uniformierten vor der Tür standen. Nachbarn hatten sie wegen verdächtiger Geräusche gerufen. Die Dame hatte schon die vorzeitige Heimkehr ihres Ehemanns befürchtet.

Verwirrung stiftete auch ein junges Pärchen, dass nach Schalterschluss den windgeschützten Platz neben den Geldautomaten einer Bankfiliale zum Ort seines Liebesspiels auserkor. Dabei ließen sie sich weder von der laufenden Überwachungskamera noch von den neugierigen Blicken einiger Passanten stören.

Eiskalter Ladendiebstahl

Kurios auch ein Einsatz in einem Supermarkt. Als die Beamten dort eintrafen, bemühte sich bereits ein Notarzt um eine am Boden liegende ältere Dame. Neben der ohnmächtigen Ladendiebin lag ein Kloschüsselgroßer Strohhut, der ihre Beute verhüllen sollte. Darunter hatte sie nämlich ein tiefgefrorenes Hähnchen verstaut. Die Minustemperaturen direkt auf der Kopfhaut brachten aber wohl ihren Kreislauf gehörig durcheinander, und unmittelbar nach der Kasse kippte sie um.

16 000 Euro gesammelt

Aus dem Verkauf seiner in drei Bänden zusammengefassten Erlebnisse kamen inzwischen schon mehr als 16 000 Euro zusammen. Hartmut Friese hat sie an die Bayerische Polizeistiftung übergeben. Sie unterstützt Kollegen, die im Dienst schwer verunglückt sind. Nicht zuletzt möchte der Hauptkommissar a.D. gerade auch bei älteren Mitbürgern Berührungsängste mit der Polizei abbauen und auf die immer dreister werdenden Abzockmaschen von Trickbetrügern hinweisen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Pommelsbrunn (97)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.