Bühne frei für den Polit-Thriller

Dolf Schwarz beeindruckte bei seinem Vortrag im Literarischen Café mit großer Sachkenntnis. Bild: usg
Lokales
Bayern
02.03.2015
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Einzelinteressen gegen den Blick aufs große Ganze, kühler Realismus gegen jugendlichen Idealismus. Alles ewig aktuelle Themen, wie das Literarische Café im Egerland-Kulturhaus beeindruckend vor Augen führte.

Um Schillers Wallenstein-Trilogie ging es diesmal, die vor dem historischen Hintergrund des 30-jährigen Krieges das Schicksal Böhmens und Europas beleuchtet. Der bewährte und beliebte Referent Oberstudiendirektor Dolf Schwarz aus Eichenau verknüpfte die literarische Vorlage mit Vergangenheit und Gegenwart. Unterstützt wurde er von der Schülerin Kristin Müller aus Marktredwitz, die aus den Originaltexten vorlas.

Europa im Blick

"Wallensteins Lager", "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" überschrieb Friedrich Schiller die Teile seiner berühmten Trilogie, in der auf der Matrix historischer Geschehnisse die Wirkmächte Politik, Astrologie und Liebe das Schicksal der Protagonisten bestimmen. Da ist der Feldherr Wallenstein, der - anders als Kaiser Ferdinand II. in Wien - das gesamte Europa im Blick hat und dafür sogar mit dem Gedanken spielt, sich mit den Schweden zu verbünden und damit den Frieden zu erzwingen.

Der Kaiser hat die Absetzung des für ihn gefährlichen Feldherrn jedoch schon beschlossen und bedient sich zu diesem Zweck Octavio Piccolominis, eigentlich ein Freund und Vertrauter Wallensteins, jedoch von politischem Kalkül geleitet. Ganz anders agiert sein Sohn Max, in Liebe zu Wallensteins Tochter Thekla entbrannt: Der junge, begeisterungsfähige Idealist will verzweifelt weiter an seinen Feldherrn glauben. "Dein Urteil kann sich irren", sagt er zu seinem Vater, "nicht mein Herz".

Am Ende bleiben die Ideale auf der Strecke, ebenso wie Wallenstein selbst: Des Verrats beschuldigt zieht er sich in die Festung im böhmischen Eger zurück, auf die Hilfe des anrückenden schwedischen Heeres hoffend. Sein Mörder jedoch befindet sich schon innerhalb der Festungsmauern. Auch für das junge Paar gibt es kein glückliches Ende. Max, zerrissen zwischen allen Fronten, fällt in der Schlacht gegen die Schweden, woraufhin Thekla den Freitod wählt.

Große Sachkenntnis

Mit großer Sachkenntnis gelang es dem Referenten, dem Publikum die verschiedenen Ebenen der Thematik aufzuzeigen. So müsse man, erläuterte Schwarz, neben der belegten historischen Basis des literarischen Werkes auch dessen Entstehungszeit berücksichtigen. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert habe mit Napoleon Bonaparte wiederum ein großer Feldherr die Karten in Europa neu gemischt und Schiller sicherlich beeinflusst. Und bis heute, so Schwarz, sei diese Frage nicht zufriedenstellend gelöst: Wie könne sich Europa entfalten, eine Einheit werden und doch dem einzelnen Land die nötige Freiheit lassen ?
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