Cameron Carpenter gastiert mit seiner "International Touring"-Orgel in Bayreuth
Unglaubliche Fülle an Klängen

Der Ausnahmekünstler Cameron Carpenter wurde als erster Organist überhaupt für einen Grammy nominiert. Bild: hfz
Lokales
Bayern
23.05.2015
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Da sitzt er nun, der Orgelrevolutionär mit dem Irokesenschnitt, an seinem schwarzen Orgelmonstrum mit sage und schreibe fünf Manualen in der Bayreuther Stadthalle. Um ihn herum zieren unzählige schwarz-rote Koffer mit Lautsprechern die Bühne. Der Anblick hat etwas bombastisches, aber mit einer Kirchenorgel im klassischen Sinne eher wenig zu tun - dazu passen auch die effektheischenden Klänge, die Cameron Carpenter seinem Instrument entlockt.

Frei und unabhängig

Mit der Fertigstellung der "International Touring Organ" (ITO) ist für den 33-jährigen Amerikaner 2014 ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: endlich frei und unabhängig zu sein von den Kirchenorgeln mit ihren ganz eigenen Dispositionen und immer das zu spielen, wonach ihm gerade der Sinn steht.Carpenter möchte die Orgel hinein holen in den Konzertsaal und seinem Publikum eine Show von Klängen und Effekten bieten.

Das ist ihm bei seinem Konzert bei der Musica Bayreuth wahrlich gelungen. Es hat etwas Faszinierendes, wenn bekannte Werke wie Schostakowitschs Festliche Ouvertüre op. 96 oder Duprés "Variations sur un Noel" in einer Bearbeitung für Orgel erklingen - noch dazu in einer ständig wechselnden raffinierten Registrierung. Möglichkeiten dazu hat er jedenfalls unzählige, denn für seine ITO wurde er nicht nur von den großen Kino- und Kaufhausorgeln inspiriert, sondern hat sich auch die Klänge berühmter Kirchenorgeln einspeichern lassen.

Egal, was Carpenter spielt - ob Transkriptionen oder Johann Sebastian Bach -, sein technisches Können und seine bewundernswerte Virtuosität sind nicht hoch genug einzuschätzen. Und doch beschleicht gerade bei Bachs Triosonate in d-Moll oder seiner bekannten Fantasie und Fuge d-Moll so manchen Freund der Kirchenorgel ein etwas ungutes Gefühl: Hat diese bunte Vielfalt an Klängen und Effekten wirklich noch etwas mit jenem Meister der Kirchenmusik zu tun und hat es nicht seinen ganz eigenen Reiz, mit genau dem Instrument Vorlieb zu nehmen, das man in einer Kirche vorfindet?

Begeistertes Publikum

Aber darum geht es dem Orgelrevolutionär Carpenter nicht: Sein Herz schlägt eben nicht für die Kirchenmusik, sondern für die Orgel als Konzertinstrument. So erscheint das Vorspiel zu Wagners "Meistersingern" in neuem Gewand oder eine Eigenkomposition mit einer unglaublichen Fülle an Klängen. Der Abend jedenfalls hatte sich gelohnt, und das Publikum war begeistert.
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