Düsternis von berührender Kraft: Premiere von Dea Lohers "Am Schwarzen See"
Tiefgründige Trauer

Treffen nach vier Jahren: Damals brachten sich ihre Kinder um - im Schwarzen See. Seitdem dreht sich ihr Leben nur noch um eine Frage: Warum? Heimo Essl als Eddie und Nicola Lembach als Else "wissen gar nichts". Bild: Marion Bührle/Staatstheater Nürnberg
Lokales
Bayern
21.10.2014
25
0
Es ist, als würde man einen Schalter umlegen. Ein lautes metallenes Knacken und schon fließt Strom. Die Luft vibriert, die Spannung steigt, Energien fließen. 33 kurze Szenen, immer wieder unterbrochen von diesem metallenen Laut, das Licht verlöscht, der Strahler ist auf zwei Bilderrahmen gerichtet.

Wir wissen nichts

Wahrscheinlich sind es die Fotos der beiden Kinder, die damals im dunklen Wasser ihr Leben beendeten. Die Eltern der Selbstmörder, zwei Paare in den Vierzigern, treffen sich nach vier Jahren wieder, im Haus "Am Schwarzen See". In dem Stück von Dea Loher, das nun in den Nürnberger Kammerspielen Premiere feierte, kreisen die Fragen um das Warum, und immer heißt die Antwort: Wir wissen nichts, gar nichts ... Regisseur Maik Priebe legt bilderreiche Schalter um. Das karg ausgestattete Haus, ein Kamin ohne Feuer, ein großes Fenster mit Blick in die Finsternis. Am Ende wird es zugemauert, um das Grauen auszusperren. Der starke und ausgefeilte Text von Dea Loher trifft hier auf eine starke gestalterische Handschrift (Bühne: Susanne Maier-Staufen).

Das Tiefgründige und Hintersinnige dieser Autorin, von Kritikern bereits zu Deutschlands bedeutendster lebender Dramatikerin erkoren, wird in berührenden Bildern gezeichnet. Die Menschen sind bei Loher immer auch Täter. Die 50-Jährige, aus deren Feder Werke wie "Olgas Raum", "Land ohne Worte" oder "Diebe" stammen, zeigt Leidende, zwischen Verantwortung und Schuld, ohne billige Lösungen anzubieten.

Es ist, als würde man einen Schalter umlegen. Immer wieder bricht es aus ihnen hervor, die unbewältigte Trauer, die Suche nach dem Sinn des Leids, die Wut über das eigene Versagen, das Unglück nicht verhindert zu haben. Auf dem Abschiedsbrief der Kinder stand nur: "Das Hier ist nicht schön".

Fabelhaftes Quartett

Doch was soll das heißen? Ein fabelhaftes Schauspieler-Quartett widmet sich diesen Fragen. Nicola Lembach als Else, Thomas Klenk als Johnny, Elke Wollmann als Cleo und Heimo Essl als Eddie - faszinierend, wie sie vom Wutausbruch zur Schockstarre wechseln, einfühlsam oder erbarmungslos ihren Gefühlen Raum geben. So entstehen Leidensbilder von manchmal bizarrer Überzeichnung, aber von berührender Kraft.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.