Eiskalte Hölle

Menschliche Eisbrecher: Durch ein Versehen eines Streckenpostens mussten die Läufer zweimal durch das Eiswasser - dummerweise nicht wie geplant am Ende des Rennens, sondern bereits nach einem der insgesamt 16 Kilometer. Bilder: hfz
Lokales
Bayern
17.02.2015
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In kurzen Hosen durch das geborstene Eis eines Weihers, triefendnass durch Schlamm und Schnee, mit klammen Fingern über Baumstämme und Bretterwände: 268 Extremläufer gehen beim 4. No Guts, No Glory in Kreuth bis an ihre Grenzen - und darüber hinaus.

Zwei Tage, drei Wettkämpfe, 268 Teilnehmer, kräftezehrende Hindernisse, unzählige Kratzer, strahlende Gesichter. So die Bilanz des Extrem-Hindernislaufes "No Guts, No Glory" auf dem Gelände rund um Gut Matheshof in Kreuth. Wo sonst Reitturniere stattfinden, wagten sich abenteuerlustige Sportler am Wochenende auf einen Parcours, der die Willenskraft forderte.

Ein dickes Fell brauchte, wer Mitte Februar freiwillig durch den Schlamm kroch und durchnässt über die Hindernisse kletterte, wer Schnee und Eis trotzte. Bei der vierten Auflage des Hindernislaufes wollte wieder das Schwein in jedem einzelnen Teilnehmer siegen. Samstagabend traten Einzelkämpfer und Teams auf der Sechs-Kilometer-Strecke an. Der Höhepunkt folgte am Tag darauf beim "No Way Out Run".

"Sonntag gehen die Profis an den Start und da gibt es nur das Schlimmste vom Schlimmsten", so Organisatorin Michaela Betzmann von Sog Events. Auf 10,5 Kilometern robbten die Teilnehmer unter Tarnnetzen durch den Matsch, wanden sich durch Kanalrohre und hangelten sich an einem Gerüst von Stange zu Stange.

Bis zum Hals im Wasser

Wer danach noch genügend Puste hatte, konnte eine Extrarunde, die sogenannte Hölle, mit zusätzlichen 5,5 Kilometern einlegen. "In der echten Hölle ist's wenigstens warm", scherzte ein Teilnehmer. Der Höhepunkt: Ein eiskalter Tümpel, den man zunächst auf wackeligen Paletteninseln überqueren musste, um sich dann über Baumstämme zurück durch das brusthohe Wasser zu quälen. Thomas Dürr von der DJK Ursensollen (2:13:36) ging bereits zum dritten Mal an den Start. Stolz zeigte er nach 16 Kilometern seine zerkratzten und blauen Beine, die der Preis für seinen 25. Rang waren. "Das Schlimmste war das Durchqueren eines Bachlaufs. Dort musste man die Eisplatten wegschieben und dann stand man bis zum Hals im kalten Wasser", erzählte er zitternd.

Mit dem gleichen Hindernis haderte auch Gesamtsiegerin Elke Beierlieb (2:22:53): "Da hat es sich gestaut und ich konnte im Eiswasser nicht schneller voran." Durchgefroren erhielt die Sportlerin von den Veitenstein Bravehearts jedoch tatkräftige Unterstützung. "Wenn ich so der Kälte ausgesetzt bin, fällt es mir oft schwer, die Strecke im Blick zu halten. Mein Mann hat mich dann gelotst. Er ist mein Held."

Auch die übrigen Teilnehmer waren keine Einzelkämpfer. Viele liefen konstant in Teams. Andere waren zwar allein unterwegs, aber an schwierigen Hindernissen reichten sich die Sportler gegenseitig die Hand. Auch dadurch ist es wohl zu erklären, dass es keine schwerwiegenden Verletzungen gab.

Frierend, aber happy

"Ein paar Teilnehmern war ein bisschen kalt. Und ein paar Abschürfungen gibt es immer", sagte Ulrich Pidrmann, Einsatzleiter der Johanniter. "Aber allen, die ins Ziel einlaufen, sieht man an, dass sie happy sind." Einziges Problem waren laut Betzmann die vielen Krankheitsausfälle im Vorfeld, so dass die Teilnehmerzahl deutlich hinter den Voranmeldungen (rund 350) lag. Außerdem hätten die Streckenmarkierungen an einigen Stellen deutlicher sein können, so einige Sportler.

Dennoch waren letztendlich alle glücklich, die es ins Ziel geschafft hatten. Bei den Herren gewann auf den 16 Kilometern Lucas Kempe von Getting Tough in 1:41:45 Stunden. Im Teamwettbewerb All4One am Samstag schaffte es das Brooks Getting Tough Team (3:32:19) aufs oberste Treppchen. Im Night Run waren Katja Kern (0:58:11) von den Muddy Fox Running Rocks bei den Frauen und Michael Weiß (44:14) von Getting Tough bei den Männern die Schnellsten. Alle konnten sich im Ziel das Motto zu ihrem eigenen machen: "Das Schwein in mir hat gesiegt."
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