Ende des "Kreuther Geistes"

Eine Fahne mit dem Logo der Christlich Sozialen Union (CSU) weht vor dem Tagungsort in Wildbad Kreuth. 2016 finden die Winterklausuren von CSU-Landesgruppe und CSU-Landtagsfraktion zum letzten Mal dort statt. Die Partei kann sich das Gebäude nicht mehr leisten. Archivbild: dpa
Lokales
Bayern
29.07.2015
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Der "Kreuther Geist" bleibt in der Flasche. Wenn die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung Anfang 2016 ihr Bildungszentrum Wildbad Kreuth räumt, wird es keinen Ersatz geben. Die Wintermärchenbilder sind bald Geschichte.

Ausgerechnet jetzt. Im Jahr des 100. Geburtstages von Franz Josef Strauß gibt es den zweiten Trennungsbeschluss von Kreuth. Den ersten unterschrieb der einstige CSU-Patriarch 1976, als er die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag aufgab.

Die jährlichen Klausuren der CSU-Landesgruppe im Bundestag und der CSU-Landtagsfraktion in den tief verschneiten Alpen umwehte seitdem der "Kreuther Geist".Die großen Sensationen blieben fast immer aus, nur 2007 ging es noch einmal hoch her, als die Partei ihren Vorsitzenden und Ministerpräsident Edmund Stoiber stürzte.

Strauß' Schicksalsort

Und nun Trennungsbeschluss Nummer zwei: Nach 40 Jahren verlässt die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung Kreuth. Die Eigentümerin, Helene Herzogin in Bayern, wollte ein Mehrfaches der bisherigen jährlichen Pacht für das Gebäude. Die Verhandlungen scheiterten. Im nächsten Frühjahr zieht die Stiftung aus. Im Januar 2016 finden die Klausuren wohl zum letzten Mal dort statt, mit CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel als Gast. Der legendäre "Kreuther Geist" bleibt danach für immer in der Flasche. Kreuth wurde auch privat zum Schicksalsort für Strauß. Er wohnte mit seiner Familie einige Jahre in einem Seitenflügel. Am späten Abend des 22. Juni 1984 verunglückte seine Frau Marianne im Alter von 54 Jahren tödlich auf der Rückfahrt von einer Schulfreundin im Nachbarort Rottach-Egern. Ihr Wagen prallte gegen zwei Bäume. Marianne Strauß war auf der Stelle tot. Seit 1985 erinnert auf dem Dorfplatz von Kreuth eine Mariensäule an Marianne Strauß. 1988 starb auch Franz Josef Strauß. Die Zukunft von Wildbad Kreuth ist offen. Die adlige Besitzerin denkt an ein Tagungshotel oder eine Reha-Klinik. Das wäre auch im Sinne des Kreuther Bürgermeisters Josef Bierschneider (CSU). "Wildbad Kreuth war 40 Jahre lang ein großer Werbeträger für den Ort." Er hofft auf eine Lösung, die dem Dorf auch weiterhin zahlungskräftige Gäste bringt.

Die Stiftung will künftig dezentral arbeiten. "Viele Seminare und Tagungen werden wir zukünftig dezentral in den Regierungsbezirken Bayerns anbieten können", sagte die Vorsitzende der Stiftung, Ursula Männle.
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