Enkelin von Gertrud Fussenegger liest aus "Jirschi oder die Flucht ins Pianino"
Ein Vertriebener, der keine Zuflucht findet

Caroline Juls erzählte im "Literarischen Café" von Jirschi, "einem armen Teufel". Bild: wro
Lokales
Bayern
25.11.2015
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Caroline Juls hatte sich auf diesen Nachmittag sorgfältig vorbereitet. Kleine bunte Lesezeichen spitzen kaum merklich aus den Seiten. Markiert sind melancholische Szenen, bewegende Eindrücke - beginnend in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine große Zuhörerschar lauscht im "Literarischen Café" dem bewegenden Lebenslauf eines bis dahin noch unbekannten Mannes namens Jirschi. "Ein armer Teufel", wie ihn die Autorin einmal nennt.

Caroline Juls ist der erste von insgesamt 13 Enkeln von Gertrud Fussenegger, der bekannten österreichischen Romanautorin. "Immer wieder", erzählt Caroline Juls, "haben wir Großmutter ermahnt, sie möge doch nicht so düster erzählen. Später aber wurde uns bewusst: Genau das war das Typische an ihr." Die Autorenenkelin liest, erzählt. Die Handlung gibt in Sachen Humor nicht viel her. Die Zuhörer erfahren, dass Großmutters Roman aus vielen einzelnen Erzählfragmenten, ähnlich einem Puzzle entstand. Vieles sei wirklich so passiert, manches habe die Autorin hinein verwoben, um daraus eine Handlung zu formen. "Jirschi oder die Flucht ins Pianino" berichtet von einem böhmischen Pianinobauer, der seine emporstrebende Firma nicht den sowjetischen Besatzern überlassen will, wie er daran verzweifelt und als geächteter Staatsfeind heimlich das Land verlässt. Auf seiner Irrfahrt gerät er in die USA und später in ein amerikanisches Kloster. Dort lernt er das Klosterleben kennen und lieben. Einem strengen Regelwerk unterworfen, studiert er Theologie, ohne jedoch jemals eine eigene Pfarrei leiten zu dürfen.

Jirschi bleibt ein ewig Vertriebener und findet Zuflucht in der sich neu orientierenden Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils. "Bewusst endet hier mein Vortrag." Den Schluss verrät Caroline Juls nicht, obwohl man schon sehr viel von Jirschi erfahren durfte. Im Saal des Egerland-Kulturhauses herrscht fast atemlose Stille, dann erst Applaus.
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