Ergriffen von den Schrecken des Kriegs

Eine Reise, die bleibende, tiefe Eindrücke hinterließ. Im Bild die Schülergruppe des Otto-Hahn-Gymnasiums vor dem Beinhaus von Douaumont. Bild: privat
Lokales
Bayern
02.10.2014
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24 Jugendliche des Otto-Hahn-Gymnasiums lassen sich ein auf eine Frankreich-Exkursion, die es in sich hat. Mit den Studiendirektoren Jürgen Herr und Norbert Leeb setzen sie sich in Verdun mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs auseinander. In Taizé erleben sie praktizierte Ökumene.

Kriege sind im Schulunterricht gewöhnlich mit Zahlen verknüpft: Mehr als 60 Millionen Soldaten aus fünf Kontinenten sind an dieser Orgie der Gewalt beteiligt. Beinahe jeder Sechste stirbt und Millionen kehren zurück, gezeichnet für ihr Leben. Pierre Lenhard, ein pensionierter Lothringer Grenzpolizist, wählt einen anderen Weg: Er führt die Marktredwitzer Schüler der Projektseminare Religion und Französisch durch die Stollen und Kasematten von Fort Douaumont sowie durch das Beinhaus mit den Knochenresten der gefallenen Soldaten.

In eindringlichen Worten erklärt er, warum "die Hölle von Verdun" zum Synonym für die Schrecken des Ersten Weltkriegs geworden ist, dessen Ausbruch sich heuer zum 100. Mal jährt: "Maschinengewehre spucken bis zu 600 Kugeln pro Minute aus; Feldkanonen feuern in schneller Folge Schrapnellgranaten, mähen Infanteristen nieder. Wenn so ein Ding trifft, dann gibt es eben nur Gehacktes." Die Jugendlichen verspüren den Atem der Geschichte. Sie sind sichtlich betroffen von der Brutalität des Geschehens. Die abscheuliche Gemengelage in der Befestigungsanlage beschreibt Lenhard ungeschminkt: "Beißender Verwesungsgeruch verbindet sich mit dem Gestank nicht entsorgter Exkremente. Die Explosionen eingeschlagener Granaten übertönen die Schreie jener Soldaten, deren Gliedmaßen ohne Narkose amputiert werden. Nicht wenige Soldaten treiben diese Umstände in den Wahnsinn oder gar in den Selbstmord."

Schweigeminute

Ein Gang über die Gräberfelder des Soldatenfriedhofs endet an jener Stelle, an der sich François Mitterrand und Helmut Kohl 1984 symbolisch die Hand reichten. Auf einer Gedenktafel ist zu lesen: "Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden." In einer Schweigeminute gedenken die Marktredwitzer Schüler aller Opfer des Krieges. Danach ist allen klar: Wer an Europas Zukunft zweifelt, muss nach Verdun kommen. Der Friede ist nie geschenkt.

Die zweite Station der Exkursion ist Taizé - eine Art Wallfahrtsort für Jugendliche aus aller Welt. Entsprechend vielsprachig und international ist das Publikum. Die Schülergruppe aus Marktredwitz klinkt sich für drei Tage in das rege Treiben ein. Die Liturgie am Morgen, am Mittag und am Abend bildet das Gerüst des Tages. Dazwischen liegen Bibelarbeit, Gesprächsrunden und Workshops und auch Arbeitsdienste wie Essensausgabe oder Reinigungsarbeiten. In Taizé trifft man nicht nur Power-Christen, auch solche, die nicht unbedingt streng gläubig sind.

Jeder wird mit offenen Armen und Ohren empfangen. Wenn Tausende Jugendliche aus der ganzen Welt gemeinsam das Essen teilen, gemeinsam singen und beten, verleben sie wunderbare Tage miteinander. André Reger (Witzlasreuth) berichtet: "Dreimal am Tag kommt auf dem Hügel von Taizé das Leben zum Stillstand. Alle begeben sich zum Gebet in die Kirche. Typisch sind die meditativen Gesänge, ein Bibeltext in verschiedenen Sprachen, eine längere Zeit der Stille und ein Gebet für alle Völker der Erde."

Mitten ins Herz

Sabrina Hößl aus Fuchsmühl erzählt: "Im gesungenen Gebet suchen die Jugendlichen auf besondere Weise Gott. Die Gesänge sind kurz und werden viele Male wiederholt. In knappen Worten kommt eine tiefere Wirklichkeit zum Ausdruck. Nach und nach dringt diese Botschaft ins Herz." Ivona Bayer (Katholische Jugendstelle Marktredwitz): "Es war vorbildlich, wie sich diese Schülergruppe auf das Unternehmen Taizé eingelassen hat. Das wird noch lange nachklingen."
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