Geschichte als Mahnung

Die Chorklasse unter der Leitung von Werner Stehbach umrahmte den Festakt zur Ausstellungseröffnung. Bild: jr
Lokales
Bayern
08.11.2014
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Zwei verheerende Weltkriege, dann die Teilung Deutschlands. "Bleibt die Frage, lernen wir aus der Geschichte?", mahnte Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl, als sie die Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" eröffnete.

"40 Jahre deutsche Teilung waren auch ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs", erinnerte Gertraud Nickl, Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums. Mit der Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" rückt das Gymnasium die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert ins Blickfeld.

Verlustreich

Erarbeitet haben die Ausstellung das Münchner Institut für Zeitgeschichte, Deutschlandradio Kultur und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Gertraud Nickl erklärte: "Für uns Deutsche war der Erste Weltkrieg, so verlustreich und schrecklich er auch war, nur der Auftakt für die folgende bittere deutsche Geschichte. Der Zweite Weltkrieg war für uns Deutsche emotional schlimmer. Neben allen Verlusten führte er zum Ende des deutschen Staates und war mit großer fast unerträglicher Schuld verbunden." Nickl sprach über ihre Zeit als Lehrerin in Mellrichstadt: "Ich weiß noch, dass ich jeden Tag auf der Fahrt zur Schule den Kamm des Thüringer Waldes sah, immer verbunden mit dem Gefühl, dort ist auch Deutschland. Dort liegen ganz nahe die Stätten der deutschen Geschichte, Schmalkalden, Erfurt, Gotha, Jena, Weimar. Und man kann sie einfach nicht besuchen."

Dann die Öffnung der Grenze. "Die Bürger der DDR fuhren herüber. Wir sprachen kurz miteinander, freuten uns, weinten und fuhren dann wieder zurück an unsere Arbeit." Gertraud Nickl weiter: "Wir glaubten nun, dass Kriege fortan nicht mehr möglich sind, dass die Vernunft Einzug halten würde und dass Konflikte friedlich geregelt werden." Aber was zeige die Realität zu Beginn des 21. Jahrhunderts. "Ukraine-Konflikt, Islamischer Staat, Syrienkrieg..."

Völlig erschöpft

Im Zeitzeugeninterview berichtete Studiendirektorin Margit Stark über die Ankunft der Prager Botschaftsflüchtlinge in Marktredwitz: Familien mit Kindern - völlig erschöpft. Als Erstunterkunft dienten die Turnhallen der Stadt. Ärzte und Krankenschwestern kümmerten sich um die Menschen. Unvergessen blieb Margit Stark der Tag des Mauerfalls. "Ich bin sofort nach Hause, habe den Fernseher angemacht. Ich sah die Leute auf der Mauer stehen, sie feierten. Ich habe vor Freude geweint."
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