Giftige Ausstellung im Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum
Von der tödlichen Dosis

Kuratorin Yvonne Müller mit der passenden Lektüre zur Ausstellung: ein Agatha-Christie-Krimi. Bild: gis
Lokales
Bayern
30.10.2014
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Nebliger Herbst, eine alte Apotheke in den Ausstellungsräumen und der 125. Geburtstag der berühmten Krimiautorin im kommenden Jahr: Grund genug für das Fichtelgebirgsmuseum, eine Ausstellung über "Arzneimittel in todsicherer Dosis - Die Pharmazeutin Agatha Christie" zu präsentieren. Und wer ihren Namen hört, denkt auch an den belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot oder die schrullige Miss Marple.

"Seit Lucrezia bin ich die Frau, die die meisten Menschen umgebracht hat - allerdings mit der Schreibmaschine" hatte Kuratorin Yvonne Müller die "Lady of Crime" bei der Eröffnung zitiert. Die Schreibmaschine, das "Mordinstrument" ,davor Tisch und Stuhl, Tasse und Teller mit "präparierten" Pralinen und ein Blick aus dem "Fenster in die englische Landschaft - und schon ist der Besucher mitten im Schaffen der mit über zwei Milliarden verkaufter Romane, erfolgreichsten Krimi-Schriftstellerin.

Agatha Christie hatte keine Ahnung von Pistolen und Revolvern, deshalb wurden ihre Figuren mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen - oder eben vergiftet. In 70 ihrer über 100 Romane und Kurzgeschichten fallen die Opfer Giften oder überdosierten Arzneimitteln zum Opfer. Dabei schildert die Autorin die Gifte in ihrer Wirkung und Erscheinung so genau und umfassend, dass ihr Toxikologen hervorragendes pharmazeutisches Wissen bescheinigen.

Pharmazie-Expertin

Die tödlichen Spitzenreiter in den Krimis "Duchess of Death" beispielsweise sind Blausäure mit 13, Arsen mit 9 und Morphin mit 7 Titeln. Der Grund für ihre Kenntnisse liegt in ihrer Ausbildung. Als Krankenschwester beim britischen Roten Kreuz während des Ersten Weltkriegs und später als Apothekenassistentin sammelte sie Erfahrungen im Umgang mit Giften und war sich auch bewusst, dass "allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist".

In großen Vitrinen zeigt die Ausstellung eine Vielzahl von Exponaten, die für den Umgang, die Verarbeitung und den Verkauf von giftigen Stoffen nötig waren. Dazu gehören nicht nur Giftfläschchen, sondern auch Handwaagen, Pillenmaschinen, Messzylinder, die einen Einblick geben in die heikle Arbeit eines Apothekers, denn schon Paracelsus wusste, dass die Dosis das Gift macht. So werden fast alle ausgestellten Substanzen noch heute in homöopathischer Dosis als Arzneimittel verwendet, denen ein Ausstellungsraum gewidmet ist. Nachlesen kann der Besucher auch über den "Eisenhut" eine der giftigsten Pflanzen Europas, über Morphin oder den bekannten "Fingerhut", der die stark giftigen Digitalisglykoside enthält.

Und wer Zeit hat, kann gleich nebenan auf einer Couch in einer Reihe von Krimis schmökern oder sich den Klassiker "Ein Unbekannter rechnet ab" anschauen. "Wer aber nun hofft, hier oder in den Romanen auf eine Rezeptur für einen Giftcocktail zu stoßen, wird leider enttäuscht", sagt Yvonne Müller augenzwinkernd: "Da bleibt die Autorin - ganz Dame - vornehm-britisch-diskret".
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