Gottvater über der Politik

Die Führungsspitze des Vereins der Freunde der Kapplkirche nach der Wahl. Bild: hfz
Lokales
Bayern
15.04.2015
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Pater Friedhelm Czinczoll interpretierte die drei großen Deckengemälde in der Kapplkirche einmal aus anderer Sicht, nämlich aus der politischen. Und zeigte auf, dass manche Szenen gar nicht in die Zeit ihrer Entstehung zwischen 1934 und 1940 passen.

Nach dem Gedenkgottesdienst in der Kapplkirche begrüßte Vorsitzender Bernhard Lux 34 Mitglieder des Fördervereins der Freunde der Kapplkirche zur Jahreshauptversammlung 2015 im Gasthaus Rosner neben der Dreifaltigkeitskirche. Laut Lux konnten im vergangenen Jahr acht neue Mitglieder geworben werden. Dies sei besonders auch auf gezielte Anschreiben mit neuen Werbebroschüren zurückzuführen, heißt es in der Pressemitteilung des Förderkreises.

Infostand bei Kapplfesten

Lux kündigte außerdem an, bei den Kapplfesten in diesem Jahr mit einem besonders gestalteten Infostand auf die Arbeit des Fördervereins hinzuweisen. Dessen Ziel sei der Erhalt des Kleinods im Kleinod. So war es auch für den Vorstand eine Freude, Apollonia und Thomas Tischler aus Wunsiedel für 25-jährige Mitgliedschaft zu ehren. Kassier Konrad Rosner konnte auch von einem guten Kassenstand berichten, der sicher in den nächsten Jahren wieder sinken werde. Denn es stehen Reparaturen an den Türmen der Kappl an.

Ehrenvorsitzender Robert Treml hatte bei der anstehenden Neuwahl des Vorstands leichtes Spiel, da im Vorfeld sich alle bisherigen Vorstandsmitglieder bereit erklärt haben, für drei Jahre wieder mitzuarbeiten. Einstimmig gewählt wurden: 1. Vorsitzender Bernhard Lux, 2. Vorsitzender German Gleißner, Kassier Konrad Rosner, Schriftführer Robert Sommer, Beisitzer sind Josef Ernstberger, Rainer Fischer, Hans Grillmeier, Hubert Siller und Konrad Wifling. Konrad Ernstberger und Reinhard Kraus wurden als Kassenprüfer bestätigt.

In einem interessanten Vortrag interpretierte P. Friedhelm Czinczoll die Kapplgemälde mal aus anderer Sicht, nämlich aus politischer. So ist in der Gott-Vater-Kuppel etwa durch die Lage der Kaiserkrone und der Papst-Tiara zu sehen, dass Gott über der Politik steht. Auch das hier Kaiser Heinrich II. dargestellt wurde, der zum Heiligen erklärt wurde, geht in diese Richtung.

Papst Pius XI., der gegenüber Kaiser Heinrich steht, habe die Enzyklika "Mit brennender Sorge" geschrieben, in der nationalsozialistische Ideen verurteilt wurden. In der Heilig-Geist-Kuppel erregen die abgebildeten Soldaten immer ein Erstaunen. P. Friedhelm deutete etwa an, dass dieses Gemälde nicht unbedingt in das damalige Feindbild der Nationalsozialisten passte. Die Szene zeige, wie deutsche Landser einen französischen Gefallenen ehren und sich auch den feindlichen Soldaten gegenüber freundlich verhalten.

Zeichen gegen Herrschende

Auch die Darstellung von Don Bosco und Adolph Kolping, die sich ja besonders um die Jugendseelsorge kümmerten ist nach den Worten von Pater Czinczoll ein Zeichen gegen die damals Herrschenden. Denn diese hätten damals ja nur der Partei Jugendbetreuung erlaubt.

Reparaturarbeiten

Richard Schicker von der Kirchenverwaltung Münchenreuth berichtete von anstehenden Reparaturarbeiten an den Kappltürmen. Nach gutem alten Brauch beendete der Kapplpfarrer mit dem Segen die harmonisch verlaufene Jahreshauptversammlung des Fördervereins.
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