Häusliche Gewalt stoppen

Martina Leupold-Mann (Polizei Selb), Hilde Müller (Diakonisches Werk), Melanie Geyer (Polizei Hof), Walter Lenhard (Polizei Marktredwitz), die beiden Gleichstellungsbeauftragten Edith Kalbskopf und Ursula Ebert sowie Julia Keller, Janet Pribert, Nicole Grundwald und Heidrun Fichter sowie Carolin Holz (Zweite von rechts) von der Caritas bereiten den Aktionstag zur "Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" am 25. November im KEC vor. Bild: jr
Lokales
Bayern
08.10.2015
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Es ist noch immer ein Tabuthema: Gewalt gegen Frauen in der Familie. Eine Ausstellung im Kösseine-Einkaufs-Center soll dabei helfen, dass sich dies ändert.

Jährlich sind es bis zu 30 "Fälle" oder besser gesagt Schicksale, mit denen es Hauptkommissar Walter Lenhard von der Polizei Marktredwitz zu tun bekommt. Er weiß: "Die Dunkelziffer ist noch erheblich höher." Gewalt gegen Frauen gebe es in allen Gesellschaftsschichten und in jedem Alter. Die Gleichstellungsstelle Marktredwitz und das Frauenhaus Selb laden deshalb mit weiteren Partnern zu einem Aktionstag am Mittwoch, 25. November, ins Kösseine-Einkaufs-Center (KEC) ein. Anlässlich des "Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" wollen sie den Blick auf das Thema lenken und Hilfen anbieten.

Edith Kalbskopf (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Marktredwitz) und Ursula Ebert (Landkreis Wunsiedel) bedauerten, Gewalt in der Familie und im heimischen Umfeld sei allgegenwärtig. "Familiäre Gewaltprobleme gibt es in allen Altersgruppen." Jede vierte Frau im Alter zwischen 16 und 85 Jahren wird irgendwann in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt, so Kalbskopf.

Auch Kinder betroffen

Geschlechtsbezogene Gewalt, die die Gesundheit beeinträchtige, erlitten jährlich rund 20 Prozent der Frauen. Auch Kinder seien oft als Zuschauer und Opfer von häuslicher Gewalt betroffen. Um dies bewusst zu machen, findet seit 1981 ein Tag gegen Gewalt statt. Denn jeder Mensch habe ein Recht auf physische und psychische Unversehrtheit. Edith Kalbskopf, die seit mehr als zehn Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt ist, informiert: "Betroffenen Frauen werden ganz konkret Beratung und Hilfen aufgezeigt." Sie kündigte für den 25. November zum Teil überraschende Aktionen an. Ziel sei es, die Menschen aufzurütteln. "Und wir wollen zum Nachdenken anregen und Mut zum Eingreifen machen." Mit dabei sind die Polizeiinspektionen Selb und Marktredwitz, die Kinderschutzstelle, die Beratungsstellen für Ehe- und Lebensfragen der Caritas und des Diakonischen Werkes sowie das Frauenhaus Selb. Hilde Müller (Diakonisches Werk) sagte: "Oft sind die Kinder die Leidtragenden, wenn es in der Familie körperliche Auseinandersetzungen gibt. Sie sind das schwächste Glied in der Kette." Aus eigener Erfahrung berichtete sie von erschütternden Szenen, wenn Kinder körperliche Gewalt erleben.

Vertreterinnen des Frauenhauses Selb wiesen darauf hin: "Wichtig ist, dass die Frauen wissen, wohin sie sich im Ernstfall wenden können." Im Frauenhaus Selb können bis zu acht Frauen unterkommen. "Im Durchschnitt sind die Frauen bis zu drei Monate bei uns", sagte Vorsitzende Heidrun Fichter. Kriminalhauptmeisterin Melanie Geyer aus Hof wusste von "erschreckend hohen Zahlen" in der Region, was häusliche Gewalt anbelangt. "Schlimm ist die Erniedrigung der Frauen." Hauptkommissar Walter Lenhard berichtete: "Meist ist Alkohol mit im Spiel." Auffallend sei, dass sich viele Frauen scheuten, körperliche Gewalt bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Manchmal würden die später auch zurückgenommen. Walter Lenhard hoffte, dass der Aktionstag den nötigen Mut macht.
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