Harsche Kritik am möglichen Standort Wölsau - Rathaushütte aus Sicht des Naturschutzes besser ...
BN: Kein Gefängnisbau im Biotop

Lokales
Bayern
16.10.2015
0
0
In der Standortdiskussion zur in Marktredwitz geplanten Justizvollzugsanstalt (JVA) meldet sich jetzt der Bund Naturschutz entschieden zu Wort und warnt vor einem "Gefängnisneubau auf Kosten der Natur". BN-Kreisvorsitzender Fred Terporten-Löhner, Geschäftsführer Karl Paulus und Ortsvorsitzender Dieter Kammerer verdeutlichen bei einem Pressegespräch: "Wir wollen schon in dieser frühen Planungsphase darauf hinweisen, dass der Standort Wölsau südlich der Monodeponie aus landschaftsökologischer Sicht äußerst kritisch ist."

Aufgrund der Hanglage müsste massiv in die Topographie der Landschaft eingegriffen werden. Auf großer Fläche würden schutzwürdige Biotope zerstört. "Dagegen steht in Rathaushütte ein bestens erschlossenes Industriegebiet in ebener Lage zur Verfügung." Nicht kommentieren will der BN die Frage, ob im Zuge der Behördenverlagerung der Staatsregierung ein Gefängnis geeignet ist, die Region voranzubringen.

Da für die neue JVA eine Fläche von sechs bis sieben Hektar in möglichst ebenem Gelände benötigt werde, müsse in Wölsau massiv in die Landschaftsstruktur eingegriffen werden: Auf 70 000 Quadratmeter Fläche müsste der Hang abgegraben und planiert werden, so der Bund Naturschutz. Das Gebiet liege innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Fichtelgebirge.

Schutzwürdig

"In diesem Areal befinden sich rund 4,5 Hektar an schutzwürdigen Feuchtbiotopen. Diese sind in der amtlichen Biotopkartierung erfasst." Besonders schutzwürdig sind laut Karl Paulus zwei Komplexe. "Da ist einmal ein Hangquellmoor - also ein Torfkörper, der sich in einem Quellgebiet gebildet hat - mit einem Feuchtwald, Feuchtgebüschen und Hochstaudenfluren. Das Quellmoor auf basenreichem Basaltboden ist ein Reliktstandort für sehr seltene Pflanzen wie die Sumpfstendelwurz."

Etwas südlich befinde sich ein strukturreiches Feuchtgebiet mit Gebüschen, Hochstaudenfluren und naturnahen Hecken. "Es handelt sich um einen artenreichen Komplexlebensraum, der für die Artengruppen Amphibien, Vögel und Insekten von großer Bedeutung ist. Ein ökologisch wertvoller Übergang vom Wald in die offene Flur."

Im Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern seien die Feuchtflächen als "regional bedeutsam" eingestuft. Bei einem Gefängnisneubau würde ein Großteil der schutzwürdigen Biotope zerstört oder irreparabel geschädigt, klagt der Bund Naturschutz. Fred Terporten-Löhner: "Das darf nicht geschehen." Für den Bund Naturschutz kommt nur das 27 Hektar große Industriegebiet Rathaushütte als JVA-Standort in Frage. Denn dies sei im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche ausgewiesen. "Es ist gut erschlossen - von der Straßenanbindung bis zum Breitbandausbau - und sofort verfügbar, da 90 Prozent der Fläche bereits der Stadt Marktredwitz gehören." Karl Paulus: "Aus naturschutzfachlicher Sicht ist eindeutig der Standort Rathaushütte zu favorisieren."

Grüngürtel nötig

Der Bund Naturschutz sehe die Sorgen und Ängste der vom Gefängnisbau betroffenen Bürger. "Sie fordern mit Recht Transparenz und umfassende Information." Nach Auffassung des BN sollte die Justizvollzugsanstalt möglichst weit im Norden des Industrie- und Gewerbegebiets Rathaushütte entstehen und mit einem Grüngürtel zur Wohnbebauung abgeschirmt werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Marktredwitz (7168)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.