In Don Boscos Fußstapfen

Pater Hermann Schulz (rechts) strahlte, als ihm die Autoren und Herausgeber Michaela Burger (Wunsiedel) und Rainer Glissnik (Kronach) seine Biografie als Buch übergaben.
Lokales
Bayern
18.09.2015
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Die katholische Kirche feiert heuer den 200. Geburtstag von Don Bosco. Der Priester und Sozialarbeiter ist Vorbild für Salesianerpater Hermann Schulz, über den ein Buch erschien. Pater Schulz hat in Oberfranken und der Oberpfalz viele Freunde und Förderer.

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen." Für den Priester, Erzieher und Sozialarbeiter Johannes Bosco (1815 - 1888) war dieser Satz weit mehr als ein netter Spruch. In ihm spiegelt sich die Grundhaltung seines Lebens und seiner erzieherischen und pastoralen Tätigkeit. Don Bosco setzte sich sein Leben lang für benachteiligte junge Menschen ein. 1859 rief er die "Gesellschaft des Heiligen Franz von Sales" ins Leben - die Salesianer Don Boscos waren geboren.

Einer von ihnen ist Salesianerpater Hermann Schulz, dessen Biografie im Jubiläumsjahr zeigt, wie das Erbe Don Boscos heute wirkt. "Pater Hermann Schulz - In den Fußstapfen Don Boscos" lautet der Titel des von Michaela Burger (Wunsiedel) und Rainer Glissnik (Kronach) verfassten und herausgegebenen Buchs. "Sich mit einem Seelsorger auf den Weg machen, um neue Eindrücke wahrzunehmen, Abenteuer zu erleben, um den Körper und die Seele deutlich zu spüren und das eigene Dasein zu feiern", heißt es im Vorwort. "In Orte und Länder, die etwas Neues bieten, den Horizont erweitern, Grenzen aufweichen. Begleitet von Pater Hermann Schulz, einem katholischen Priester der Salesianer Don Boscos. Eindrücke, die er in seinen 75 Jahren sammelte - mit liebevollem Herzen, wachem Verstand, mutiger Entschlossenheit, schöpferischer Offenheit und ständiger Verfügbarkeit für Menschen in Not."

Geborgenheit

Nächstenliebe und Geborgenheit, ein neues Zuhause für Straßenkinder und Waisen, Sport und Spiel, Beschäftigung und Bewegung gegen Traurigkeit, Schule und Berufsausbildung, eine Chance für die Zukunft und Freundschaften und Verbundenheit über Kontinente hinweg - das vermittelte Salesianerpater Hermann Schulz sein Leben lang. Er kam am 29. Oktober 1939 in Memel (Ostpreußen) zur Welt. Sein evangelischer Vater Kurt war Deutscher, seine katholische Mutter Else Schulz Litauerin. Als Flüchtlingskind erlebte Hermann Schulz viel Not und Ablehnung. Es begann eine Odyssee mit Demütigung und Hunger. "Die meisten Menschen flüchten, weil sie wirklich flüchten müssen." Nie sollte dies vergessen werden, sagt Pater Schulz angesichts der aktuellen Flüchtlingsdramen.

Im Gymnasium hörte Schulz von einer Salesianerschule in Italien. Die Jahre in Italien haben ihn stark geprägt und eine bleibende Liebe zu Land und Leuten geweckt. "Die Erzieher waren ganz für uns da." Die Atmosphäre bei den Salesianern war wunderbar. Nach der Schule in Italien trat er ins Noviziat der Salesianer in Chieri bei Turin. Pater Hermann Schulz folgte seinem großen Vorbild Don Bosco geradezu mit Leidenschaft.

Nach seiner Priesterweihe arbeitete Pater Hermann Schulz zwei Jahre lang am litauischen Gymnasium in Lampertheim. Von dort kam er 1972 nach Sao Paulo in Brasilien, wo er fast vier Jahre blieb. In Ruanda fand er, was er suchte. Von den ersten Eindrücken in Ruanda (1979) war Pater Schulz fasziniert, denn es war das pure "afrikanische" Lebensgefühl und das Gemüt der Menschen, was ihm sofort zusagte. Hier baute er ein Jugenddorf auf. Nach dem Völkermord im Jahr 1994 kehrte er zurück. Er baute das Jugenddorf wieder auf, dazu ein Waisendorf und schließlich eine beispielhafte Schule. Außerdem unterstützte er viele Kinder und Familien im Umfeld.

Für Jugendliche in Not

Als Pater Hermann Schulz nach der Grenzöffnung 1989 einmal wieder in der alten Heimat seiner Mutter in Litauen war hörte er, dass es möglich wäre, ehemaligen Landbesitz zurückzubekommen. Er wollte dieses Land aber nicht für sich. Als Salesianer war es ihm ein Bedürfnis, jungen Leuten in Not zu helfen. So fasste er den Entschluss, mit dem Aufbau eines Jugendhofes zu helfen. Sein Ziel war eine internationale Begegnungsstätte im Geiste der Versöhnung. Das "Jaunimo Sodyba" entstand. Eine Anlaufstelle für litauische Kinder und Jugendliche in Not und eine Jugendbegegnungsstätte.

Im Sommer 2010 verlieh Bundespräsident Christian Wulff Pater Hermann Schulz für seine jahrzehntelange, aufopferungsvolle Arbeit das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. In Litauen bekam er die Auszeichnung eines "Ehrendiplomaten".
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