Jetzt geht die Standortsuche los

Verhaltene Freude bei der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag: In Marktredwitz musste sich die Nachricht vom neuen Gefängnis auch bei (von links) Landrat Dr. Karl Döhler, Oberbürgermeister Oliver Weigel und Wunsiedels Rathauschef Karl-Willi Beck erst mal setzen. Bild: jr
Lokales
Bayern
04.03.2015
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Das Oberzentrum Marktredwitz-Wunsiedel ist mit 276 neuen Arbeitsplätzen der Hauptgewinner im Behörden-Roulette. Dass die Jubelschreie in Oberfranken eher dezent ausfielen, liegt an der Art der größten Ansiedelung: Ein modernes Gefängnis bringt allein 186 Arbeitsplätze.

Oberbürgermeister Oliver Weigel schaute am Mittwoch bei der Pressekonferenz noch etwas verdutzt: "Ich habe es auch erst heute Nachmittag erfahren", kam er im historischen Rathaus auf die neue Justizvollzugsanstalt zu sprechen. Nun ist die lange erwartete Entscheidung spruchreif: Bayerns Heimatminister Markus Söder und das gesamte Kabinett haben verfügt, dass in Marktredwitz ein hochmodernes Gefängnis für rund 350 Insassen gebaut wird.

Nervosität gestiegen

"Heute ist ein Tag, auf den wir lange gewartet haben", begann der Oberbürgermeister die Pressekonferenz. Ihm zur Seite saßen Bürgermeisterkollege Karl-Willi Beck aus Wunsiedel und Landrat Dr. Karl Döhler. Weigel verhehlte nicht, dass die Nervosität täglich gestiegen sei, welche Arbeitsplätze denn nun nach Marktredwitz kommen. Nochmals dankte er seinen 17 Bürgermeisterkollegen aus dem Landkreis, die einstimmig Marktredwitz als neuen Behördenstandort unterstützt hatten.

"Für uns als Stadt ist heute ein guter Tag", betonte Weigel. Strahlend verwies er darauf, dass 60 Arbeitsplätze im Kompetenzzentrum Förderprogramme bei der Landesanstalt für Landwirtschaft entstehen und 25 Arbeitsplätze im Servicezentrum Bayern-Server geschaffen werden. Dazu kommen noch 5 Arbeitsplätze für Wunsiedel im regionalen IT-Zentrum "Bayern-Lab" - und eben 186 Arbeitsplätze für die neue Justizvollzugsanstalt.

Überrascht zeigten sich alle Beteiligten, dass Marktredwitz jetzt ausgerechnet eine Justizvollzugsanstalt erhält. Weigel sprach dennoch von einem deutlichen Signal für die Region und für den Landkreis. Wo der Gefängnisbau hinkommen soll, darauf konnte Weigel noch keine Antwort geben: "Ich hab's auch erst vorhin erfahren. Da wird's mit Sicherheit noch jede Menge Planungen geben."

Schon ziemlich feststehen dürfte dagegen, wo die weiteren 85 Arbeitsplätze in Marktredwitz angesiedelt werden. Sie kommen voraussichtlich in zentraler Lage auf das Gelände des Benker-Areals. Die Abbrucharbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik sollen im Mai oder Juni beginnen. "Die Behörden bekommen dort eine Top-Lage", versprach Oliver Weigel.

"Ein tolles Signal"

Landrat Dr. Karl Döhler freute sich über das größte Einzelprojekt der Behördenverlagerung nach Marktredwitz. Auch er wusste vorher nichts von den Plänen mit der Justizvollzugsanstalt, versicherte er. Jedoch versprach er sich durch die Neuansiedlung einen weiteren Schub für die Region und den Landkreis. Das sei wichtig auf dem Weg zu gleichwertigen Lebensbedingungen für ganz Bayern. Sein Dank galt dem Freistaat Bayern: "Ein tolles Signal, das in der Region angekommen ist", beurteilte er die Pläne insgesamt.

Auch Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck sprach von einem freudigen Tag für das Oberzentrum Marktredwitz-Wunsiedel. "Einigkeit macht stark", betonte er im Hinblick auf das gemeinsame Vorgehen der Landkreis-Kommunen.

Kein negatives Image

Auf Nachfragen, ob denn schon Flächen für eine Justizvollzugsanstalt bereit stehen, musste Oberbürgermeister Oliver Weigel passen. "Der Flächenbedarf ist noch nicht bekannt, aber wir werden schon einen Platz dafür finden", war er zuversichtlich. Freilich müssten jetzt erstmal die Planungen beginnen. Auch der zeitliche Rahmen steht noch nicht fest. Landrat Dr. Döhler befürchtete übrigens für die Region kein negatives Image durch ein Gefängnis in Marktredwitz: "Das haben Erfahrungen in anderen Orten gezeigt."
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