Kein leichtes Spiel für Möchtegern-Mörder: Ausstellung in Wunsiedel widmet sich der ...
Die Dosis macht die tödliche Wirkung

Der perfekte Ort für einen Mord: An so einem Schreibtisch könnte Agatha Christie die Morde für ihre erfolgreichen Bücher geplant haben. Bild: Kempf
Lokales
Bayern
22.11.2014
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Man könnte beim Ausstellungstitel "Arzneimittel in todsicherer Dosis" auf dumme Gedanken kommen, immerhin landet man in der Präsentation über "Die Pharmazeutin Agatha Christie" im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel in einer bedrohlich wirkenden Aneinanderreihung tödlicher Gifte.In zahlreichen Vitrinen sind Gifte nicht nur aus vergangenen Zeiten zu finden: Bittermandel, blauer Eisenhut, Blausäure, Schierlingsextrakt, Morphium, Arsen, Digitalis, ... "Die Menge allein macht ein Gift aus!" Im Bestand des Fichtelgebirgsmuseums gibt es wunderschöne alte Apothekerschränke, Vitrinen, Giftwaagen, Giftmörser, Erlenmeyerkolben, Messkännchen, Dosierlöffel, eine Pillenmaschine oder eine alte Reiseapotheke. Jedoch fehlte bislang der Anlass, die giftigen Schätze zu präsentieren.

Über 100 Werke

Dann entstand die Idee, gemeinsam mit dem Sächsischen Apothekenmuseum Leipzig und dem fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim "Giftiges" in Zusammenhang mit dem 125. Geburtstag der weltbekannten Krimiautorin Agatha Christie zu zeigen. Mit über zwei Milliarden verkauften Romanen die erfolgreichste Krimiautorin aller Zeiten sagte diese selbst einmal: "Seit Lukrezia Borgia bin ich die Frau, die am meisten Menschen umgebracht hat, allerdings - mit der Schreibmaschine. Gift übt eine gewisse Faszination aus. Es hat nicht die jähe Brutalität einer Revolverkugel oder einer blanken Waffe."

In mehr als 70 ihrer über 100 Werke ist Gift die Mordwaffe. Gift ist nicht automatisch Gift, "Dosis sola facit venenum - Die Menge allein macht ein Gift aus." Sogar Toxikologen bescheinigten der "Lady of crime" ein pharmazeutisches Wissen, das sich auf Lehrbuchniveau bewegt.

Christie schrieb nicht nur zahlreiche Krimis, ursprünglich war sie ausgebildete Pharmazeutin. Ihren beruflichen Weg als Pharmazeutin und Erfolgsautorin zeichnet die bis 25. Mai andauernde Ausstellung ebenso nach, wie die Lebensgeschichten zahlreicher Mörderinnen der vergangenen Jahrhunderte. Jede einzelne Lebensgeschichte wurde von Kuratorin Yvonne Müller akribisch aufgezeichnet, alle liegen jetzt gut zugänglich und zugleich abschreckend in den Schubladen des ausgestellten Apothekerschrankes.

Agatha Christie wurde 1890 in Torquay in England geboren, 1909 versuchte sie sich an ihrem ersten Roman. Im Ersten Weltkrieg war sie als Krankenschwester und Apothekenhelferin im Einsatz. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Pharmazie einer Klinik, dokumentierte Erscheinungen und Eigenschaften der verschiedenen pharmazeutischen Substanzen mit ihren Quellen und Wirkweisen in Notizbüchern.

"Ich begann mir zu überlegen, welche Art von Krimi ich schreiben könnte. Auf den Regalen rund um mich herum standen Gifte, und so war es nur natürlich, dass ich einen Giftmord ins Auge fasste." 1920 erschien ihr erster Detektivroman "The Mysterious Affair at Styles", in ihm hat auch Meisterdetektiv Hercule Poirot seinen ersten Auftritt. Auch im Zweiten Weltkrieg ist sie wieder in einer Apotheke tätig, danach ist ihr schriftstellerischer Erfolg unaufhaltsam. 1971 wird sie zur "Dame of the British Empire" ernannt. Am 12. Januar 1976 stirbt Agatha Christie. Ihr Vermächtnis: Zahllose Kriminalfälle, wohl verpackt zwischen Buchdeckel und auf Zelluloid gebannt. Selbst sagte die "Queen of Mystery": "Gebt mir eine anständige Flasche Gift und ich werde das perfekte Verbrechen konstruieren."

Keine Anleitung

Fast mutet die Ausstellung wie eine Anleitung zum Morden an, jedoch wird deutlich gemacht, dass es das perfekte Verbrechen nicht gibt. Auch die Giftmörderinnen, deren Leben und grausames Tun innerhalb der Ausstellung nachgezeichnet ist, sind trotz unendlich vieler Morde letztendlich alle zur Rechenschaft gezogen worden. Agatha Christie gibt keine Rezepturen an, gibt keine Anleitung für einen Giftcocktail. Das angeblich perfekte Gift macht also noch lange nicht den perfekten Mord!

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Die Ausstellung "Arzneimittel in todsicherer Dosis. Die Pharmazeutin Agatha Christie" ist bis 25. Mai 2015 im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel (Spitalhof 5, Wunsiedel, Telefon 09232/2032) zu sehen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.fichtelgebirgsmuseum.de
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