Kiesgärten - richtig schön

Gräser und Stauden im Spiel mit Steinen unterschiedlicher Körnung. Im Veitshöchheimer Schotterbeet wächst der Pflanzvorschlag "Leicht und luftig" (Katzenminze, Bart-Iris, Schleierkraut, asiatische Duftminze, Kugeldistel, Kalk-Aster usw.). Im Mai überwiegt hier die Farbe Blau. Bilder: Portner (5)
Lokales
Bayern
27.05.2015
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Steine liegen im Trend. Viele moderne Anlagen erinnern jedoch eher an eine Steinwüste als an einen Garten. Eine Alternative bieten Schotter- und Kiesbeete, die nicht nur mit ihrer Pflanzenvielfalt punkten, sondern auch pflegeleicht sind - aber nur, wenn man einiges beachtet.

Die Bayerische Gartenakademie an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) hat sich in Schotter und Kies verliebt. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man durch die Anlage spaziert. Beim Seminar "Kiesgärten - richtig schön" zeigten sich auch die Teilnehmer von den blühenden Staudenbeeten hellauf begeistert.

Vorneweg: Kiesbeete mit Stauden sind optimal für öffentliche Anlagen, da sie den städtischen Bauhöfen im Laufe der Jahre enorm viel Einspar-Potenzial bieten. Dies gilt natürlich auch für den Hausgarten, insbesondere für Terrassen-Böschungen, Traufstreifen, Beete an Sitzplätzen, im Vorgarten und als Rasen-Ersatz. Warum ein Kiesgarten? "Weil er Urlaubsgefühle weckt, Exotik in den Garten bringt und dem Klimawandel Rechnung trägt", sagte Kursleiter Rainer Berger und sprach auch den reduzierten Pflegeaufwand einer Gestaltung mit Pflanzen in Kies und Schotter an: Weniger gießen, düngen, mähen und auch weniger Aufwuchs entfernen und hacken. Voraussetzungen dafür sind der richtige Standort (trocken, sonnig, nährstoffarm), wenig "nackte" offene Kiesflächen und passende Pflanzen.

Das Thema von Helmut Rausch war die Planung eines Kiesgartens mit den Gestaltungselementen Stein (Spiel mit der Körnung) und Pflanze (Höhenstaffelung, Wegbegrenzung). Über Standort, Bodenvorbereitung und Pflanzung referierte Dr. Philipp Schönfeld, der mehrere Schotterbeete in der LWG-Außenanlage geplant hat. Meist ist ein Bodenaustausch notwendig. Dazu den Oberboden abtragen, den Untergrund lockern und je nach Art der Pflanzung ein Splitt-Gemisch (unkrautfreier Boden und 70 bis 90 Prozent Splitt 2-16 mm) bzw. ein Schottersubstrat (zwei Drittel Schotter/Kies 2-16 mm und ein Drittel Sand 0-2 mm) auftragen.

Die Topfballen gut wässern und beim Pflanzen drei Zentimeter überstehen lassen. Abschließend Mineral-Mulch (Sand, Kies, Splitt 8-16 mm) fünf bis sieben Zentimeter hoch auftragen. Von einer Vlies-Unterlage rät der Experte ab. Gewässert werden muss die Anlage nur im Pflanzjahr (beste Zeit im Herbst), ansonsten Jäten, Schnitt im Februar/März, Mulch ergänzen, Laub entfernen und "mehr lassen denn tun!" Informationen gab es auch zum Pflanzprinzip: Einzelne Gerüststauden (wie Astern, Gräser) und Begleitstauden in Gruppen (wie Mädchenauge, Akelei) pflanzen, danach Stein-Findlinge verteilen, niedrige Arten (wie Flockenblume, Storchschnabel) und Blumenzwiebel (10 bis 20/Quadratmeter) setzen. Näheres dazu siehe im Kasten unten.

Bei einer Rundfahrt durch Veitshöchheim stellte Bauhof-Chef Sebastian Heller seine pflegeleichten Kiesbeete an Schulen und Straßeninseln vor. Kleinere Flächen dieser Art findet man bereits auch in vielen Privatgärten in den Weinorten Frankens - und auch die sterilen "weißen Kieswüsten", die mit den Jahren immer pflegeintensiver werden. Aber auch im Garten gilt: "Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters!"
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Veitshöchheim (25)Mai 2015 (7904)
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