Kinder dürfen weder Druck spüren noch ein schlechtes Gewissen bekommen
Trennung so schonend wie möglich

Lokales
Bayern
09.09.2015
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Wenn Paare sich trennen, ist das fast immer schwierig und hochemotional. Besonders kompliziert ist es, wenn Kinder im Spiel sind. Wichtig ist, dem Kind keinen Druck und kein schlechtes Gewissen zu machen, sagt Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE). "Sie sollten keinesfalls Dinge sagen wie ,Ich bin traurig, wenn du nicht da bist'", warnt die Expertin. Besser sei: "Ich freue mich auf dich und bin gespannt zu erfahren, wie es bei Mama war."

Ein absolutes Tabu ist Aushorchen über den anderen Elternteil. Außerdem sollten Eltern alles rechtzeitig ankündigen und mit dem Kind besprechen. So sollte es immer schon am Vortag wissen, wer es nachmittags von der Kita abholt - und nicht erst am Tag selbst.

Klarheit schaffen

Wenn Eltern sich trennen, wissen sie oft auch nicht, wie sie das den Kindern sagen sollen. "Wenn es geht, sollten sie das gemeinsam tun", rät Ulrich Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Ganz wichtig: Eltern dürfen dabei weinen, aber auf keinen Fall streiten. Ist das in der Situation nicht möglich, sollten sie lieber getrennt mit den Kindern reden - sich aber vorher absprechen. "Fast alle Kinder merken eh vorher, dass etwas nicht in Ordnung ist", sagt Ritzer-Sachs. Dann sei es für sie gut und wichtig, Klarheit zu bekommen.

Im Gespräch sei es wichtig, dem Kind zu sagen: "Das hat nichts mit dir zu tun. Mama und Papa trennen sich, aber die Liebe zu den Kindern hört nie auf." Außerdem sollte schnell klar sein, dass die Kinder weiter Kontakt zu beiden haben. "Und es wäre gut, wenn sich nicht gleich alles ändert", sagt Ritzer-Sachs.

Kindern hilft es beispielsweise, wenn sie in der alten Wohnung bleiben und nicht die Schule wechseln müssen. Hat ein Elternteil einen neuen Partner, sollte ein Treffen erst einmal einige Zeit warten. Etwas später ist es aber gut für Kinder, wenn sie neue Partner mögen dürfen - auch, wenn das schwierig für den anderen Elternteil ist. "Für Erwachsene ist eine Trennung eine schwere Lebenskrise, sie dürfen aber die Kinder nicht aus den Augen verlieren", sagt Ritzer-Sachs.

Es gibt auch Vorteile

Die Kinder bemerken oft auch die Vorteile. "Dann fahren sie plötzlich zweimal in den Urlaub, feiern zweimal Weihnachten und verbringen oft mehr bewusste Zeit mit den Eltern." Bei wem die Kinder bleiben, ob sie einen festen Lebensmittelpunkt behalten oder quasi wöchentlich umziehen, das muss jede Familie ganz individuell entscheiden.
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