Lange kräftig zubeißen

Wenn die Zähne nicht richtig aufeinandertreffen, versucht der Körper, das auszugleichen - das kann zu Schmerzen, Nacken- und Rückenproblemen führen.
Lokales
Bayern
16.05.2015
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Viele waren erstaunt, als sie hörten, das man sich mit Karies "anstecken" kann. Nicht minder wunderte, dass manche Mineralwässer so sauer wie eine Cola sind. Wie Zähne dennoch gesund bleiben, verriet Zahnärztin Astrid Eichler.

Mit "Gesunde Zähne - kein Kinderspiel! Was Eltern über den Mund ihres Kindes wissen sollten" hatte Astrid Eichler, Zahnärztin in der Gemeinschaftspraxis Holler und Kollegen in Arzberg, ihren Vortrag in den Häusern Selb und Marktredwitz des Klinikums Fichtelgebirge überschrieben.

Bereits in der sechsten Schwangerschaftswoche werden die Zähne des Menschen angelegt, auch wenn sie sich erst Monate nach der Geburt bemerkbar machen. Das erste "Training", so Eichler, erhielten sie bereits durch das kräftige Saugen an der Brust, das die gesamte Kiefermuskulatur positiv beeinflusse. Deshalb sei es auch so wichtig, die Saugöffnung einer Trinkflasche nicht zu vergrößern.

Mit der Entwicklung der Zähne verändere sich auch die Struktur des Kiefers, das Gesicht strecke sich, bereite sich auf feste Nahrung und effektives Kauen vor. Meist seien im Alter von zweieinhalb Jahren alle Milchzähne da, die dann wiederum Jahre später von den bleibenden Zähnen abgelöst würden.

"Heutzutage sind die meisten Kinderzähne gesund", lobte die Referentin, "wenn jedoch etwas schief läuft, dann heftig." Oftmals seien es Ursachen wie zum Beispiel überzählige Zähne im Kiefer oder die genetisch bedingte Untermineralisierung, die Probleme bereiten würden. Zahn-Kiefer-Fehlstellungen seien zum Teil ebenfalls genetisch bedingt - wie eine Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen oder ein vorgeschobener Unterkiefer, zum Teil aber auch hausgemacht wie der sogenannte "lutschoffene Biss" vom exzessiven Schnuller- oder Daumengebrauch.

Das alles sei kein bloßer Schönheitsfehler: "Wenn die Zähne nicht richtig aufeinandertreffen, versucht der Körper, das auszugleichen - das kann zu Schmerzen, Nacken- und Rückenproblemen bis hin zur Wirbelsäulenverkrümmung führen."

"Zahnrettungsbox"

Doch auch Unfälle gefährden oft die Zähne von Kindern. Eine sehr löbliche Errungenschaft, so die Referentin, sei in diesem Zusammenhang eine "Zahnrettungsbox", die an vielen Schulen bereits zur Verfügung stehe. Wenn keine zur Hand sei, könne man einen ausgeschlagenen Zahn auch in einem Behälter mit Milch, Wasser oder Kochsalzlösung schnell zum Zahnarzt bringen - je früher, desto größer seien die Chancen, dass der Zahn wieder erfolgreich eingesetzt werden kann.

Am meisten zu schaffen mache den Zähnen natürlich Karies, eigentlich eine Infektionskrankheit, mit der man sich ansteckt - wenn zum Beispiel Eltern daran leiden und aus der gleichen Flasche trinken wie ihr Kind. "Die entsprechenden Bakterien werden nach der Nahrungsaufnahme aktiv, produzieren aus den vorhandenen Kohlenhydraten Säure, die die Zähne wiederum demineralisiert und schädigt", erläuterte die Zahnärztin. Zweimal pro Tag sollten die Zähne mechanisch gereinigt werden, und zwar ab dem ersten Milchzahn. Auch den "Wirtsfaktor Zahn" selbst könne man beeinflussen: So werde der Zahnarzt durch eine "Fluoridierung" die Zähne härter machen oder durch eine Versiegelung mit flüssigem Kunststoff die Grübchen in den Backenzähnen schützen.

Zuckerfrei

Grundsätzlich sei es besser, Süßigkeiten gleich nach dem Essen zu sich zu nehmen, damit der PH-Wert des Speichels sich wieder einpendeln könne. "Vorsicht bei Getränken!", warnte Eichler, "die Deklaration 'zuckerfrei' bezieht sich nur auf raffinierten Zucker. Und auch den Säuregehalt von Mineralwässern und Säften sollte man im Blick haben." Ein paar Verhaltensmaßregeln gab sie den Eltern noch mit: Keine eigenen Ängste aufs Kind übertragen. Niemals mit dem Zahnarzt drohen. Das Zähneputzen einfach zur selbstverständlichen Routine werden lassen.
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