Messingblech klingt meisterlich

Die engagierten Hobby-Musiker erarbeiteten mit den fünf Profis aus Prag etliche Musikstücke. Beim Konzert in der Kirche St. Bartholomäus bestritten sie den ersten Teil, ehe die Blechbläser von der Moldau solo begeisterten. Bild: hfz
Lokales
Bayern
02.09.2015
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Die preisgekrönten Musiker vom "Prager Blechbläser Ensemble" unternehmen gerne mal einen Abstecher in die Oberpfalz und nach Oberfranken. Dabei geben sie nicht nur Kostproben ihres Könnens, sondern auch handfeste Tipps für Blechbläser-Kollegen.

Wer am Samstagnachmittag zufälligerweise den Pfarrhof passierte oder die Bartholomäuskirche umrundete, vernahm aus dem sonst zu dieser Zeit stillen Kirchenraum lautes Posaunen- und Trompetengebläse. Bei einer Bläserfortbildung erarbeiteten sich dort unter der Leitung des "Prager Blechbläser Ensembles" 30 Musiker aus der nördlichen Oberpfalz und aus Marktredwitz mehrere Werke der klassischen Posaunenchorliteratur, um sie dann am Abend öffentlich vorzutragen.

Echte Herausforderung

Eröffnet wurde das Konzert mit einem Stück des böhmischen Komponisten Jan Campanus Vodnansky, einem vierstimmigen Doppelchor, arrangiert allerdings für jeweils neun Bläserstimmen. Die Chöre spielten getrennt im Chorraum und auf der Orgelempore und erreichten eine berauschende Klangfülle. Der Schlusschoral aus der Kantate "Was Gott tut, das ist wohlgetan" von Johann Sebastian Bach folgte als zweites Stück. Dazwischen begrüßte Ekkehard Klein, ein Bläser des Posaunenchores Marktredwitz, die etwa 100 Besucher und versäumte nicht, sich für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung durch die Wolfgang-Witt-Stiftung der evangelischen Kirchengemeinde zu bedanken.

Ein "Allegro" von Georg Philipp Telemann, bearbeitet als Doppelchor zu jeweils sieben Stimmen, folgte. Michail Iwanowitsch Glinka gilt als Schöpfer einer eigenständigen Musik Russlands. Er vertonte ein Stück aus der russisch-orthodoxen Liturgie, "The cherubic hymn", vorgetragen für zehn Bläserstimmen.

Den Abschluss des ersten Konzertteils bildeten zeitgenössische Kompositionen. Von Traugott Fünfgeld, Bezirkskantor in Offenburg, kommt das vierstimmig komponierte Musikstück "Latino". Rhythmisch nicht ganz einfach weckt es Assoziationen zu südamerikanischer Musik. Arrangiert für neun Bläserstimmen bildete es für die oberpfälzisch-oberfränkischen Laienbläser eine echte Herausforderung. Ein den Posaunenchören ebenfalls vertrauter Komponist ist Ralf Grössler, Kreiskantor in Wildeshausen bei Oldenburg. In der von ihm fünfstimmig gesetzten "Intrada", umgearbeitet für 13 Bläserstimmen, verbindet er traditionelle Kirchenmusik mit Jazzelementen. Damit verabschiedete sich der hochmotiviert und hochkonzentriert spielende Chor. Die Arrangements bewerkstelligte im Vorfeld in mühevoller Fleißarbeit der Chef der "Prager Bläser", Jan Votava. Horst Seifert, der Leiter des Marktredwitzer Posaunenchores, gab den Kirchenbesuchern mit reichlich Detailkenntnissen gespickte Informationen zu den Komponisten und Programmstücken.

Böhmisches Flair

Nach der Pause stellten die Prager Blechbläser ihre hohe Kunstfertigkeit unter Beweis. Natürlich spielen diese fünf begnadeten Profimusiker in einer völlig anderen Liga, weshalb ein Qualitätsvergleich ganz einfach töricht wäre. Glanzlichter erleuchteten die altehrwürdige Kirche, die Ergriffenheit war auf den Gesichtern der Zuhörer abzulesen, als die Künstler in ruhigem schwebenden Ton und fein abgestimmter Lautstärke "Air" aus Bachs Orchestersuite Nr. 3 zelebrierten oder auch ein fröhliches "Rondo" von Jean-Joseph Mouret vortrugen. Kompositionen böhmisch-tschechischer Tonsetzer gehören ganz selbstverständlich zum Programm der Prager Blechbläser - und Kenner des Ensembles spürten gerade bei diesen Stücken das Flair, das das Musizieren böhmischer Musikanten kennzeichnet.

"Wonderful World"



Aber auch moderne Musik ist Bestandteil des Repertoires. Als Ohrwurm wird den Zuhörern wohl Louis Armstrongs "What a Wonderful World" in Erinnerung bleiben, am Samstagabend vorgetragen als fünfstimmiger Bläsersatz, arrangiert von Jan Votava. Zwei beglückende Stunden in bezaubernder Atmosphäre endeten noch nicht, denn das Publikum erklatschte sich zwei Zugaben.
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